Bremen astronomisch: Den Sternen ganz nah

Ein virtueller Naturerlebnisraum? Wer jetzt an ein fantastisches Computerspiel im Elfenwald oder eine spektakuläre Show im Aquarium denkt, liegt dabei nicht so ganz richtig. Doch für Kinder klingt es allemal nach Spannung und Show und das ist ja die Hauptsache, finde ich.

Ich begebe mich also mit meiner Tochter – auch wenn heute die Sonne über der Weser scheint – in einen kleinen, dunklen, runden Raum: das Olbers-Planetarium in der Hochschule für Nautik und Wirtschaft.

Eher unspektakulär: Der Eingang des Olbers-Planetariums in der Hochschule Bremen.

Eher unspektakulär: Der Eingang des Olbers-Planetariums in der Hochschule Bremen.

Im vorweihnachtlichen Trubel wollen wir uns eine passende Geschichte anschauen: „Sam und der Weihnachtsmann“. Im Vorraum warten bereits einige Kinder mit ihren Eltern und Großeltern mit ihren Enkeln darauf, dass es endlich losgeht. Neugierig äugen auch wir in den kleinen, düsteren Raum, das ist also der „virtuelle Naturerlebnisraum“. Hier finden die gut 20 Besucherinnen und Besucher Platz, einige kleinere Kinder wollen lieber gleich auf den Schoß, weil es dunkel ist.

Der ZKP 2 erinnert mich ein wenig an Nummer 5.

Der ZKP 2 erinnert mich ein wenig an Nummer 5.

Sterne so weit das Auge reicht

In der Mitte des Raumes steht der ZKP 2, der Zeiss-Klein-Projektor aus dem Jahr 1979, wie wir erfahren. Meine Tochter interessiert sich überhaupt nicht für die technischen Details, denn sie ist zum einen etwas klein dafür, zum anderen begeistert sie der auftauchende Sternenhimmel und das Funkeln und Glitzern an der Decke viel mehr. Auch ich versinke in einem Meer aus Lichtern und ein andächtiges Raunen geht durch die beiden Reihen.

Sorgt für über 6000 Sterne am Planetariumshimmel: Der ZKP 2 aus dem Jahr 1979.

Sorgt für über 6000 Sterne am Planetariumshimmel: Der ZKP 2 aus dem Jahr 1979.

Mit dem Weihnachtsmann nach Mexiko

Vorführerin Aliza projiziert die illustrierte Geschichte von der neunjährigen Samantha, die sich in der Schule gerade mit Astronomie beschäftigt. Weil Sam genau weiß, wie man mithilfe des Polarsterns zum Nordpol gelangt, zieht sie eines Abends alleine los. Sie trifft auf Santa Lucia, Pinguine und schließlich den Weihnachtsmann und darf mit ihm gemeinsam die Geschenke für das Weihnachtsfest verteilen. Die Sterne helfen ihnen bei ihrer abenteuerlichen Schlittenfahrt rund um die Erde. Sam lernt Weihnachtsbräuche in Mexiko und auf Hawaii kennen.

Leider darf ich im Planetarium selbst natürlich nicht fotografieren, ich riskiere nur einen kleinen Schnappschuss – ohne Blitz versteht sich. Das Beitragsbild kommt direkt vom Olbers-Planetarium.

Schnell geknipst: Die neunjährige Sam plaudert mit dem Weihnachtsmann.

Schnell geknipst: Die neunjährige Sam plaudert mit dem Weihnachtsmann.

Nicht nur dass ich lerne, dass das hawaiianische „Mele Kalikimaka“ in etwa „Fröhliche Weihnachten“ bedeutet, nein, ich erfahre auch wie ich den Polarstern finden kann: Die Klappe beim Sternbild „Großer Wagen“ fünfmal nach hinten klappen. So einfach ist das also! Meine astronomischen Kenntnisse bezeichne ich als äußerst rudimentär und meine Phantasie beim Erkennen von Sternenbildern war schon immer unterdurchschnittlich. Doch hier kapiere ich so einiges und versuche es mir zu merken. Denn meine Tochter wird irgendwann fragen, da bin ich ganz sicher.

Als wir zum Abschluss noch einen Blick auf den aktuellen Herbsthimmel über Bremen werfen, erzählt Aliza die Geschichte der selbstverliebten Kassiopeia, die bereit war, ihre einzige Tochter, Andromeda, einem Meerungeheuer zu opfern. Auch griechische Mythologie ist hier (fast) kinderleicht zu verstehen.

Vorführerin Aliza hat alles im Griff.

Vorführerin Aliza hat alles im Griff.

Zeigen, begeistern, vermitteln

Eigentlich ist ein Planetarium ja dazu da, „die Illusion einer sternenklaren Nacht zu erzeugen“. Im Olbers-Planetarium werden dem Publikum nicht nur diese Illusion, sondern auch astronomische Phänomene und die Naturgesetze des Himmels anschaulich vermittelt. Für so manches Kind – und auch manch einen Erwachsenen – vielleicht ein etwas sperriges Thema, das hier locker aufbereitet wird.

Astronom und Namensgeber: Heinrich Wilhelm Olbers

Astronom und Namensgeber: Heinrich Wilhelm Olbers

Das Olbers-Planetarium existiert bereits seit fast 63 Jahren. Früher wurden hier angehende Nautiker im Fach Navigation unterrichtet, heute bietet der „virtuelle Naturerlebnisraum“ schon für Kinder ab vier Jahren abenteuerliche Geschichten rund um den Sternenhimmel an. Sternschnuppen, Kometen und Meteoriten werden hier für Klein und Groß erlebbar. Bei den Familienprogrammen lernen auch Erwachsene eine Menge.

Mit rund 24.000 Besuchern ist es das meistbesuchte 6-Meter-Planetarium Deutschlands. Für Erwachsene gibt es inzwischen zahlreiche Specials, beispielsweise zu Halloween, zum Valentinstag oder an Silvester. Auch der ganz „normale“ Sternenhimmel kann hier beobachtet werden, immer freitags, 19.30 Uhr. Und mit rund1400 Veranstaltungen pro Jahr dürfte für jede/n Sternenhungrige/n etwas dabei sein!

Das Weihnachtsprogramm „Sam und der Weihnachtsmann“ ist 2014 noch an folgenden Terminen im Olbers-Planetarium zu sehen:
So, 21.12., Mi, 24.12., Fr, 26.12.
jeweils um 14 Uhr und
Mi, 24.12. und Fr, 26.12.
jeweils um 11.30 Uhr.

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