Bremens Kaffeemacher II: Hemken im Ostertor

In unserer Serie „Bremens Kaffeemacher“ möchten wir aktive Kaffeeröstereien in der Hansestadt vorstellen – nicht nur weil Kaffee eine lange Tradition in Bremen hat, sondern auch, weil traditionell gerösteter Kaffee in Zeiten von Nachhaltigkeit und Konsumbewusstsein derzeit eine Renaissance erlebt. Gerade kleine Röstereien machen Bremen zur Kaffeehauptstadt, denn wo sonst weht in den Gassen und Straßen ein so unwiderstehlicher Kaffeeduft? Zum Beispiel im Ostertor, wo Gerhard Hemken regelmäßig seinen Trommelröster anwirft…

Nostalgie pur: Die alte Registrierkasse wird noch benutzt.

Nostalgie pur: Die alte Registrierkasse wird noch benutzt.

Die Türglocke läutet. Der kuschelige Kaffee- und Teeladen mit seiner dunklen Ladeneinrichtung und den vielen Gerüchen lässt mich an einen Kolonialwarenladen denken. Es gibt von allem etwas, neben Tee und Kaffee in Schütten und Dosen erblicke ich unter anderem Räucherstäbchen, Kakao-Pulver, bunte Kerzen, Tee-Eier, unzählige Yogi-Teesorten, Bremer Babbeler und Dinkel-Kekse. Entschleunigung pur im Herzen des trubeligen Viertels, freue ich mich.

„Lohnröstung“: Eine Prise Share Economy in Bremen

Von 1951 bis 1972 war die Firma vorrangig als Versandhandel tätig, Gerhard Hemken führte die Familientradition fort. Das Fachgeschäft unweit des Sielwall-Ecks besteht nun bereits seit 1973. In den achtziger Jahren ließ der gelernte Kaufmann seinen Kaffee noch bei August Münchhausen rösten. Das als „Lohnröstung“ bezeichnete Geschäft ist ein Verleih, für den Hemken eine Art Miete bezahlte. Auch heute lässt er große Mengen bei der Bremer Traditionsrösterei im Stephaniviertel rösten.

Gerhard Hemken im Workflow des Röstens.

Gerhard Hemken im Workflow des Röstens.

Bei Hemken selbst wird drei-, viermal in der Woche geröstet. Der Röster fasst 12 Kilogramm Rohkaffee, bei 15 Prozent Einbrand ergibt das am Ende zehn Kilogramm. Insgesamt kommt das Geschäft dabei auf rund 1000 Kilogramm Kaffee pro Monat. Hätte ich eine mathematische Grundbegabung könnte ich diese Zahlen zu einem beeindruckenden Gesamtresultat zusammenfügen. Habe ich aber leider nicht. Aber riechen tut es hier, bei meinem zweiten Kaffeemacher, unglaublich lecker.

Kleine Bohnen, großartiger Geschmack: Mein Lieblingskaffee kommt aus Äthiopien.

Zuerst kleine Rohbohnen, später großartiger Geschmack: Mein Lieblingskaffee kommt aus Äthiopien.

Der Online-Handel boomt auch hier

Der Versandhandel blüht wieder - dank des Internets.

Der Versandhandel blüht wieder – dank des Internets.

Der Versandhandel über das Internet hat in den letzten Jahren wieder zugenommen, erzählt Hemken. Viele Exil-Bremer wollten „ihren“ Hemken-Kaffee auch anderorts trinken; inzwischen bestellen Kunden aus ganz Deutschland bei ihm.

Die Türklingel bimmelt, ein Stammkunde betritt den Laden. Der Umgangston ist gut gelaunt, ja schon fast kumpelhaft, bemerke ich schmunzelnd.

Kaffee ist mehr als „Krönung“, „Beste Bohne“ oder „Privat Kaffee“

Als der Preiskampf der Discounter begann, nahm Gerhard Hemken Tee in sein Sortiment auf, um das immer schlechter laufende Kaffee-Geschäft zu kompensieren. Inzwischen teilen sich Tee und Kaffee die Umsatzzahlen – und die Kundinnen und Kunden sind hochzufrieden. Verkaufsschlager ist der klassische Espresso, aber die Vielfalt der Sorten und Regionen zeigt sich auch hier. Kaffee aus Tansania und Honduras etwa. Oder die leckeren, aromatisierten Kaffees mit Vanille oder Irish Cream.

Fair gehandelter Bio-Kaffee hat seinen guten Preis.

Fair gehandelter Bio-Kaffee hat seinen guten Preis.

Wie bei Münchhausen und in anderen kleinen Manufakturen wird der Rohkaffee hier mit niedriger Temperatur schonend geröstet – die sogenannte traditionellen Langzeitröstung. Ich erfahre, dass Hemken bewusst auf ökologisch unsinnige Vakuumverpackungen verzichtet – und finde das richtig gut. Müll gibt’s schließlich genug auf der Welt.

Obacht: Sobald Kaffee gemahlen ist, verliert er an Aroma. Feinschmecker kaufen ihn deshalb in der Bohne und mahlen ihn zuhause. Doch das kostet natürlich: eine Kaffeemühle und Zeit. Gemahlener Kaffee hält sich im Kühlschrank länger frisch, einfrieren kann man ihn auch sehr gut.

Natürlich spülen fair gehandelter Kaffee und Bio-Bohnen mehr Geld aus dem Portemonnaie. Aber meine Devise lautet: Wer die Bohne ehrt, hat des Kaffees Wert. Lieber eine Tasse weniger am Tag, aber dafür eine richtig gute.

Nur einen Steinwurf vom Sielwall-Eck entfernt: Die Rösterei Hemken.

Nur einen Steinwurf vom Sielwall-Eck entfernt: Die Rösterei Hemken.

Die Öffnungszeiten von Hemken im Ostertor: Mo-Do 9-13 Uhr und 14.30 bis 18.30 Uhr, Fr 9-18.30 Uhr und Sa 10-14 Uhr.

 

Ein Kommentar zu “Bremens Kaffeemacher II: Hemken im Ostertor

  1. Hallo,

    wie cool ist die alte Registrierkasse eigentlich? Da steckt noch mal richtige Mechanik hinter und nicht immer dieser Neumoderne Kram. Ich kenne die Kaffee Rösterei zwar noch nicht, aber dies wird sich sicherlich bald ändern.

    VG
    Norbert

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