Bremer Köpfe: Gräfin Emma

In einem kleinen Park im Norden Schwachhausens ritt mir neulich eine sehr bedeutende und interessante Bremer Persönlichkeit über den Weg. Ihr haben die Bremer den Bürgerpark zu verdanken. Zu einem Interview war die Gräfin Emma dann doch nicht aufgelegt, aber ich hab auch so einiges über sie herausbekommen.

Ein bisschen steif sitzt die Gute ja schon auf dem Rücken ihres Pferdes. Während ich um das bronzene Reiterpaar herumschleiche und die Gräfin aus verschiedenen Winkeln durch den Kamerasucher betrachte, möchte ich ihr aufmunternd zurufen: „Nun lächeln Sie doch mal, Frau Gräfin.“ Doch so recht lässt sie sich nicht motivieren. Ab und zu – je nach Perspektive – zuckt einer ihrer Mundwinkel für einen Moment lang nach oben. Dann aber blicke ich wieder in ein etwas angespannt, zart lächelndes Gesicht. Bei längerer Betrachtung ahne ich dennoch, dass hinter der höflichen Zurückhaltung eine Frau mit einer guten Portion Durchsetzungskraft, milder Güte und trockenem Humor gesteckt haben könnte.

Frau Gräfin, nun lächeln Sie doch mal!

Frau Gräfin, nun lächeln Sie doch mal!

Herkunft ungewiss

Emmas Herkunft ist bis heute nicht ganz geklärt. Sie wurde aber zur Emma von Lesum und ist die erste namentlich nachweisbare Bremerin. Das reicht ja eigentlich schon, um für die Stadtgeschichte von Wichtigkeit zu sein. Doch Emma trug auch aktiv dazu bei, dass sie bis heute überall in Bremen verewigt ist: in Straßennamen, im See- und Cafénamen im Bürgerpark, als Hal över-Schiff auf der Weser, im Kirchenfenster im Schnoor und in Form von Statuen in Schwachhausen und in Lesum. Sie stiftete der Stadt und vor allem dem Dom allerhand von ihrem Vermögen und galt daher als Wohltäterin. Nach ihrem Tod ist sie als Heilige verehrt worden, obwohl eine Heiligsprechung nicht belegt ist.

Wie sie wohl war? Stolz, milde, humorvoll, kontrolliert?

Wie sie wohl war? Stolz, milde, humorvoll, kontrolliert?

Alte Dame, gut gehalten

Während ich mich dem Bronzeguss der Gräfin im kleinen Park an der Emmastraße, Ecke H.-H.-Meier-Allee, fotografisch nähere, frage ich mich, wie wohl das Leben einer Gräfin und Gutsbesitzerin vor gut 1000 Jahren war. So alt ist Emma nämlich schon und dafür hat sie sich ganz schön gut gehalten. Sie habe eher zurückgezogen gelebt, heißt es, auf ihrem Anwesen in Lesum, wohlmöglich dort, wo heute die Villa Lesmona steht.

Über den Weg gelaufen: Interessante Begegnung in Schwachhausen.

Über den Weg gelaufen: Interessante Begegnung in Schwachhausen.

Auch die Skulptur, die sie hier abbildet, hat schon fast 30 Jahre auf dem Buckel. 1988 verewigte der Bremer Bildhauer Thomas Recker das Reiterpaar in einem Bronzeguss und erneuerte so die zehn Jahre zuvor aufgestellte farbige Betonvariante der beiden Adeligen.

Die Legende um den Bürgerpark

Der Begleiter der Gräfin ist übrigens ihr Schwager Herzog Benno. Dieser spielte in Emmas wohl größtem Verdienst für die Stadt Bremen eine wichtige Rolle. Der Legende nach wurde Emma nämlich um das Jahr 1032 von Mitgliedern der Bremer Bürgerschaft auf den Mangel von Weideland im näheren Umkreis angesprochen. Daraufhin entschied die Gräfin, den Bremer Bürgern eine Fläche an Land zu schenken, die so groß sein sollte, wie ein einzelner Mensch in einer Stunde umrunden konnte. Herzog Benno bekam Angst um sein Erbe und schaltete sich mit einer List ein. Um der Gräfin Wohltätigkeit wissend, schlug er ihr vor, die Zeit für die Umrundung auf einen Tag zu verlängern. Er wünschte sich, dass er die Person aussuchen dürfte. Die Gräfin ließ sich darauf ein und ihr Schwager wählte einen Mann aus, dessen Beine verkrüppelt waren. (Dieser ist übrigens zwischen den Füßen des Rolands verewigt.) Durch den guten Zuspruch der Gräfin gelang es dem Mann schließlich eine Fläche zu umrunden, die viel größer war, als alle erwartet hatten. Diese Fläche ging in den Besitz der Bürger und wird seitdem Bürgerweide genannt. Im 19. Jahrhundert wurde sie dann zum Bürgerpark erweitert.

Da reiten sie von dannen.

Da reiten sie von dannen.

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