Der Bremer Roland und die Bremer

Auf dem Marktplatz, mitten im bunten Trubel der Hansestadt, steht er, unser Roland. Zaghaft lächelt er mich an, während ich ihn genauer betrachte. Eine gezielte Frage treibt mich zu Bremens Freiheitsstatue in die „gute Stube Bremens“: Was macht den Bremer zum Bremer? Der größte Bremer aus Stein müsste mir dazu eigentlich eine Auskunft geben können, schließlich steht er seit mehr als 600 Jahren im Zentrum der Stadt und beobachtet tagtäglich die Menschen. Ist er vielleicht ein Vorbild für manch einen Bremer, wo doch in der Hansestadt stets auf Unabhängigkeit und Freiheit gesetzt wird?

Doch nun zurück zu meiner Ausgangsfrage. Vorstellungen und Meinungen von uns gibt es genug: zurückhaltend, stur, norddeutsch. Typisch Bremer halt. Doch stimmen diese Charakteristika wirklich? Zwischen schnell vorbeieilenden Geschäftsleuten, schlendernden Touristen und Einheimischen versuche ich mein Glück und gehe der Frage auf den Grund. Ganz nach dem Motto: „Vorurteile sind erlaubt, nachfragen aber auch“.

„Nett, freundlich und hilfsbereit“, sind die ersten Begriffe, die ich von Touristen vernehme. „Offen und immer Tipps parat“, verrät mir ein österreichisches Paar. Ich frage mich weiter durch und erhalte viele interessante Antworten wie „zuvorkommend“ oder „oft ein Lächeln auf den Lippen“.

Kurze Zeit später treffe ich auf Elisa, die für ihr Studium von Südbrandenburg nach Bremen kam und offen zugibt, dass sie am Anfang ein bisschen skeptisch war. Doch schnell haben die Bremer sie positiv überrascht. „Sie sind ehrlich und freundlich. Man sieht ihnen direkt an, wenn es ihnen gut geht, aber auch, wenn ihnen etwas nicht passt.“ Das klingt ja bisher alles schön und gut, doch auch wir Bremer haben bestimmt unsere Macken.

Elisa auf dem Marktplatz. Das Studium führte sie nach Bremen.

Elisa auf dem Marktplatz. Das Studium führte sie nach Bremen.

Während mir dieser Gedanke noch durch den Kopf geht, entdecke ich zwei Kölner. Mit Blick auf das Rathaus antworten sie mir auf meine Frage: „Nordisch zurückgezogen sind die Bremer, aber bauen können sie“. Das ist doch mal eine Aussage denke ich mir und beende damit wieder vor dem Roland meine Recherche. Traditionsbewusst und hanseatisch verkörpert er die Stadt und seine Bürger. Schließlich sind wir für unsere nordische Sturheit und unseren Stolz auf unsere jahrhundertelange Eigenständigkeit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Und falls doch jemand unsere Unabhängigkeit in Frage stellt, hoffen wir auf unseren Roland. Stets mit einem freundlichen Ausdruck und einem Lächeln auf den Lippen schaut er hinüber zum Dom und beobachtet das Marktgeschehen, als wache er über der Stadt.

Originaler Roland-Kopf im Focke-Museum

Originaler Roland-Kopf im Focke-Museum.

 Bremer Kunst und Kultur entdecken
Wer mehr über den Roland erfahren möchte, ist im Focke-Museum richtig. Der Originalkopf des Rolands, der witterungsbedingt bei der letzten Renovierung ausgetauscht wurde, ist im Bremer Landesmuseum zu sehen. Darüber hinaus gibt es neben spannenden Sonderausstellungen noch vieles weitere über uns Bremer und die Hansestadt zu entdecken.

Das ist ein Gastbeitrag von Lisa Brandt.

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