Gute Laune im Happy-Cocktail-Land

Anfang Januar lief „Cocktail“ – der Film von 1988, in dem Tom Cruise als junger Bursche hinterm Tresen zeigt, dass Cocktails nicht nur lecker schmecken, sondern auch noch gut aussehen können – und damit meine ich nicht Herrn Cruise… der ist nicht ganz mein Geschmack, im Gegensatz zu leckeren Mix-Getränken.

Offensichtlich hatte die Redaktion des TV-Senders einen ähnlichen Grund, den Film zu zeigen, wie ich ihn für diesen Beitrag habe. Oder warum zeigt man mitten in der dunklen Jahreszeit die farbenfrohen Getränke, in voller Pracht an karibischen Strandbars in Szene gesetzt? Na, weil das gute Laune macht. Das zumindest ist der Anlass meines Beitrags. Dazu die gute Nachricht: Keiner muss in die Karibik fliegen, um sich am leckeren Trunk zu laben. Hier in Bremen gibt es auch eine ganze Menge Anlaufstellen.

Shake it, baby! Das Werkzeug des Barmixers: Der Shaker!

Shake it, baby! Das Werkzeug des Barmixers: Der Shaker!

Als erstes steuere ich die Lemon Lounge am Wall an. Absurderweise stapfe ich hierher durch den knöchelhohen Schnee, der in den vorangegangenen 36 Stunden fiel. In mir macht sich eher post-weihnachtliche Stimmung denn karibische Laune breit. Das macht aber nichts, lerne ich schon kurz nach Betreten der Lemon Lounge. Denn: „Es gibt für jede Gelegenheit den richtigen Cocktail“, erklärt mir Lounge-Inhaber Mario Ippen. Gerade gestern habe er mit seinem Team quasi eine nachträgliche Weihnachtsfeier gehabt. „Natürlich hatte keiner auf einen Sonntagnachmittag, an dem draußen gerade 15 Zentimeter Schnee gefallen sind, so richtig Lust auf einen spritzig, fruchtigen Cocktail“, lacht er. Kurzum gab es daher Irish Coffee – „Das perfekte Getränk für einen solchen Nachmittag.“

Gut eingerichtet und ausgestattet: Die Bar in der Lemon Lounge.

Gut eingerichtet und ausgestattet: Die Bar in der Lemon Lounge.

Die Karte in der Lemon Lounge lässt keine Wünsche offen. Über 100 Mix-Getränke finden sich hier. Alles Klassiker, sortiert nach Dekaden. Die Geschichte der Cocktails ist schließlich über 200 Jahre alt. Anfang des 19. Jahrhundert tauchte zum ersten Mal das Wort „Cock-tail“ auf, 1806 hielt dann ein Zeitungsartikel eine Definition des Mischgetränks fest. Die Herkunft des Wortes ist bis heute nicht wirklich geklärt. Es kursieren die abenteuerlichsten Erklärungen. Man möge gerne selbst im Netz ein wenig stöbern…

Seit gut 14 Jahren existiert die Lemon Lounge am Wall. Mario Ippen war damals zur richtigen Zeit am richtigen Ort, könnte man sagen. Er hatte zuvor schon im Schnoor im Kult-Laden Lemon Club im wahrsten Sinne des Wortes mitgemischt (sowohl Getränke als auch Musik) und als er dort ausstieg, liefen ihm quasi die Räumlichkeiten am Wall über den Weg. Da musste er einfach zugreifen.

Einmal "loungen", bitte. In der Lemon Lounge kann man allein ob des gemütlichen Ambientes ganz gut versacken - und dann kommen auch noch so leckere Getränke dazu.

Einmal „loungen“, bitte. In der Lemon Lounge kann man allein ob des gemütlichen Ambientes ganz gut versacken – und dann kommen auch noch so leckere Getränke dazu.

Vor allem Stil und Atmosphäre sind dem Inhaber wichtig. „Die Gäste stehen hier im Mittelpunkt“, betont er. „Sie sollen einfach eine gute Zeit haben, die von guten Getränken begleitet ist.“ Qualität und Stil machen die Lemon Lounge also aus. Eine weitere Besonderheit hält der Laden außerdem bereit. Hier gibt es nämlich auch im Fass gelagerte Cocktails – sogenannte Barrel Aged Cocktails. „Wir setzen beispielsweise eine Manhattan-Mischung an und lagern sie in Fässern aus Limousineiche“, erklärt Mario Ippen. Durch die lange Lagerung verbinde sich die Mischung so stark und nehme den Geschmack der Fässer an, dass daraus ein neues Getränk entstehe.

Barrel Aged Cocktail? Ja, nicht nur Whisky und Co. können in Fässern gelagert werden.

Barrel Aged Cocktail? Ja, nicht nur Whisky und Co. können in Fässern gelagert werden.

Mario Ippen bietet regelmäßig Cocktail-Mix-Kurse an, in denen die Teilnehmer das Mixen und eine ganze Menge über die Kunst der Geschmacksverbindung in einem Getränk lernen.

Gut in Szene gesetzt - die Gin-Auswahl in der Lemon Lounge.

Gut in Szene gesetzt – die Gin-Auswahl in der Lemon Lounge.

Wenn sterben, dann hier – auf allerhöchstem Niveau

Mein nächstes Ziel ist zwei Wochen später das 1st Class Suicide, ehemals Auf den Häfen im Viertel, jetzt in der vorderen Neustadt an der Friedrich-Ebert-Straße. Auch hierher fahre ich durch dicken Schnee – irgendwie absurd, aber auch schön, als ich mich aus meinen Winterklamotten geschält habe und mich mit einem leckeren Whisky Sour durchwärmen kann. Die Karte im „1st Class“, wie es Stammgäste schon mal liebevoll abkürzen, umfasst ebenfalls über 100 Mix-Getränke. Durch den Umzug des Cocktail-Ladens reiht man sich nicht nur in die gerade wachsende Kneipenszene der Neustadt ein, sondern hat auch mal eben die Ladengröße schätzungsweise verdoppelt. Auf den Höfen, wo das 1st Class in den letzten Jahren zu finden war, wurde es gerade am Wochenende doch schnell sehr eng. An der Qualität der Getränke hat sich natürlich nichts geändert – die sind immer noch alle arg lecker und ich schlürfe noch eine ganze Weile genüsslich an meinem Whisky Sour, den ich in der Happy Hour von 20 bis 21 Uhr für fünf Euro erstanden hab.

Größerer Raum, ansonsten ändert sich nichts: Das 1st Class Suicide überzeugt mit leckeren Mix-Getränken.

Größerer Raum, ansonsten ändert sich nichts: Das 1st Class Suicide überzeugt mit leckeren Mix-Getränken.

Muss nicht immer mit Alkohol sein: Auch der "Bora Bora" im 1st Class holt einen zum kleinen Ausflug in warme Gefilde ab.

Muss nicht immer mit Alkohol sein: Auch der „Bora Bora“ im 1st Class holt einen zum kleinen Ausflug in warme Gefilde ab.

Weitere Adressen für guten Geschmack

Ich hab mir sagen lassen, dass auch das Enchilada an der Schlachte und der Blaue Fasan in der Langenstraße empfehlenswerte Adressen sind, wenn es um richtig gute Cocktails geht.

Ins Enchilada kann man auch schon ab 17 Uhr einkehren. Dann ist bis 20 Uhr Happy Hour, außerdem gibt es meist noch ab 22.30 Uhr ein Special-Getränk zum Vorzugspreis. Dienstags kann man um den Preis des Cocktails würfeln – auch nicht schlecht, vor allem, wenn man eigentlich eher Würfelpech hat – dann kann man hier nämlich schnell mal zum Gewinner werden ;-)

Wer gerne in Citynähe bleiben möchte, kann auch dem Blauen Fasan einen Besuch abstatten. Die Cocktail-Bar in der Langenstraße, ganz in der Nähe vom Brill, lockt in ihrer Karte mit Klassikern und Eigenkreationen. Auch hier werden übrigens Kurs angeboten, um selbst zum Cocktail-Mixer zu werden. Ab 19 Uhr werden hier montags bis samstags die Pforten geöffnet.

Schützt das Getränk vorm Einschneien und macht gute Laune - das Cocktail-Accessoire schlechthin!

Schützt das Getränk vorm Einschneien und macht gute Laune – das Cocktail-Accessoire schlechthin!

Verschollen im Bermuda-Dreieck

Dann gibt es da natürlich noch das berühmt-berüchtigte Bermuda-Dreieck, für dessen Besuch man ebenfalls nicht zum weiten Anflug antreten muss. Viel mehr liegt es für viele Viertelbewohner gefährlich nah um die Ecke – da kann man schon mal dank des einen oder anderen Cocktails versacken und wie im echten Bermuda-Dreieck für eine Weile verschollen gehen… Die Kneipen hier haben die ganze Bandbreite an Mixgetränken im Repertoire, sodass auch im Bremer Winter schon mal ein Hauch Karibik am Tresen entlang weht. Wer sparen möchte, kann hier bis mindestens zehn Uhr abends eine Happy Hour nach der nächsten besuchen, weil die Läden sich teils auf einander abgestimmt haben. Das kann man auch hier nachlesen.

Ein paar Meter weiter Richtung Weser, am Sielwall gibt es seit einiger Zeit das ChinChilla, das ich ebenfalls als ausgeschriebene Cocktail-Adresse deklarieren würde. Qualität, Stil und Atmosphäre verführen hier gerne mal zu noch einem weiteren Getränk, obwohl man doch eigentlich nur auf eines bleiben wollte.

Wie vieles im Leben ist übrigens auch das Cocktails-Mixen eine Art Glaubensfrage: Mario Ippen betont zum Beispiel mehrfach, dass ein „richtiger“ Whisky Sour mit frisch gepresstem Zitronensaft gemacht wird. Alles andere sei falsch. Daher hier nun zum Nachmachen direkt vom Lemon Lounge-Inhaber das Rezept für einen echten und vor allem echt guten Whisky Sour:

  • 6 cl Maker´s Mark Bourbon Whiskey
  • 4 cl frisch-gepresster Zitronensaft
  • 2 cl Rohrzucker-Sirup
  • Mit sechs Eiswürfen ca. zehn Sekungen kräftig shaken. Dann in den Tumbler auf Eis gießen oder ins vorgekühlte Sourglas ohne Eis geben.

Das Ganze sieht dann in etwa so aus und schmeckt auch, wenn es draußen schneit ;-)

Whisky Sour geht auch im Winter - der muss eh gekühlt serviert werden, damit er ordentlich durchwärmt ;-)

Whisky Sour geht auch im Winter – der muss eh gekühlt serviert werden, damit er ordentlich durchwärmt.

Und so sieht Whisky Sour dann aus, wenn man es kann...

Und so sieht Whisky Sour dann aus, wenn man es kann…

Kommentieren

Ihre E-Mail wird nicht veröffentlicht. Notwendige Felder sind markiert *