Die Neustadt: Alles vor der Tür

Die Straßen in der Bremer Neustadt gewinnen an Vielfalt – wie der Buntentorsteinweg. Zwischen günstigen Wohnungen gesellen sich Bioläden zu Kleinkunstbühnen. Und nebenan gibt’s ein Naturparadies: Bremens größten Badesee.

Den Kopf frei kriegen – und das mitten in der Stadt. Wenn der Schädel brummt, mache ich einen Schritt vor die Haustür, auf den Buntentorsteinweg im Bremer Stadtteil Neustadt. Entlang Kiosks und kleiner Lädchen führt die Straße direkt zum Werdersee, dem größten Badesee der Hansestadt.

Am Wochenende ist Rushhour am See: Sommer wie Winter zieht es die Bremer nach draußen an den Deich. Rudersportvereine kommen zum Training, Familien zum Spielen, Freunde zum Schnacken – und alle kommen, um zu Schauen. Auf Position am Badestrand habe ich hier schon Alles gesehen: Studenten, die in drei Metern Tiefe nach verloren gegangenen Brillen tauchen, Akrobaten, die auf der Slackline balancieren oder freizügige Sonnenanbeter – ganz wie Gott sie geschaffen hat. Und während Mama Ente ihre Kinder ins Nest bringt, wummern leise die Musikbeats vom Grillplatz herüber. Jeder findet sein Fleckchen am Werdersee, er ist einladend und vielfältig wie die Neustadt selbst.

Menschen sitzen am Werdersee und schauen auf das Wasser

Haltestelle Kirchweg: Mit der Straßenbahnlinie 4 geht’s direkt zum Werdersee.

Stadtentwicklung im Buntentor

Das Viertel entwickelt sich, gerade um den See herum. Die Stadt gab Gelder zur Stadtteilentwicklung im Buntentor, um es dort noch schöner zu machen. Am Werdersee entstand so ein neuer Kiosk, gebaut und geführt von Jugendlichen, die ihren Realschulabschluss nachholen.

Eine belebte Straße in Bremen

Hier geht was: Der Buntentorsteinweg ist eine der beliebtesten Straßen der Neustadt.

Schön kitschig: Das Radieschen erinnert an vergangene Zeiten

Städtisch gefördert wurde auch das Radieschen. Das Café hat seine Wurzeln nur einen Steinwurf vom Wasser entfernt geschlagen, in einem ehemaligen Blumenladen neben dem Friedhof Buntentor. Von der Seebrise durchgepustet geben sich Spaziergänger mittwochs bis sonntags die Klinke in die Hand. Den Kaffee serviert Café-Besitzerin Eva in Sammeltassen, der Kuchen kommt auf Flohmarkt-Tellern. Mein Apfelstrudel ist vegan – und selbstverständlich bio und fair, wie jedes Krümelchen hier.

Eine Kuchentheke mit Gebäck

Alles fair: Die Kuchen im Radieschen sind bio und und zum Teil auch vegan.

Von den rosafarbenen Wänden lächeln aus verschnörkelten Bilderrahmen fremde Gesichter.  Zwischen ihnen, jungen Pärchen und tratschenden Freundinnen fühle ich mich sofort zuhause. Gerne schaue ich hier öfter vorbei.

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