Dom-Museum – verstecktes Kleinod

Ich kann es selbst kaum glauben: Oft war ich schon im Dom, weil er einfach so schön ist. Aber noch nie habe ich es ins Dom-Museum geschafft. Bis jetzt, und das ist gut so. Denn der Besuch lohnt sich.

Der St. Petri Dom im Herzen der Stadt

Der St. Petri Dom im Herzen der Stadt. Der Eingang des Museums befindet sich hinten rechts, direkt im Dom.

Über den Dom habe ich, zusammen mit dem Bleikeller, ja schon geschrieben. Aber nichts über das Museum. Nun hat dies eine neue Website, die mich neugierig gemacht hat. Also bin ich gleich um 10 Uhr dorthin, um mich möglichst frei bewegen zu können. Denn eins ist das Museum nicht: groß.

Ein wenig kopflos – wie der Herr oben – irrte ich durch die Räume. Fotografierte hier, filmte dort, las nichts. Aber die spannenden Fakten, die findet ihr auf der Seite des Dom-Museums sowieso viel besser. Ich kann euch nur sagen, was mich besonders beeindruckt hat. Zum Beispiel die schöne Decken- und Wandbemalung im Erdgeschoss.

Geschichtsträchtige Gewölbe

Deckenbemalung im Dom-Museum Bremen

Deckenbemalung im Dom-Museum Bremen

Das Gewölbe findet ihr in dem Raum, in dem Hieronymus in der Ecke wacht. Man muss schon dicht herantreten, um die schönen Malereien zu erkennen. Dieses Gewölbe gibt dem Raum eine wunderbare Atmosphäre.

Heiliger Hieronymous

Heiliger Hieronymous

Epitaph für den Domvikar Henricus Borcherdi, 1549

Epitaph für den Domvikar Henricus Borcherdi, 1549

Auf dem Weg in den oberen Stock ist ein Epitaph zu sehen. Daneben steht: „Das Relief zeigt eine Darstellung der Dreieinigkeit in der Form des sog. Gnadenstuhls: Gottvater hält den gekreuzigten Christus, darüber der Heilige Geist in Gestalt einer Taube.“

Auch, wenn ich den gekreuzigten Jesus als Motiv ja immer schwierig finde, da das ziemlich brutal anmutet, finde ich diese Darstellung irgendwie ansprechend. Aber der Heilige Geist als Taube!? Hm, da hätte ich ein schöneres Tier gewählt. Aber die Taube ist historisch gesehen das gebräuchlichste Symbol für den Heiligen Geist, ob ich sie nun mag oder nicht. Sie gilt zudem als Krafttier und Friedenssymbol.

Bevor ich noch einmal auf Jesus am Kreuz zurück komme, möchte ich euch den zweiten Bereich zeigen, der mich besonders fasziniert hat. Er liegt im oberen Stock: Der Textilienraum.

Kleiderkammer der besonderen Art

Hier sind unter anderem Teile des Bischofsornat untergebracht. In einem sehr dunklen Raum. Blitzlicht absolut verboten. Denn die Stücke, die ich mir ansah, waren aus der Zeit um 1200. So alt, und die empfindlichen kostbaren Stoffe sind immer noch erhalten, wirklich unglaublich. Von den heutigen Textlien wird wohl nichts die Zeit überdauern.

Textilienraum

Textilienraum

Bischofsornat

Bischofsornat

Mitra

Mitra

Bücher und Bilder

In einem anderen Bereich des Museums, da befinden sich alte Schinken, etwas flapsig formuliert. Einige alte Bücher, von dem eins mir wirklich leid tut, mit seinen Brandspuren. Aber das Buch strahlt immer noch unheimlich viel aus. Das Wissen der Jahrhunderte.

Buch nach Brand

Buch nach Brand

Und dann sind da die Gemälde. Eines davon zeigt, wie angekündigt, Jesus. Am Kreuz. Der Schmerzensmann. Und gerade zu diesem düsteren Bild gibt es eine wirklich schöne Geschichte. Die hat mir Frau Dr. Henrike Weyh erzählt:

Der Schmerzensmann, Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553), datiert nach 1537

Der Schmerzensmann, Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553), datiert nach 1537

„Kann ich bei Euch ein Referat über Kunst der Renaissace halten?“ mit dieser Frage ging alles los. Gestellt wurde sie von einer Siebtklässlerin aus meinem Bekanntenkreis und die Antwort lautete natürlich „ja!“.

Ein paar Wochen später findet sich also die komplette Klasse des Mädchens im Museum ein, an die dreißig Jungen und Mädchen um die zwölf bevölkern die Räume – so mag ich mein Museum am liebsten: voller Leben.

Dann lassen sich die Damen und Herren vor Lucas Cranachs „Schmerzensmann“ nieder. Der gekreuzigte und wieder auferstandene Jesus zeigt die Male eines Leidens und die Werkzeuge seiner Marter.

Der Kreuzestod als Versprechen der Erlösung und Jesus als Mittler zwischen Himmel und Erde: Keine leichte Kost für diese Altersgruppe.

Aber die Kinder sind offen und interessiert. Sie hören sich die Ergebnisse der Referentin an, stellen Fragen und lassen sich auf das für heutige Augen unbequeme Thema ein. Ich gebe erstmal der Referentin Gelegenheit, mit ihrer gründlichen Recherche zu glänzen, dann führe ich selbst noch ein paar Dinge an und ermuntere die Schüler, auch Fragen zu anderen Exponaten zu stellen.

Als die Schüler gegangen sind, fällt mein Blick ins Gästebuch und ich lese einen ganz frischen Eintrag: „Liebes Dom-Museum, Du bist so alt und weise. Du hast uns so viel beigebracht.“ An so einem Tag kann man eigentlich nur sehr zufrieden sein!“

Zitat dommuseum@nord-com.net

Eintrag im Gästebuch

Eintrag im Gästebuch

Impressionen im Film

Wenn ihr aufnerksam gelesen habt wisst ihr, dass ich auch ein wenig gefilmt habe. So gut ich es eben konnte. Viel Spaß damit!

Erkenntnisse

Und was lerne ich daraus? Der Eintritt ist frei, was es allen leicht mal eben kurz ins Museum zu schauen. Aber bei einer Führung entdeckt man die Schätze erst richtig. Und die kostet auch wirklich nicht viel, muss allerdings im Voraus vereinbart werden. Ansonsten hätte mir auch der Audioguide noch ein wenig mehr Wissen vermittelt. Das bedeutet: Mal nicht gehetzt vor einem Meeting noch fix ins Museum um zu knipsen, sondern einmal mit Muße. Ihr könnt es ja gleich besser machen als ich. Ich komme auf jeden Fall noch einmal. Und sage dem Engel „hallo“.

Ein Engel

Ein Engel

 

2 Anmerkungen zu “Dom-Museum – verstecktes Kleinod

  1. E. Bontenackels says:

    Im Sommer 2013 wurde ein uralter Bischofsring aus einer Vitrine des Dom-Museums gestohlen. Vermutlich gehörte der Ring aus Amethyst und Gold einem Erzbischof aus dem 12. Jahrhundert. Der kulturelle Wert des Ringes lässt sich nicht in Zahlen ausrücken. Für die Wiederbeschaffung wurde ein hoher Geldbetrag ausgelobt.
    Übrigens, die Sache hat ein Happy End! Der Ring, obschon erheblich beschädigt, ist wieder aufgetaucht… und hier passt es einmal: Gott sei Dank!

  2. Herzlichen Dank für den Kommentar, diese Kriminalgeschichte hatte ich fast wieder vergessen.

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