Ein besonderes Geschenk: Die Bürgerweide

Hier stehe ich also, auf einem Parkplatz. Zugegeben einem großen Parkplatz. Aber es ist und bleibt ein Parkplatz. Na gut, manchmal ist die Bürgerweide auch ein Flohmarkt. Oder ein riesiger Rummel zur Osterwiese und zum Freimarkt. Aber am Ende läuft es doch nur wieder auf viele, viele Pflastersteine zurück.

Impressionen von der Bürgerweide in einer Collage zusammengefasst

Impressionen von der Bürgerweide in einer Collage zusammengefasst

Ein Tagenbarn, also ein Bremer in 3. Generation hier geboren, sieht in der Bürgerweide natürlich viel mehr: Mit leuchtenden Augen wird er anfangen von Gräfin Emma und dem Krüppel (bitte entschuldigt den nicht gerade politisch korrekten Ausdruck, aber so heißt es in der Legende) zu erzählen, von dem großen Geschenk, das den Bremern gemacht wurde. Als Zugezogene gebe ich mich dann geschlagen und lasse mir die Geschichte erzählen. Und die geht so:

Im 11. Jahrhundert lebte in Lesum (in Bremen-Nord) die Gräfin Emma. Sie war sehr großherzig und für ihre Fürsorge gegenüber den Armen bekannt. So wundert es nicht, dass sich die Bremer Bürger im Jahr 1032 an sie wandten, als es zu wenige Weideflächen für die Versorgung der Stadt gab. Gräfin Emma wollte daraufhin den Bremern eine Wiese schenken von der Fläche, die ein Mann innerhalb einer Stunde umrunden könnte. Ihr Schwager, der bei dem Gespräch anwesend war, fürchtete um sein Erbstück. Er wollte die geschenkte Fläche möglichst klein halten. Er schlug der Gräfin Emma vor, eine Fläche zu schenken, die ein Mann innerhalb eines Tages umrunden könnte. Als diese zustimmte, bat er darum, ebenjenen Mann aussuchen zu dürfen. Seine Wahl fiel auf einen Mann ohne Beine – den besagten Krüppel. Dieser Krüppel jedoch brachte wahre Wunderkräfte zu Tage und umrundete ein Gebiet, das sogar noch größer als die heutige Bürgerweide war. Er wurde damit zum Helden der Stadt und zu Füßen des Bremer Rolands verewigt.

Der Krüppel, dem die Bremer die Bürgerweide zu verdanken haben, zwischen den Füßen des Bremer Rolands

Der Krüppel, dem die Bremer die Bürgerweide zu verdanken haben, zwischen den Füßen des Bremer Rolands

Soweit zur Sage, die in verschiedenen Varianten von den Bremern erzählt wird. Kein Wunder also, dass die meisten Bremer in der Bürgerweide mehr sehen als einen Parkplatz. Für sie ist es das Geschenk einer großen Frau, die auch heute noch verehrt wird. Und der Krüppel, der hat einen festen Platz im Herzen der Bremer und zwischen den Füßen des Rolands.

Die Bürgerweide zu Zeiten des Bremer Freimarkts

Die Bürgerweide zu Zeiten des Bremer Freimarkts

Die Historikern in mir zweifelt an der Echtheit dieser Geschichte und wer aufmerksam nachforscht, findet andere, glaubhaftere, Hinweise darauf, wie die Bremer zu ihrer Bürgerweide gekommen sind. Aber lassen wir uns und allen Bremern den Zauber der Legende ;-)


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