Ein Funkhaus für Bremen

Nach dem Krieg in einer besetzten Villa untergebracht, sitzt Radio Bremen heute in einem der modernsten Funkhäuser Europas: Dort macht die öffentlich-rechtliche Landesrundfunkanstalt längst nicht nur Radio, sondern auch Online-Angebote und natürlich Fernsehen. Größen wie Rudi Carrell, Hape Kerkeling und Loriot standen in den Studios vor der Kamera. Hinter die Kulissen dürfen Besucher bei einer Funkhausführung spitzen.

Bitte nicht setzen – reserviert für Loriot. Das dunkelgrüne Sofa ist im Foyer des Radio-Bremen-Funkhauses nahe der Schlachte unübersehbar. Auf ihm hat der Humorist Vicco von Bülow in den 70er Jahren eine von Radio Bremen produzierte Fernsehserie anmoderiert, die viele seiner berühmtesten Sketche zeigte. Das Möbel ist eines der wenigen Stücke, das in dem kantigen Glasgebäude sichtlich alt ist. Alles andere ist modern: die lineare Architektur und auch die Sendetechnik, mit der die Journalisten seit 2007 an diesem Standort Medien machen.

Das Loriot-Sofa als Nachbildung und im Original

„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, hat Loriot einst gesagt. Seit 2013 erinnert die Bronze-Nachbildung (rechts) des grünen Sofas vor dem Funkhaus an den Humoristen. Das Original (links) steht drinnen.

Eine von ihnen ist die Radio-Moderatorin Sabine Szimanski. Normalerweise steht sie allein im Selbstfahrerstudio von Bremen Eins, abgeschottet hinter dick verglasten Scheiben. Heute ist sie umringt von zwei Dutzend Menschen, die in einer Führung das Funkhaus besuchen. Während die Musik läuft, wird geschnackt: über die Auswahl der Lieder, die Planung einer Sendung und die unzähligen Knöpfe auf dem großen Tisch. „Vielleicht hören sie uns jetzt mit ganz anderen Ohren“, sagt Szimanski zu den Besuchern, als sie sich verabschiedet. Während die Nachrichten zur vollen Stunde laufen hat sie ein paar Minuten Zeit für eine Konferenz mit den Kollegen aus der Redaktion, die direkt vor dem Studio sitzen.

Moderatorin Szimanski im Selbstfahrerstudio

Im Studio von Bremen Eins moderiert Sabine Szimanski vier Stunden lang — über die Schulter spitzen erlaubt.

Die kurzen Wege zwischen Redaktionen, Hörfunk- und Fernsehstudios sind einem zukunftsfähigen Gedanken geschuldet: trimedial zu produzieren. Heißt: Ein Journalist bereitet ein Thema für drei Kanäle — Fernsehen, Hörfunk und Online — auf. Das Material dafür liegt auf einer riesigen Festplatte, auf die jeder der rund 200 fest angestellten und 200 freien Mitarbeiter zugreifen kann.

Kickertisch in der Sportredaktion

Fußball für mehrere Kanäle: Die zentrale Sportredaktion bereitet ein Thema für TV, Radio und Web auf.

„Noch eine Minute“, sagt der Aufnahmeleiter zu den Journalisten Britta Krane, Moderatorin des Regionalmagazins buten un binnen und ihrem Kollegen, Sportblitz-Moderator Felix Krömer. Um die knall-orangenen Kulissen herum sind die Wände schluckend schwarz, von der Decke hängen unzählige Scheinwerfer. Mannshohe Kameras filmen, was in wenigen Sekunden live gesendet wird.

Fernsehstudio von Radio Bremen

Live dabei: Während die Moderatoren arbeiten sind die Besucher im Studio mucksmäuschenstill.

Neben dem Vorabendprogramm produziert Radio Bremen auch Fernsehsendungen für das Erste Deutsche Fernsehen, beliefert die ARD- und ZDF-Gemeinschaftsprogramme, gestaltet vier Radiowellen und begleitende Online-Angebote. Erstmals auf Sendung ging der Nachkriegsrundfunk 1945 – damals waren die Redakteure noch in einer Villa in Schwachhausen untergebracht – auf Sendung. 2007 legte die öffentlich-rechtliche Landesrundfunkanstalt die zwei Standorte Osterholz und Schwachhausen zusammen. Als das neue Funkhaus an der Bremer Schlachte eröffnet wird, ist der Komplex aus drei Häusern (Haus Diepenau, Weser-Haus und Stephani-Haus) das modernste Funkhaus Europas.

4 Anmerkungen zu “Ein Funkhaus für Bremen

  1. Hansi says:

    Toller Bericht über unseren kleinen, feinen Sender!

    Euer Blog ist toll!

  2. Theresa Albig says:

    Hallo Hansi, Dankeschön! Dein Lob spornt uns an, noch mehr der „kleinen, feinen“ Dinge in Bremen zu zeigen!

  3. Degener says:

    Das war ein sehr interessanter Besuch im Funkhaus. Übrigens auch für Rollstuhlfahrer geeignet!
    Ich würde mich sehr über ein Foto im Fernsehstudio freuen (ich bin der Rollifahrer).
    Immer gut Licht für die feinen Bilder
    Hans Degener

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