Ein Garten auf Beton

Ganz klar: Sommerzeit ist Gartenzeit. Doch in Städten wird längst nicht nur innerhalb der eigenen Rasengrenzen gegraben und gepflanzt. Dank Urban-Gardening-Projekten an öffentlichen Plätzen kann jedermann säen und ernten. Und das Beste ist: Betonwüsten blühen auf – wie die Bemer Lucie auf dem Lucie-Flechtmann-Platz.

Das grüne Unkraut hat sich längst seinen Weg durch die Pflastersteine gebahnt, Beete sind mit Kartoffelpflanzen gekrönt und Mangoldblätter stehen Spalier. Der Lucie-Flechtmann-Platz in der Neustadt, kurz Lucie genannt, steht in voller Blüte. Ob Kübel, Badewannen oder zusammengeschraubte Holzgestelle — bepflanzt wird, was nicht niet- und nagelfest ist. Jeder darf mitmachen, jeder darf ernten. Der Gemeinschaftsgarten Lucie ist für alle da.

Der Stadtgarten Lucie macht die Neustadt grüner

Pflanzen, ernten, schnacken: Auf der ehemaligen Betonwüste an der Westerstraße liegt (und blüht) die Lucie.

Pflücken erlaubt!

Nicht nur an den Beeten, auch an einem Food-Sharing-Schrank auf dem Platz darf sich jedermann bedienen, auch der, der weder pflanzt noch gießt. Doch gepflückt wird noch zögerlich: „Die Menschen haben Respekt vor dem Grün mitten in der Stadt und trauen sich oft nicht, Salat und Gemüse tatsächlich zu ernten, obwohl sie es dürfen“, sagt Armin, Mitglied im Lucie-Orga-Team. Der Student war von Anfang an mit dabei, als Anwohner die Idee hatten, den fußballfeldgroßen Betonplatz in einen Stadtgarten zu verwandeln. Im letzten Jahr wurde die Lucie eröffnet: Kleine Unterstände, zahlreiche Bänke und bunt lackierte Beete prägen ihr Erscheinungsbild.

Bepflanzung auf dem Lucie-Flechtmann-Platz

In den Beeten steckt Bio-Erde und ganz viel Liebe: Was gepflanzt wird, soll natürlich auch geerntet werden. Damit das klappt, sorgen Gieß-Teams im Sommer für regelmäßigen Wassernachschub.

Mehr als ein Garten – Lucie ist Stadtentwicklung

Seitdem kümmern sich rund zehn Leute um die Organisation des temporären Stadtgartens, von der Finanzierung oder dem Beetebau bis hin zu Kulturangeboten. Denn Lucie ist nicht nur ein Urban-Gardening-Projekt, sondern will mit verschiedenen Aktionen zur Stadtbelebung beitragen: Vorträge, Konzerte oder Flohmärkte hat es auf dem Platz schon gegeben, gerade wurde angegrillt. In seinem wöchentlichen Plenum berät das Team über alle möglichen Aktionen, die Menschen verschiedener Generationen und Kulturen zusammenbringen sollen — von der Poolparty bis zum Studentenprojekt, Ideen gibt es viele.

Das Lucie-Team beim Plenum.

Montags, 18.30 Uhr: Im wöchentlichen Plenum wird alles besprochen. Jeder, der mitmachen will, ist herzlich willkommen. Gemeinsam gepflanzt und gegossen wird sonntags ab 16 Uhr.

Ein Büro für Lucie

Und noch eine Idee hat Früchte getragen: Ab August wird die ehrenamtliche Arbeit der Mitmacher durch zwei Plätze im Bundesfreiwilligendienstprogramm unterstützt. Diese sollen dann in ein neues Lucie-Container-Büro einziehen.

Lucies Container

Noch lagert hier Werkzeug: In solch einem Container soll bald das neue Lucie-Büro entstehen.

Bis April 2016 hat der eigens für Lucie gegründete Verein KulturPflanzen e.V. die Nutzungsrechte am Lucie-Flechtmann-Platz. Dann würde das Lucie-Team am liebsten die Pflastersteine entfernen und Rasen säen. Wir drücken die Daumen!


 

Neben der Neustädter Lucie gibt es in Bremen  noch weitere Urban-Gardening-Projekte: In Gröpelingen bringt die Gemüsewerft nicht-erwebsfähige Menschen, Freiwillige und Gartenfans zusammen und der Geheime Garten blüht auf dem Kleingartengebiet zwischen Hemelingen und Vahr.

Kennt ihr noch mehr Gemeinschaftsgärten? Dann freuen wir uns über eure Hinweise!

Passender Blog-Beitrag: Vielfalt in der botanika.

 

3 Anmerkungen zu “Ein Garten auf Beton

  1. Michaela says:

    Hallo und danke für die Infos. Ich finde es toll wie ihr den urbanen Gartenbau angeht. Gibt es denn auch aktuelle Fotos von eurem Projekt?

  2. Liebe Michaela,

    wir beschreiben in unserem Blog immer die Eindrücke der jeweiligen Zeit, die Fotos aktualisieren wir nicht. Aber aktuelle Infos findest du stets hier: http://ab-geht-die-lucie.blogspot.de/.

    Viele Grüße, Ingrid

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