Ein Haus, das Wissen schafft

In meinem Job als Pressesprecherin der Bremer Touristik-Zentrale werde ich nicht müde, immer wieder zu erzählen, dass Bremen weit mehr zu bieten hat als das typische märchenhafte Flair. Immerhin wurde Bremen 2005 als erste deutsche Stadt mit dem Titel „Stadt der Wissenschaft“ ausgezeichnet. Die Wissenswelten der Hansestadt wie das Universum oder die botanika stehen inzwischen in jedem Reiseführer. Es gibt hier jedoch einen Ort, der noch ein Stück weiter in die Tiefe der Wissensvermittlung geht.

Das Haus der Wissenschaft liegt etwas verborgen, aber doch ganz zentral direkt neben dem Dom und bietet in wechselnden Ausstellungen und Vorträgen spannende Einblicke in die Arbeiten der Bremer Universitäten, Hochschulen und Forschungsinstitute. Der Clou: So gut wie alle Veranstaltungen sind kostenlos. Das passt wunderbar zu unserem diesjährigen Sommerthema #bremenfuerlau (zum Beispiel für den Fall, dass es ausnahmsweise einmal regnen sollte und ihr eine Idee sucht, den Tag zu verbringen).

Das Haus der Wissenschaft ist nicht in erster Linie Museum oder Science Center, sondern eine echte Schaltstelle für den Austausch zwischen Wissenschaft und Bevölkerung. Denn Träger des Hauses sind die großen wissenschaftlichen Einrichtungen der Stadt Bremen, die hier die Ergebnisse ihrer Forschungen präsentieren. Das sind die Universität Bremen, die Jacobs University Bremen, die Hochschule Bremen, die Hochschule Bremerhaven, die Hochschule für Künste, das Max-Planck-Institut, das Alfred-Wegener-Institut, das Deutsche Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz, das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung, das Fraunhofer-Institut MEVIS, das Fraunhofer-Institut IFAM. die Wirtschaftsförderung Bremen und die Wittheit zu Bremen.

Das Haus der Wissenschaft in der Sandstraße neben dem Dom

Schon einige Zeit bevor  Bremen „Stadt der Wissenschaft“ wurde, suchte man im Zentrum der Stadt einen Ort, an dem die verschiedenen Themen der Bremer Wissensinstitute gebündelt dargestellt werden konnten. Gefunden wurde das „Haus Vorwärts“,  ein geschichtsträchtiges Gebäude, das wohl schon Ende des siebzehnten Jahrhunderts eine Schule beherbergte. Und genau diese knisternde Mischung aus lebendiger Geschichte und hochspannender Innovation macht für mich den besonderen Reiz des Hauses aus.

Noch bis zum 22. April 2017 läuft die Ausstellung „EINFACH WISSENSWERT: Gesundheitswissenschaften“. Dabei geht es um Fragen wie: Was bedeutet Gesundheit für mich? Was macht mich gesund? Was macht mich krank? Was kann oder sollte ich selbst für meine Gesundheit tun? Wo müssen wir gesellschaftliche Rahmenbedingungen verbessern?

Die Ausstellung beinhaltet nicht ganz so viele Elemente zum Selbermachen wie in den anderen Science Centern, aber hier geht es um die neuesten Erkenntnisse der Forschung. Sieben Einrichtungen aus Bremen und Bremerhaven sind an der Ausstellung beteiligt. Vorgestellt wird zum Beispiel die Arbeit an „intelligenten“ Wohnungen, die ihren Bewohnern assistieren können.

Einblicke in das Innere des Körpers. Hier geht es um das Thema Lungendrainage.

Auch geht es um eine schnellere Genesung nach Lungen-OPs: In Bremen wurde ein Verfahren entwickelt, das die Zeiten einer Lungendrainage nach Operationen entscheidend verkürzt. Ein Modell veranschaulicht das Prinzip.

Ein Hirnmodell des Fraunhofer MEVIS Instituts.

Das Fraunhofer MEVIS Institut arbeitet an Techniken, die es ermöglichen, Strukturen und Abläufe im Körper besser sichtbar zu machen – etwa Hirnareale deutlicher abzubilden oder Vorgänge im schlagenden Herzen.  Am Hirnmodell in der Ausstellung entdecken die Besucher Verknüpfungen innerhalb der verschiedenen Hirnregionen.

Hier teste ich die Sauerstoffsättigung in meinem Blut. Ohne Blutprobe, denn das verfahren arbeitet mit Licht.

Die Führungen durch die Ausstellungen sind übrigens auch kostenlos. Aber dies ist nicht die einzige Gelegenheit, Einblicke in die aktuellen Forschungen in Bremen zu bekommen.  So gibt es zum Beispiel „Wissen um 11“, eine Wissenschaftsmatinee, die jeden Samstag um 11 Uhr im Olbers-Saal des Hauses stattfindet. So einige Bremer verbinden ihren samstäglichen Bummel über den Grünmarkt in der Innenstadt mit ein bisschen Futter für die grauen Zellen, denn die Vorträge dauern nur etwa eine halbe Stunde. Die Themen sind vielfältig: Es geht um Leben auf der Basis von Erdgas, die Pflanzenwelten im Rhododendronpark oder Marine Mikrobiologie – alles wissenschaftlich fundiert, aber verständlich aufbereitet.

Außerdem gibt es regelmäßig weitere Vorträge und auch noch die „Musik um 6“, kleine Konzerte, jeden ersten Dienstag im Monat um 18 Uhr. Auch hier gilt: Eintriff frei!

Ein- und Ausblicke im Haus der Wissenschaft

Wer beim Besuch des Hauses genauer hinschaut entdeckt neben den Exponaten viele Kleinigkeiten, in denen man den Hauch der Geschichte spürt. Auf meinem Rundgang führt mich Maria Santos, die Pressesprecherin des Hauses auch in Räume, die nicht immer der Öffentlichkeit zugänglich sind. So konnte ich beispielsweise den ungewöhnlichen Blick durch das ovale Fenster oben erhaschen oder die alte Seilwinde entdecken, die heute noch unter dem Dach des Hauses installiert ist. Fasziniert haben mich auch die modern ausgestatteten Tagungsräume, die man hier mieten kann, die Raumgrößen variieren mit Platz für 20 bis 200 Personen. Wenn man nämlich genauer hinschaut, entdeckt man zum Beispiel die uralten Balken unter der Decke oder hier und da ein paar Reste des alten Gemäuers. Genau diese Verbindung von Geschichte, Geschichten, Kreativität und Innovation machen für mich Bremen aus.

Schaut doch mal vorbei, wenn ihr in der Nähe seid. Hier schon mal ein Ausblick auf die nächsten beiden Austellungen:

12. Mai bis Ende Juni 2017
Eröffnung 11. Mai 18 Uhr
Grasnarben / NO MORE WAR.BIZ
Fotoausstellung und Filminstallation von Barbara Millies und Harald Schwörer

Mai bis August 2017

„100m2 Meer“

Wissenschaftsjahresausstellung des Hauses zum Thema Meere und Ozeane
von den Trägern des Hauses der Wissenschaft

 

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