Ein Theater nur für Shakespeare

Seit 30 Jahren hat sich die bremer shakespeare company voll und ganz dem Werk des englischen Dramatikers verschrieben. Da kommen nicht nur eigens für das Haus geschriebene Stücke auf die Bühne, sondern auch Klassiker wie die Tragödie Romeo und Julia. Angst vor Depri-Stimmung? Völlig unbegründet.

Sie brauchen eine Auszeit. Die Figuren, die an diesem Abend auf der Bühne der bremer shakespeare company stehen, sind in einer Erholungsanstalt gelandet. Neben Nickerchen und Qigong ist ihre Therapie Theater spielen – und zwar Shakespeares „Romeo und Julia“. Und so schlagen sich die fünf Frauen und Männer nicht nur mit den Problemen herum, die das vom Bürgerkrieg gebeutelte Verona mit sich bringt, sondern auch mit ihrer eigenen Gefühlswelt – einer Mischung aus Depression, Stress und natürlich Liebe.

Die Schauspieler Rose und Seuß auf der Bühne der bremer shakespeare company.

Schmacht – sogar noch nach der Aufführung: Julia (Theresa Rose) liebt ihren Romeo (Markus Seuß) sichtlich.

„Wir spielen die klassische Vorlage mit einer modernen Ästhetik“, sagt Renate Heitmann, Geschäftsführerin der bremer shakespeare company. Der Stoff sei interpretierbar, das zerrüttete Verona — Schauplatz des Klassikers — ein Sinnbild für die vielen kleinen Kämpfe, die jeder von uns täglich mit sich führe.

Zum 450. Geburtstag bekommt William Shakespeare ein Stück geschenkt

Renate Heitmann vor Kostümen auf der Probebühne.

Erlaubt den Blick hinter die Kulissen: Renate Heitmann, Geschäftsführerin der bremer shakespeare company, auf der Probebühne.

Auch Backstage läuft ein Kampf, denn die Zeit drängt. Das frisch renovierte Theater am Leibnizplatz feiert 2014 nicht nur seine 30. Spielzeit, sondern auch den 450. Geburtstag von William Shakespeare, dessen Werk es sich verschrieben hat. Es sind nur noch wenige Tage bis zum Erscheinen der Festschrift und bis zur Uraufführung von „Wie es Will gefällt“.

„Unser Geschenk für Shakespeare“, nennt Renate Heitmann die eigens in Auftrag gegebene Komödie, die bekannte Figuren des Autors in einen Wettstreit treten lässt. „Es wird geschwärmt, gesungen, getanzt und auch beleidigt“, verspricht sie.

Ein Damenkostüm in der Theaterschneiderei.

Die Vorbereitungen zu „Wie es Will gefällt“ laufen: In diesem Kleid wird „Titania“, eine Figur aus dem Sommernachtstraum, zu sehen sein.

Shakespeare-Stücke satt – einzigartig in Europa

Nirgendwo sonst auf dem europäischen Kontinent werden mehr Shakespeare-Stücke gespielt als in Bremen: 48 Inszenierungen hat die Company seit ihrer Gründung 1984 auf die Bühne gebracht, jede Spielzeit reisen die Schauspieler durch Deutschland und zu internationalen Festivals, spielen Open-Air im Bürgerpark und kooperieren mit der Oberschule am Leibnizplatz. Auch im Jubiläumsjahr wird dem Publikum ein breites Programm geboten. Im Mai gastiert unter anderem das Ensemble des weltberühmten Globe Theatre in Bremen.

Und Romeo und Julia? Gibt es dieses Mal ein Happy End für sie? Das muss das Publikum schon selbst herausfinden. Doch so viel sei verraten: In dieser Tragödie wird mehr gelacht als geweint.

 

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