Ein Trip ins Viertel – Von Ricotta-Teigtaschen bis Glitzerketten

Seitdem ich zwischen meinem Heimatort in Niedersachsen und meinem Ausbildungsplatz in Bremen pendle, spielt sich ein großer Teil meiner Freizeit in Bremen ab. Gerne auch mal in Bremens Szene- und Kulturtreffpunkt, dem „Viertel“ – meistens zum Bummeln oder Essen. Alle Geschäfte, Cafés, Boutiquen und Kioske habe ich aber noch lange nicht besucht. Zusammen mit einer Kollegin machte ich mich kürzlich auf den Weg Richtung Ostertor/Steintor, um mal ein paar neue Läden kennenzulernen.

Wir hielten also die Augen offen nach interessanten Geschäften. Viertel-Kenner können sich vorstellen, dass wir da nicht lange suchen mussten. Nach nur wenigen Minuten blieben unsere Augen an einem Schaufenster voller fluffigem Gebäck und bunter Antipasti hängen. Davon wollten wir mehr sehen und betraten das Geschäft, auf dessen Markise „Atrium-Feinkost-Bistro“ zu lesen war. Die mediterrane Atmosphäre und der Inhalt der Theke, Regale und Schränke verrieten uns schnell, dass man hier auf Spezialitäten aus dem Mittelmeerraum setzt: Das Sortiment besteht aus Antipasti, Fingerfood, Gebäck, Wurst, Käse, Ölen, Schokoladen sowie verschiedenen Wein- und Teesorten. Bei einer so großen internationalen und vor allem abwechslungsreichen Auswahl sei es gar kein Problem, spontan ein komplettes Drei-Gänge-Menü zusammenzustellen, verriet man uns.

Das ATRIUM im Bremer Viertel.

Das ATRIUM im Bremer Viertel.

Das Atrium ist ein Familienbetrieb und lädt neben dem Einkauf außerdem zum Essen im Bistro oder im gemütlichen Innenhof ein. Natürlich setzt sich auch die Karte aus mediterranen Speisen zusammen. Besonders die Pasta-Gerichte und Desserts lassen mir schon beim bloßen Lesen das Wasser im Mund zusammenlaufen. So ein paar „Teigtaschen gefüllt mit Ricotta und verschiedenen Gemüsesorten in Salbeibutter“ wären gerade echt ein Traum. Und zum Nachtisch bitte einmal „Haselnuss Chili Krokant mit Schokoladensauce, Schoko-Eis und Sahne“. Für das Portemonnaie (und wohl leider auch die schlanke Linie) einer Auszubildenden vielleicht nicht die ganz große Freude, ansonsten aber definitiv einen Besuch wert!

Unsere nächste Entdeckung: Ein Kiosk. Auf den ersten Blick recht gewöhnlich; bei genauer Betrachtung aber doch irgendwie anders. Das Besondere am Que pasa amigos store & more ist die besonders große Auswahl an Getränken und vor allem an internationalen Biersorten. Neben den polnischen Biersorten Lech und Tyskie fanden wir im Regal sogar Bio-Bier, das Pinkus Pils. Der Kioskbesitzer erzählte uns außerdem, dass momentan das neue Produkt der Bremer Braumanufaktur, der „Hopfenfänger“ sehr beliebt sei. Bekannt ist der Kiosk an der Sielwallkreuzung auch für regelmäßige Spendenaktionen. Am 1. Mai 2014 trat der Bremer Rapper JokA im Kiosk auf und die Getränkeeinnahmen wurden für ein Projekt in Afghanistan gespendet.

Que pasa amigos store & more direkt an der Sielwallkreuzung Bremen.

Que pasa amigos store & more direkt an der Sielwallkreuzung Bremen.

Wir bummelten weiter den Ostertorsteinweg hinunter und mussten bei der Hausnummer 6 einfach anhalten. Schon draußen nahmen wir den wunderbarer Duft verschiedenster Gewürze wahr, der uns nach drinnen lockte. Wir waren im Feinkost- und Kolonialwarenladen Holtorf gelandet. Nicht ohne Grund spricht man, wenn es um Holtorf geht, nicht nur über Deutschlands letzten Kolonialwarenladen, sondern auch über Bremens letzten Tante-Emma-Laden: Hier lagern die Gewürze noch in Schubladen und werden vor dem Verkauf frisch eingetütet. Die Preise sind per Hand mit weißem Stift auf die raumhohen dunklen Regale geschrieben. Ansonsten erhält man in dem seit bereits 140 Jahren bestehenden Laden alles Mögliche: Kräuter, Trockenfrüchte, Nüsse, Wurst, Schinken, Käse, Bremer Kaffee und Bier aus der Bremer Braumanufaktur. Viele Produkte sind „bio“. Meine Entdeckung des Tages: Schokolade aus Vietnam. Die muss bei Gelegenheit unbedingt probiert werden!

Ganz besondere Leckereien in Bremens letztem Tante-Emma-Laden Holtorf.

Ganz besondere Leckereien in Bremens letztem Tante-Emma-Laden Holtorf.

Zu guter Letzt statteten wir der Designerboutique Prototype Schumacher einen Besuch ab. Schaufensterpuppen präsentieren die neueste Kollektion in grün, pink und schwarz. Ob gerafft, hauteng oder ganz weit – hier ist für jeden etwas dabei. In Vitrinen findet man alles, was das Schmuckliebhaberherz begehrt: Glitzernde Ketten, goldene Ohrringe und in Handarbeit gefertigte Ringe. Ich fand es beeindruckend, mit wie viel Herzblut und Leidenschaft die Inhaberin Sigrid Schumacher ihren Beruf ausübt. Wahrscheinlich ist sie genau deshalb auch so erfolgreich. Für sie steht die Kundin im Mittelpunkt und jede Einzelne wird ganz individuell beraten. „Jede Kundin soll glücklich und vor allem nicht verkleidet rausgehen“ sagt sie. Alle Kleider werden aus hochwertigen Materialien gefertigt und vor allem beim Schmuckdesign wird auf Akkordarbeit verzichtet, um Perfektion zu ermöglichen. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an das Skandalkleid, das Sarah Connor 2002 bei „Wetten, dass..?“ trug. Designed wurde es von Sigrid Schumacher. Nächste Woche geht es für sie dann zur Vienna Fashion Week. Ihr findet Prototype Schumacher übrigens auch auf facebook.

Nachtrag vom 20.09.16: Den Laden von Prototype gibt es leider nicht mehr.

Kleider und Schmuck bei Prototype Schumacher.

Kleider und Schmuck bei Prototype Schumacher.

Ein Gastbeitrag von Nele Grashoff und Shabnam Faqiryar.

Ein Kommentar zu “Ein Trip ins Viertel – Von Ricotta-Teigtaschen bis Glitzerketten

  1. Interessante Auswahl. Immer wieder faszinierend, dass das Viertel hier im Sprachgebrauch einfach Viertel heißt. Jedenfalls ist das für Neuankömmlinge immer recht verwirrend.

Kommentieren

Ihre E-Mail wird nicht veröffentlicht. Notwendige Felder sind markiert *