Eins, zwei, Chachacha

Walzer, Rumba, Chachacha – an jedem 3. Sonntag im Monat treffen sich Tanzbegeisterte in der Kantine 5 unweit des Bremer Hauptbahnhofs zum Rosa Tanzcafé. Hier schwingen Freizeittänzer und Leistungssportlerinnen in trauter Eintracht das Tanzbein. Der monatliche Treff ist offen für alle. Hauptsache nett und ungezwungen lautet die Devise.

Augenscheinlich sind die meisten Paare gleichgeschlechtlich, die Frauenpaare überwiegen eindeutig, bis zum Schluss kann ich nur drei Männerpaare ausmachen. Das Rosa Tanzcafé ist ein beliebter Treff für Lesben und Schwule, die gerne tanzen – und zwar mit Schrittfolge, Drehung und Haltung. Hetero-Paare kommen auch regelmäßig, aber sie gehören hier  eindeutig zu den Exoten.

Tanzvergnügen im Tanzcafé

Tanzvergnügen im Tanzcafé

Kaffee und Kuchen gibt es an der Bar

Kaffee und Kuchen gibt es an der Bar

Nils Brose gehört zu den Initiatoren des Tanzcafés. Als Tanzsporttrainer unterrichtet er im Club der Rosa Tanzenden Lernwillige im Standard- und Lateintanz. Viele seiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Club wollten auch außerhalb der Kurse tanzen gehen – und das nicht am Samstagabend in der Disco, sondern mit professionellerem Anspruch. So entstand die Idee, einen solchen Treffpunkt zu gründen. Damit das Wort „Tanzcafé“ zu seiner Berechtigung kommt, muss hier niemand auf Kaffee und Kuchen verzichten.

 

Ganz klassisch? Vielleicht nicht ganz...

Ganz klassisch? Vielleicht nicht ganz…

Salsa statt Orkantief

Allerdings ist heute Nachmittag generell wenig los, meint Meike Paul, eine der anderen Organisatorinnen und zugleich DJane am Reglerpult. Das mag am unerbittlichen Kälte-Regen-Sturmwetter liegen, das draußen tobt. Die beiden DJanes wechseln sich ab, damit jede auch zum Tanzen kommt.

Die Musik umfasst Standard- und lateinamerikanische Tänze, aber es wird auch mal ein Tango argentino, Salsa oder der bekannte Mambo Nr. 5 von Lou Bega aufgelegt. Ich plaudere ein wenig mit Nils Brose. Er zeigt auf ein Paar, das gleich neben dem Eingang sitzt. „Die beiden da – die sind sogar Deutsche Meisterinnen im Standardtanz der Senioren.“ Aha. Also sind sogar richtige Profis hier, denke ich, wobei ich den Eindruck habe, dass das hier alle Profis sind.

DJane Meike Paul an den Reglern.

DJane Meike Paul an den Reglern.

Bitte was? Seniorinnen-Klasse ab 35?

Ich komme mit den beiden Frauen ins Gespräch. Friederike Brammer und Ulrike Brockmann tanzen für den TTC Gold und Silber Bremen e. V. 2010 gewannen sie bei der Internationalen Offenen Deutschen Meisterschaft im Equality-Tanzsport – also für gleichgeschlechtliche Tanzpaare – in Hannover den Siegertitel als Seniorinnen. Moment. Seniorinnen-Klasse? Die beginnt im Tanzsport mit 35 Jahren, erfahre ich. Nun gut, es muss auch wirklich nichts mehr werden mit meiner Tanz-Karriere.

Tanzprofis: Ulrike Brockmann , Nils Brose und Friederike Brammer (v. l. n. r)

Tanzprofis: Ulrike Brockmann , Nils Brose und Friederike Brammer (v. l. n. r)

Inzwischen haben die beiden Bremerinnen mit dem Leistungssport aufgehört – umso mehr Zeit und Lust haben sie jetzt, sonntags im Rosa Tanzcafé zu tanzen. „Früher haben wir unter der Woche schon so viel trainiert, dass wir am Wochenende lieber mal etwas anderes machen wollten als tanzen“, meint Friederike Brammer. Sie erzählt, dass besonders der Tanzsport eine sehr konservative Angelegenheit für homosexuelle Paare sei.

Lockerer scheint es in Bremen übrigens beim lesbisch-schwulen Sportverein e. V. „Wärmer Bremen“ zuzugehen. Der Verein zählt über 150 Lesben und Schwule als Mitglieder, bietet zwar keinen Tanzsport, dafür aber Volleyball, Badminton und Schwimmen auch Boxen, Yoga, Tischtennis sowie Fitness und Aerobic an.

Was für’s Tanzen wichtig ist: Spaß, Motivation und Talent. Obwohl mein Urgoßvater Tanzlehrer war, mangelt es mir ganz, ganz deutlich an Talent. Deshalb entschwinde ich dem Rosa Tanzcafé lieber ohne einen auch noch so spärlichen Tanzschritt.

Das Rosa Tanzcafé findet immer am 3. Sonntag im Monat in der Kantine 5 statt. Wärmer Bremen: Mehr Tipps für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans in Bremen gibt es auch auf dem Queerserver

2 Anmerkungen zu “Eins, zwei, Chachacha

  1. Timo says:

    Sehr cool. Das ungewöhnliche daran ist wohl, dass Leistungssportler und Freizeittänzer sich auf einer Fläche vertragen. ;)

  2. Viktoria Maisner says:

    Hallo zusammen,
    herzlichen Dank für den spannenden und inspirierenden Beitrag zum Thema „tanzen“. Mein Mann und ich tanzen sehr gerne und besuchen regelmäßig professionelle Tanzkurse. Als Nächstes möchten wir Mambo tanzen erlernen. Wir sind schon gespannt, wie es wird.

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