Endlich wieder ein Franzose im Haus!

Paula Modersohn-Becker, Edvard Munch, Friedensreich Hundertwasser, Pablo Picasso – und nun? Ab 7. Februar ist mit Emile Bernard endlich wieder ein Franzose zu Gast in der Kunsthalle Bremen. Zuletzt zeigte das Museum Werke Claude Monets in einer großen Sonderausstellung – und das vor zehn Jahren. Über den Maler Bernard, der deutlich seltener in Arztpraxen oder Behördenfluren hängt, weiß man selbst als Otto-Normal-Kunstkenner wenig. Die Kunsthalle will das mit der Schau „Emile Bernard – Am Puls der Moderne“ ändern.

Wenn Ausstellungsmacher eine große Retrospektive ankündigen, sollten sich die Besucherinnen und Besucher auf einiges gefasst machen. Der Franzose Emile Bernard (1868–1941), der im Umfeld von van Gogh, Gaugin, Cézanne und Toulouse-Lautrec lebte, galt als eigensinnig und innovativ – was mir persönlich schon mal sehr gut gefällt. Bei der Vorab-Besichtigung in den Ausstellungsräumen darf ich dabei sein, wie Bernards bekanntes Werk „Die blaue Kaffeekanne“ aus dem Jahr 1888 ausgepackt wird – und bei der Aktion #MuseumSpiegelSelfie wage ich den mutigen Selbstversuch.

Die Restauratorin Julia Tholen überprüft mit ihrem französischen Kollegen die Gemälde.

Die Restauratorin Julia Tholen überprüft mit ihrem französischen Kollegen die Gemälde.

Im Schatten von Gaugin

Emile Bernard stand immer im Schatten seiner großen Malerfreunde. Dass er selbst ein Impulsgeber für die Malerei des ausgehenden 19. Jahrhunderts war, bleibt oft übersehen. Auch ich habe diesen Namen nie gehört. Und auch die Kunsthalle fragt Wer war Bernard? Als junger Kunststudent lernte er Montmartre kennen, genauso wie die Landschaft und Menschen in der Bretagne, wo er gemeinsam mit Paul Gaugin im Sommer 1888 an neuen Bildern arbeitete. Er entwickelte eine neue Malweise, den Cloisonismus, und begeisterte damit seinen Freund Vincent van Gogh. In der ägyptischen Hauptstadt Kairo lebte er rund zehn Jahre bis er wieder nach Frankreich zurückkehrte. Dies ist natürlich die Kurzversion. Wer mehr erfahren und vor allem sehen möchte, muss sich die Ausstellung schon selbst ansehen…

Vorsichtig wird die Kiste mit dem echten Bernard geöffnet...

Vorsichtig wird die Kiste mit dem echten Bernard geöffnet…

Tief tauchen zum unbekannten Bernard

Das Gemälde „Die blaue Kaffeekanne“ gehört dem Bremer Kunstverein und kommt gerade aus der zuvor gezeigten Schau in den Musées d‘Orsay et de l’Orangerie in Paris zurück. Neben den Leihgaben aus dem Musée d’Orsay und internationalen Sammlungen sowie aus dem Besitz der Nachfahren Bernards zeigt die Kunsthalle ausgewählte Arbeiten von Paul Gauguin, Vincent van Gogh und Henri de Toulouse-Lautrec, die Vergleiche mit seinen berühmten Zeitgenossen ermöglichen. Auch zu dieser Sonderausstellung hat das Museum wieder ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen, Konzerten und Seminaren für alle Altersgruppen zurecht geschneidert.

Und ein Tipp an alle, die aktuell informiert werden möchten: Im Blog der Kunsthalle verraten Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher spannende Details aus dem Leben des jungen, wilden Franzosen.

Auch hier hat die Kamera ein Auge drauf: "Die blaue Kaffeekanne" darf aus der Kiste.

Auch hier hat die Kamera ein Auge drauf: „Die blaue Kaffeekanne“ darf aus der Kiste.

Emile Bernard malte "Die blaue Kaffeekanne" 1888 - als Zwanzigjähriger!

Emile Bernard malte „Die blaue Kaffeekanne“ 1888 – als Zwanzigjähriger!

# MuseumSpiegelSelfie mit Gitarre und Katalog

Ich versuche nicht auszusehen wie Janis Joplin.

Ich versuche nicht auszusehen wie Janis Joplin.

Bei der Selfie-Aktion sind die Museumsbesucherinnen und -besucher gefragt. Die Ergebnisse können sie mit dem Hashtag #EmileBernard via Facebook, Twitter oder Pinterest teilen und verlinken. In Zusammenarbeit mit dem Bremer Künstler Christian Holtmann sind an zwei verschiedenen Orten in der Kunsthalle, oben im Eingangsbereich bei den Schließfächern und unten auf dem Damenklo, vier unterschiedliche Motive aus den Werken Bernards „ausgekoppelt“ und auf Spiegeln angebracht. Die Motive, die zur Wahl stehen: Regenschirm, Gitarre, Haschischraucherin und Katalog.

Zwischen Handwerkern und der Presseleiterin: Mein Bild zur #MuseumSpiegelSelfie Aktion.

Zwischen Handwerkern und der Presseleiterin: Mein Bild zur #MuseumSpiegelSelfie Aktion.

Wenn man nicht ganz dämlich ist, kann man sein Smartphone so geschickt vor den Oberkörper halten, dass es auf dem Foto nicht zu sehen ist und man, interaktiv eingetaucht ins Gemäldemotiv, ein Selfie schießen kann.
Damit die Proportionen wirklich gut sitzen, probiere ich es – zunächst mit der Gitarre – minutenlang. Gefühlt stundenlang. Doch am Ende ist es wie mit so vielen inszenierten Selfies: man denkt, das könne ja nicht  so schwierig sein, versucht es aus jedem Winkel und dann sieht’s doch irgendwie daneben aus.

Und was soll das nun?, frage ich mich nach dem Selbstversuch. Eine zeitgenössische Form der Auseinandersetzung mit den Kunstwerken, lese ich nach. Na, sowas hätte es früher in einem Museum nicht gegeben, höre ich hochbetagte Kunstfreundinnen auf dem Damenklo skandieren – aber das ist nicht unbedingt besser! Denn jede Zeit hat schließlich ihren Puls.

Die Ausstellung „Emile Bernard – Am Puls der Moderne“ ist vom 7. Februar bis 31. Mai 2015 zu sehen. Für Ihren Besuch finden Sie hier Service-Informationen zur Ausstellung und passende Tickets.

Ein Kommentar zu “Endlich wieder ein Franzose im Haus!

  1. Erich Bontenackels says:

    Na toll! Ich seh mich schon, hochbetagt und kunstaffin, mit smartphone und Requisiten Gitarrespielen oder Haschisch rauchen. Selfie of a city guide at the art exhibition! :)
    Ich freu mich also auf die Sonderführung für Gästeführer am 12. Februar.

    E B.

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