Der Spargel-Tarzan im Bremer Westen – eine Foto-Love-Story

Viele hohe Gebäude hat Bremen ja nicht. Neben Fallturm im Norden und dem Dom im Zentrum ragt ein Bauwerk allerdings geradezu mit Beharrlichkeit seit 30 Jahren in die Höhe: Der Funkturm im Bremer Westen. Ich freu mich immer, wenn ich ihn irgendwo erspähe, und frage mich schon lange, ob auf der runden Kanzel eigentlich jemand arbeitet. 

Seit geraumer Zeit schlummert ein Ordner auf meinem Rechner, der den geheimnisvollen Namen „Funkturm-Liebe“ trägt. Hier speichere ich immer mal Fotos ab, die ich auf meinen Streifzügen und Radausflügen durch die Stadt aus allen erdenklichen Perspektiven vom Funkturm in Walle geschossen hab.

Irgendwie mag ich den Funkturm. Rein objektiv betrachtet ist die Stahlbetonkonstruktion sicherlich keine klassische Schönheit. Er fügt sich auch nicht gerade harmonisch ins Gesamtbild ein, ragt überall hervor, lugt zwischen Häuserschluchten durch und über Dächer hinweg, drängt sich oft nur allzu gerne, aber doch irgendwie unaufdringlich ins Bewusstsein des umherschweifenden Blicks. Unsympathisch finde ich nicht, gehört er doch unabkömmlich zu Bremens Skyline. Vielleicht ist er sogar Bremens Skyline. Zumindest sorgt er mit seinen 236 Metern für eine gewisse vertikale Komponente in der ansonsten so horizontalen Landschaft der Hansestadt.

Überall lugt er hervor - eine Rampensau mit sanfter Beharrlichkeit

Überall lugt er hervor – eine Rampensau mit sanfter Beharrlichkeit

Fürs Verstecken-Spielen hat er nicht unbedingt Talent

Fürs Verstecken-Spielen hat er nicht unbedingt Talent

Der fernmeldende Spargel

Offiziell heißt der Funkturm übrigens „Fernmeldeturm Bremen“ und wird von der „Deutschen Funkturm“, einem Subunternehmen der Telekom, betrieben. In Bremer Kreisen wird das lange, schmale Bauwerk auch schon mal „Waller Spargel“ genannt. Der Grund dafür liegt auf der Hand – oder besser – ragt in die Luft.

So wächst der Waller Spargel

So wächst der Waller Spargel

Gleich eine ganze Spargel-Familie

Er hat noch zwei Geschwister in Cuxhaven und Münster, die ebenso wie der Bremer Funkturm Nachbildungen vom Kieler Fernmeldeturm sind. 1986 löste der Turm den deutlich kleineren Vorgänger im Faulenquartier ab und übernimmt seitdem das Senden Bremer Hörfunk- und TV-Programme. Es gab übrigens mal die Überlegung auf der 108 Meter hohen Kanzel ein Restaurant einzurichten. Offensichtlich blieb es bei der Idee, denn bis heute ist der Turm nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Selbst Facharbeiter der Telekom fahren nur noch zu Kontrollterminen sowie bei Modernisierungsmaßnahmen auf den Turm hinauf. Die meiste Zeit dürfte dort oben also eine recht angenehme Ruhe inmitten der Stadt herrschen, ab und zu mal vom Ruf der Wanderfalken unterbrochen, die hier oben seit Jahren nisten. Allzu gerne würde ich dort mal sitzen und mir die Weser-Stadt ganz in Ruhe von oben anschauen.

Das vielleicht ruhigste Plätzchen Bremens - sieht irgendwie aus wie eine überdimensionale UFO-Torte

Das vielleicht ruhigste Plätzchen Bremens – sieht irgendwie aus wie eine überdimensionale UFO-Torte

Sanfte Beharrlichkeit

Beim Formulieren dieser letzten Sätze wanderte mein Blick übrigens wie so oft aus meinem Fenster in den Bremer Himmel. Und was entdeckte ich da natürlich über einem der Dächer? Die Spitze des soeben beschriebenen Objekts – auch hier drängt sich der Spargel-Tarzan mit sanfter Beharrlichkeit in mein Bewusstsein. Das wird bestimmt auch so bleiben. Ganz gleich, wo ich in der Stadt gerade unterwegs bin…

"Fern-seh-turm" - man sieht ihn halt auch aus der Ferne

„Fern-seh-turm“ – man sieht ihn halt auch aus der Ferne

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