Showwechsel im GOP Varieté-Theater Bremen

Als Azubi im GOP Varieté-Theater Bremen besteht der Tag für mich nicht nur aus den klassischen Aufgaben, die im Büro anfallen, sondern ein großer und sehr interessanter Teil meiner Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann ist die Künstlerbetreuung, bei welcher ich in einem direkten – fast schon familiären Kontakt – mit „unseren“ Künstlern komme.

Alle zwei Monate verlässt eine wundervolle Show, mit all ihren tollen Künstlern, das GOP Bremen und macht Platz für die nachfolgende Show. Doch was passiert in dieser turbulenten Zeit? Heute erlebt ihr den Showwechsel durch meine Augen und ich nehme euch mit durch einen Showwechsel.

Emma Phillips in der Coperlin-Show, Foto: Alexander Dacos / GOP

Emma Phillips in der Coperlin-Show, Foto: Alexander Dacos / GOP

Dernière

Es beginnt alles nach der Dernière, der letzten Vorstellung einer Showproduktion – das Motto nach der Show ist vor der Show könnte nicht passender sein. Es ist Sonntag, 19.45 Uhr. Der Vorhang der aktuellen Showproduktion schließt sich das letzte Mal. Es wird laut im Saal, der Applaus der Zuschauer ermuntert die Künstler erneut auf die Bühne zu kommen und sich tief vor dem Publikum zu verbeugen. Es wird gelacht, getanzt, gefeiert und doch ist die Stimmung irgendwie getrübt. Bei dem einen oder anderen Künstler ist eine Träne im Auge zu sehen. Zwei Monate gehen heute zu Ende. Eine solch intensive Zeit voller Emotionen. Eine Zeit, die zusammenschweißt. Und doch ist es nun Zeit „Tschüss und auf Wiedersehen“ zu sagen. Meine Kollegin und Mit-Azubine Kim nimmt zusammen mit Direktor Philipp Peiniger die Stufen der Seitenbühne und übergibt jedem Künstler eine der „Dernièren-Rosen“ mit einer dicken Umarmung an die Künstler.

Gabriel Drouin in der Show Karussell, Foto: GOP

Gabriel Drouin in der Show Karussell, Foto: GOP

Wenige Minuten nachdem sich der Vorhang geschlossen hat, beginnt unser Technikteam mit dem Abbau des Bühnenbildes, das sich noch am selben Abend auf den Weg zum nächsten GOP Spielort bzw. ins Requisiten-Lager macht. Alle technischen Aufbauten, wie zum Beispiel extra Scheinwerfer, werden zurückgebaut und die Bühne wird für die nächsten Tage vorbereitet. Hier heißt es auch für mich immer wieder anpacken, denn jede helfende Hand wird gebraucht. Ist der Abbau geschafft, geht es für heute in den Feierabend!

Umbau

Am Montag startet der Aufbau der neuen Show. Am frühen Morgen kommen ein bis zwei große vollgepackte LKW vorgefahren – mit allem was man für eine Varieté-Show benötigt: Bühnenbild, Requisiten, Accessoires. Da kann es auch schon mal etwas lauter zugehen, wenn unser technischer Leiter Nico die Aufbauanweisungen quer durch das Theater ruft. Das wichtigste für unsere Techniker ist nun der „Technical Rider“, welcher ihnen als eine Art detaillierte Aufbauanleitung dient, in der alles rund um das Bühnenbild und andere technische Aufbauten, wie Scheinwerfer und Soundeinstellungen vorgegeben ist. Sobald das neue Bühnenbild steht, geht es für die Showtechnik und die Künstler los mit den ersten Lichtproben auf der Bühne.

Aber nicht nur auf, vor und hinter der Bühne passiert vieles. Das gesamte Team des GOP freut sich auf die neuen Künstler. Dabei ist es gerade bei Ankunft noch sehr chaotisch, wild und bunt im Theater! Das Foyer ist voller Künstler, die sich in einem Wirrwarr aus verschiedenen Sprachen verständigen. Kinder sind mit dabei, genauso wie Haustiere, Koffer und jede Menge Requisiten! Dabei den Überblick zu behalten ist oft schon eine Herausforderung für sich. Tom, ein weiteres Mitglied unseres Azubi-Teams, schnappt sich die ersten Künstler samt Kind und Kegel und zeigt ihnen bei einer kleinen Hausführung die wichtigsten Anlaufstellen in unserem Theater. Der Aufgeregteste bei dieser Führung ist wohl Pegasus, der kleine Hund unserer Hula-Hoop-Artistin, welcher während der gesamten Führung wie ein Flummi um Tom herumspringt.

Bei den ersten Hausführungen kommt es oft zu lustigen Situationen, da unsere Künstler aus der ganzen Welt nach Bremen kommen, findet die Verständigung in vielen Fällen mit Händen und Füßen statt. Und mit einem netten Lächeln das sagt: ihr seid willkommen ist meist eh mehr gesagt als mit vielen Worten :-).

Artistischer Wohnungs-Einstieg, Foto: GOP

Artistischer Wohnungs-Einstieg, Foto: GOP

Da jede Show für zwei ganze Monate in Bremen verweilt, ist natürlich auch die Unterbringung der Künstler ein großes Thema. Wer bei acht Shows in der Woche Höchstleistungen erbringt, möchte sich natürlich in seiner Wohnung wohlfühlen und entspannen. Deshalb versuchen wir jedem unserer Künstler ein wirkliches Zuhause auf Zeit zu geben. Manche Artisten malen in ihrer Freizeit, andere nähen mit großer Begeisterung ausgefallene Bühnenoutfits für sich und ihre Kollegen – jeder von ihnen soll sich wohl fühlen und deshalb versuchen wir jeden kleinen und großen Wunsch zu ermöglichen. Rund um die Wohnungen gibt es auch immer amüsante Geschichten zu berichten: An einem Abend im September hat sich unser Zauberer Jorgos aus seiner Wohnung ausgesperrt, doch bevor ich mit einem Ersatzschlüssel zur Hilfe eilen konnte, sind unsere Künstler in bester Artistenmanier mit Hilfe einer Räuberleiter selbst in die Wohnung „eingestiegen“.

Zurück zu den Proben

Die Lichtproben sind beendet und damit steht das Grundgerüst für die Show, nun geht es auf der Bühne aber erst richtig los! Die einzelnen Teile der Show werden nun immer und immer wieder geprobt, bis unsere Künstler und Techniker perfekt abgestimmt sind. Hierbei nimmt unser Stagemanager Sascha immer wieder Korrekturen seiner Abläufe vor und spricht sämtliche Wünsche und Anregungen mit seinem Kollegen Dennis und den Künstlern, auf der Bühne, durch. Was man als Zuschauer natürlich nicht sieht, sind die vielen kleinen, farbigen Klebestreifen, die sogenannte Spikes. Sie helfen der Artisten auf der Bühne sich zu orientieren und den richtigen Platz zu finden um im perfekten Licht zu stehen bzw. um das Requisit an die richtige Stelle zu platzieren. So unscheinbar diese Markierungen für den Laien wirken mögen, so wichtig sind sie um einen reibungslosen Ablauf der Show zu gewährleiten.

Der Direktor kocht, Foto: GOP

Der Direktor kocht, Foto: GOP

Pasta Bolognese à la „Bloody Mary“, Foto: GOP

Pasta Bolognese à la „Bloody Mary“, Foto: GOP

Wer fleißig arbeitet muss auch gut essen! Am Tag vor der Premiere kocht traditionell unsere Direktor persönlich für alle Künstler, einen Großteil der Mitarbeiter und die Regisseure.
Ein jedes Mal auf‘s Neue freuen sich alle auf die fast schon berühmte Pasta Bolognese à la „Bloody Mary“, die sehr scharfe aber auch verdammt leckere Interpretation des italienischen Klassikers.

Premiere

Am Donnerstag ist es dann soweit! Premiere. Doch vor der Premiere muss noch das ein oder andere auf der Bühne passieren. Das wichtigste für uns alle ist natürlich die Generalprobe. Jeder Künstler wirft sich in Schale, denn geprobt wird meist mit Make-up und im kompletten Bühnenoutfit. Schon jetzt gelingt in der Regel jeder Salto und jeder Einsatz ist punktgenau. Nun haben die Künstler noch ein paar Stunden Zeit sich körperlich und geistig auf die bevorstehende Premiere vorzubereiten. Auch für die Künstler, die auf eine jahrelange Bühnenerfahrung zurückblicken können, ist eine Premiere immer noch etwas ganz besonderes und mit viel Aufregung und Lampenfieber verbunden.

Für mich und meine Kollegen heißt es jetzt aber noch einmal Gas geben. Natürlich soll nicht nur die Bühne für WOW-Effekte sorgen, sondern das ganze Theater wird für jede Show wieder auf ein Neues dekoriert. So hatten wir schon Bäume, Autos, einen Garten und aktuell zur Show „Karussell“ ein nostalgisches Kinder-Karussell im Foyer stehen, das sich sogar dreht!

Backstage nach der Premiere, Foto: GOP

Backstage nach der Premiere, Foto: GOP

Aber nicht nur hinter der Bühne steigt die Spannung, auch im Theater-Saal herrscht eine ganz besondere Stimmung. Jeder Gast ist gespannt was ihn erwartet, denn jede Show ist auf ihre ganz eigene Art neu und aufregend. Genau wegen dieser kribbligen Stimmung kommen viele unserer Stammgäste gerade zu den Premieren-Vorstellungen.

Jetzt heißt es auch für uns Azubis, Zeit zum Schick machen! Wir lassen es uns natürlich nicht nehmen, uns nach diesen anstrengenden, aber auch sehr lustigen Tagen, zurückzulehnen und bei dem einen oder anderen Kaltgetränk, die erste Show der neuen Produktion zu genießen. Und schon geht es los… der schwere rote Samtvorhang öffnet!

Ein Gastbeitrag von Duncan Grahl

GOP Varieté-Theater Bremen, Foto: Kiarash Tamaddon / GOP

GOP Varieté-Theater Bremen, Foto: Kiarash Tamaddon / GOP

2 Anmerkungen zu “Showwechsel im GOP Varieté-Theater Bremen

  1. Vielen Dank für den schönen Artikel, Duncan. Wenn ich mal meinen Schlüssel vergesse dann weiß ich jetzt, wo ich anrufen muss. :-) Ich habe auf jeden Fall richtig Lust bekommen, mal wieder eine Show zu besuchen.

  2. WÜNSCHE says:

    DAS WAR EIN SEHR AUFSCHLUSSREICHER BEITRAG ÜBER DEN BÜHNENFEST- UND ALLTAG
    GERNE WÜRDE ICH LIFE DIE SHOW BEWUNDERN; ES IST ZU WEIT WEG

    HABE VOR EINIGEN JAHREN AUCH VIEL HINTER DER BÜHNE INTERVIEWT

    MAN HAT DABEI ZWAR FAST NICHTS VERDIENT
    DOCH EIN STÜCK LEBEN GENOSSEN

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