Im bunten Bonbon-Paradies

„Hier drücken sich mittags nach Schulschluss schon mal Kinder die Nase an den Fenstern platt“, berichtet mir Sabine Marquardt. Das kann ich mit einem Blick in das liebevoll dekorierte Schaufenster gut verstehen: Alles ist voller buntem und leckerem Süßkram. Folgen Sie mir auf meiner kleinen Reise ins farbenfrohe Bonbon-Paradies in der Böttcherstraße.

Groß wie ein Wagenrad sind die Lollies in der Bremer Bonbon Manufaktur

Groß wie ein Wagenrad baumeln die Lollies in der Bremer Bonbon Manufaktur von der Decke

Bei Sabine Marquardt und ihren Mitarbeitern der Bremer Bonbon Manufaktur findet man Bonbons in jeder Form und Größe: Von Lollies, die in Wagenradgröße von der Decke baumeln, bis hin zu Mini-Bonschen, die in Reagenzgläser passen, ist alles dabei. Aber auch bei den Sorten, bleibt kein Wunsch offen: Lakritze, sauer, süß, Kaffee, Erdbeere, Karamell und: Damenschrei? Die Sorte war mir bei meinem Besuch im Laden nicht untergekommen. Bei der riesigen Auswahl war es aber auch unmöglich, alle Sorten zu erfassen. Ich glaube, die Sorte muss ich bei meinem nächsten Abstecher in die Böttcherstraße mal probieren.

Zu Beginn kocht die Glukosemischung, bis sie 150 Grad heiß ist. Dann wird sie auf die Marmorplatte gegossen und mit Farbe und Aroma versehen.

Zu Beginn kocht die Glukosemischung, bis sie 150 Grad heiß ist. Dann wird sie auf die Marmorplatte gegossen und mit Farbe und Aroma versehen.

Aber zurück zu meinem Besuch. Das Besondere an der Bremer Bonbon Manufaktur: Die Besucher – und in diesem Fall auch ich – können den Mitarbeitern im Laden über die Schulter gucken. Und dort stehe auch ich. Direkt an dem großen Messingtopf, in dem die Glukose-Masse schon kocht. Bis sie auf 150 Grad erhitzt ist, wird sie auf dem Herd einreduziert. Dann wird die Zuckermasse auf die große Marmorplatte gegossen. Hier heißt es: bloß die Finger weg! Die Masse brodelt sogar noch auf der Platte.

Bei der Bonbonherstellung werden die einzelnen Farben warmgehalten, während die Hauptmasse so lange gezogen wird, bis sie die richtige Konsistenz hat. Im letzten Schritt werden alle drei Farben aneinandergefügt.

Bei der Bonbonherstellung werden die einzelnen Farben warmgehalten, während die Hauptmasse so lange gezogen wird, bis sie die richtige Konsistenz hat. Im letzten Schritt werden alle drei Farben aneinandergefügt.

 

Auf den kleinen Probiertellern werden die noch warmen Bonbons an die Besucher verteilt

Auf den kleinen Probiertellern werden die noch warmen Bonbons an die Besucher verteilt

Jetzt muss es aber schnell gehen, bevor die Masse abgekühlt ist, werden Farb- und Aromastoffe hinzugegeben und in drei Portionen geteilt, die in den Bonbons die verschiedenen Streifen bilden. Der Hauptteil wird so lange über den großen Haken an der Wand gezogen, bis er die richtige Konsistenz hat. Im Anschluss werden die drei Teile zusammengefügt und der große Bonbon-„Haufen“ wird nach und nach in lange Streifen gezogen. Hier ist Teamwork gefragt: „Das schafft man am besten zu zweit. Wir müssen immer aufpassen, dass die Masse nicht kalt wird“, so erklärt mir Frau Marquardt das Vorgehen. So formt einer die langen Streifen und der zweite schneidet die Bonbons mit der großen Presse in die bekannte Form. Dann müssen sie nur noch auskühlen und wandern in die Gläser. Aber die Besucher vor Ort kommen bei der Herstellung auch nicht zu kurz. Sie können nicht nur bei der Arbeit zusehen, sondern sie bekommen ein warmes Bonbon zu probieren. Und ich muss sagen: Das ist noch eine Spur leckerer als die Bonbons aus dem Glas.

Pink, überall pink: Die Bonbons kommen aus der Schneidemaschine

Pink, überall pink: Die Bonbons kommen aus der Schneidemaschine

Mit viel Liebe zum Detail und einer großen Portion Herzblut versuchen Frau Marquardt und ihre drei Konditoren alle noch so speziellen Kundenwünsche zu erfüllen. Durch die Lage – mitten in der Bremer Innenstadt im Handwerkerhof der Böttcherstraße direkt hinter dem Brunnen der Sieben Faulen gelegen – kommen hier viele Touristen vorbei. Angelockt durch den leckeren Duft nach frischen Bonbons, finden sie den Weg in den Laden. Aber auch bei Bremern sind die Bonbons als Mitbringsel für Reisen sehr beliebt. Im Logo der Manufaktur steckt für Frau Marquardt alles drin: Der Bezug zur Stadt durch den Name und die Stadtmusikanten, das Handwerk und nicht zuletzt die leckeren Bonbons.

Von Tulpen & Herzen über Reagenzgläser mit Mini-Bonbons bis hin zu großen Lollies mit Glückwünschen: Die Mitarbeiter haben viele kreative Ideen und versuchen alle Wünsche zu erfüllen

Von Tulpen & Herzen über Reagenzgläser mit Mini-Bonbons bis hin zu großen Lollies mit Glückwünschen: Die Mitarbeiter haben viele kreative Ideen und versuchen alle Wünsche zu erfüllen

Die Idee hat Frau Marquardt aus Schweden mitgebracht. Sie wollte die dort sehr beliebten rot-weißen Polkagris auch in Deutschland herstellen: Sie ließ sich deswegen in Skandinavien in das Handwerk einführen, brachte eine alte Bonbonpresse mit nach Bremen und begann damit, Rezepte auszuprobieren. So entstanden immer mehr Sorten – und die Mitarbeiter der Manufaktur experimentieren immer weiter.

Wer Lust auf die Bonbons bekommen hat, kann montags bis samstags zwischen 11 und 18 Uhr und in den Monaten April bis Dezember auch sonntags zwischen 12 und 17 Uhr die Manufaktur besuchen. Und wer die Möglichkeit hat, sollte unbedingt ein warmes Bonbon probieren – sehr zu empfehlen. Neu: Seit September 2017 findet ihr auch im Schnoor (Marterburg 30) eine Bonbon-Werkstatt.

 

 

 

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