Tief im Westen – Industrieromantik im Hafen

Industriegebiete sind für Fotobegeisterte oft eine sehr beliebte Gegend. Das Raue und Dreckige gepaart mit sanften Rückeroberungen der Natur – beliebte Gegensätze, die sich oft fotografisch gut festhalten lassen. Bremen hat so manch eine industrielle Kulisse zu bieten. Vor allem im Hafen findet das Fotoherz ein Motiv nach dem nächsten. Ganz nebenbei lässt sich hier auch einiges an Geschichte aufschnappen.

Wenn das mal nicht einer der heißesten Tage des Jahres ist. Ich habe kein Thermometer zur Hand, aber der Grad meiner Hitzewallungen beim Aussteigen aus meinem Auto lässt mich darauf schließen, dass es gut über 30 Grad Celsius sein könnten. Super Idee, jetzt unter der erbarmungslosen Nachmittagssonne durch ein Gebiet zu wandeln, das im Grunde nur aus Beton besteht. Tatsächlich flimmert über der schnurstracks gezogenen Kap-Horn-Straße die Luft in der Ferne. Am Horizont ragen die Silhouetten des Stahlwerks graublau empor.

Entlang des Hafenbeckens reihen sich die unterschiedlichen Fabriken - ganz hinten links das Stahlwerk. Abends ist das hier sicherlich spannend beleuchtet.

Entlang des Hafenbeckens reihen sich die unterschiedlichen Fabriken – ganz hinten links das Stahlwerk. Abends ist das hier sicherlich spannend beleuchtet.

Nach dem Motiv ist vor dem Motiv

Ich schultere meine Kamera und es dauert nicht lange, da habe ich mich am ersten Motiv „festfotografiert“.

Industrieromantik - oder: Ein Unterwassertor zu einer anderen Welt?

Industrieromantik – oder: Ein Unterwassertor zu einer anderen Welt?

So ein Fotospaziergang ist immer wieder interessant. Ich merke schnell, wie sich mein Blick ändert, wie ich mir die Umgebung nach und nach mit meinem fotografischen Auge erschließe. Hier entlang des Industriehafens sind es unterschiedlichste Motive und Themen, die ich mit meiner Kamera einfange. Ich finde spannende Strukturen, interessante Stillleben und eindrückliche Gegensätze. Auch so manch ein Gebäude hält mich im fotografischen Bann.

Eine kleine Tür in einer riesigen Wand.

Eine kleine Tür in einer riesigen Wand.

Blau, blauer, am blauesten: Man kann seine Fotoauswahl auch nach Farben sortieren.

Blau, blauer, am blauesten: Man kann seine Fotoauswahl auch nach Farben sortieren.

Ob hier wohl derselbe Detlef gemeint ist? Ich fand's lustig ;-)

Ob hier wohl derselbe Detlef gemeint ist? Ich fand’s lustig ;-)

Nicht nur Fotomodell, sondern geschichtsträchtiges Areal

2000 Schiffe landen in diesem Teil des Hafens jährlich an. Jetzt gerade entdeckte ich auf Anhieb zwar nur zwei oder drei, aber ich kann mir gut vorstellen, dass an manchen Tagen viele der Anleger belegt und die einzelnen Hafenbecken voll besetzt sind. Ich versuche mir auch vorzustellen, wie es hier wohl früher aussah. Ein paar alte Gebäude deuten auf vergangene Zeiten hin. Vor allem bei der Anfahrt in den Industriehafen durchquert man das ehemalige AG Weser-Gelände. Die Werft hat eine aufreibende Geschichte voller Höhen und Tiefen und ist vielen Bremern noch als Zeitzeugen bekannt. Ich kenne alles nur vom Hören-Sagen, kann mir aber beim Anblick der alten Verwaltungsgebäude gegenüber des heutigen Waterfront-Parkplatzes in etwa die Größenordnung vorstellen. Immerhin wurden hier in den 140 Jahren Werft-Geschichte sage und schreibe 1400 Schiffe gebaut. Auch im U-Boot-Sektor hatte die Werft großen Anteil.

Weiter vorne in der Kap-Horn-Straße befinden sich die Hafenateliers.

Weiter vorne in der Kap-Horn-Straße befinden sich die Hafenateliers.

Grausames Abtauchen

Apropos „U-Boot“: Nachdem ich entlang des Hafenbeckens ein paar Fotos gemacht habe, laufe ich gewissermaßen zurück in Richtung Stadt. Ein Gebäude ist mir schon bei der Anfahrt aufgefallen. Es handelt sich um ein großes Logistikunternehmen (Leschaco) mit Hauptstandort in Bremen, das weltweit über 2000 Menschen beschäftigt. Auffallend ist schon die Form des modernen Baus, der unweigerlich an den Aufbau eines Kreuzfahrtschiff erinnert.

Nein, kein Kreuzfahrtschiff, das hier angelegt hat. Es handelt sich hier um ein festinstalliertes Gebäude aus den 1960er Jahren.

Nein, kein Kreuzfahrtschiff, das hier angelegt hat. Es handelt sich hier um ein festinstalliertes Gebäude aus den 1960er Jahren.

Noch beeindruckender ist allerdings das Fundament dieses Gebäudes. Über eine Nebenstraße gelange ich an die Ostseite des Baus. Der hiesige Anblick lässt mir den Atem stocken. Das moderne Gebäude ist komplett auf einem alten U-Boot-Bunker errichtet worden. Eine Mahntafel erinnert an die unzähligen Zwangsarbeiter, die beim Bau 1944/45 ihr Leben verloren. Tatsächlich strahlt dieser Ort eine gewisse Bedrohlichkeit auf mich aus. Gleichzeitig bin ich von der Größe und der Konstruktion beeindruckt. Bevor ich umständlich versuche, den Anblick mit Worten zu umschreiben, lasse ich hier mal ein paar Bilder erzählen:

Recht düster dieser Ort: Der U-Boot-Bunker "Hornisse" wurde nie ganz fertig gestellt.

Recht düster dieser Ort: Der U-Boot-Bunker „Hornisse“ wurde nie ganz fertig gestellt.

Kunst und Handwerkskultur

Bei meinem Rückweg zur Straße fällt mir der Eingang zum Hof der Fassfabrik von Alfred Krogemann auf. Der Betrieb hat eine jahrhundertalte Geschichte, seit über 40 Jahren ist er Besitz der Familie Krogemann. Weiter vorne passiere ich noch die Hafenateliers Kap Horn, von denen ich schon so viel gehört habe. Hier sind Künstlerinnen und Künstler ansässig, es ist eines der ältesten Künstlerhäuser der Stadt.

Die Fassfabrik von Alfred Krogemann erhält einen Traditionsberuf am Leben.

Die Fassfabrik von Alfred Krogemann erhält einen Traditionsberuf am Leben.

Wer zum Kap Horn möchte, hat es in Bremen nicht so weit.

Wer zum Kap Horn möchte, hat es in Bremen nicht so weit.

Alte Gebäude haben oft soviel mehr Charme.

Alte Gebäude haben oft soviel mehr Charme.

Licht bestimmt die Stimmung

Ganz langsam werden die Schatten länger. Doch noch sind wir zeitlich ein Stück entfernt von der Abendsonne, die hier sicherlich alles noch einmal in sehr spannendes Licht taucht. Auf meinem Rückweg zum Wagen bin ich mir sicher: Ich muss abends noch einmal hierher kommen – und dann am besten auch gleich bis zur Dunkelheit bleiben. Denn wenn hier die Lichter für die Nacht angehen, dann dürfte das für Fotos noch einmal eine ganz besondere Kulisse bieten.

Auch in Schwarz-Weiß hat der Industriehafen etwas.

Auch in Schwarz-Weiß hat der Industriehafen etwas.

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