Kaffee, Kaba, Katakomben

Am Holzhafen, in der sich neu entwickelnden Bremer Überseestadt, findet auch heute noch Hafenleben statt. Fischmehl wird verladen, die Rolandmühle ist hier ansässig, Kaffee wird geröstet, dem horizontalen Gewerbe wird weiter nachgegangen – aber es gibt auch einige ungenutzte Gebäude. Sirius facilities vermarktet genau hier, in der Hagstraße, einen Business-Park.

Ludwig Roselius – Erfinder von Kaffee HAG und Kaba

HAG-Logo am alten Fabrikgebäude in der Überseestadt Bremen

HAG-Logo am alten Fabrikgebäude in der Überseestadt Bremen

Kaba-Logo am alten Fabrikgebäude in der Überseestadt Bremen

Kaba-Logo am alten Fabrikgebäude in der Überseestadt Bremen

Bei einem Tag des offenen Denkmals hatte ich das Glück, einen Teil der alten Gebäude betreten zu können, die zum großen unter Denkmalschutz stehenden Industriekomplex gehören, in dem früher der koffeinfreie Kaffee HAG und der Kakaotrunk „Kaba – der Plantagentrunk“ produziert wurden. Der Kaffeekaufmann Ludwig Roselius, Erfinder des koffeinfreien Kaffees und von Kaba, war Auftraggeber für den Bau der Anfang des 20. Jahrhunderts von Hugo Wagner entworfenen Fabrikgebäude; er hat sich übrigens mit der Böttcherstraße ein Denkmal gesetzt. Am Crusoe-Haus seht ihr farbige Fenster mit Hinweisen auf „Kaffee HAG – schont Herz und Nerven“. Und wenn ihr euch an alten Kaba-Verpackungen freuen wollt – die findet ihr im alten Kaufmannsladen oben im Übersee-Museum. Heute wird Kaba bei Mondelez International produziert; die lilafarbene Werbung seht ihr gut von der Schlachte aus.

Kaffeegenuss von Lloyd Caffee im HAG-Gebäude

In dem alten Gebäudekomplex befindet sich unter anderem die Lloyd Caffee Rösterei. Hier gibt es einen Laden, ein Kaffeehaus, und man kann sich bei Führungen alles Wissenswerte rund um den Kaffee zeigen lassen. Mitten im Hafengebioet riecht es verführerisch nach Kaffee-Spezialitäten, und die Brownies sind unbedingt zu empfehlen. Der Marmorsaal im Nebengebäude, 1914/15 ausgestattet und als Kaffee-Probierstube und Direktionskantine genutzt, kann als Veranstaltungsraum gemietet werden. Ein ganz besonderes Ambiente!

Lloyd Caffee: Röstvorgang (Foto: Jan Rathke) und Impressionen (Fotos: Lloyd Caffee)

Lloyd Caffee: Röstvorgang (Foto: Jan Rathke) und Impressionen (Fotos: Lloyd Caffee)

Street-Art und Katakomben im Kaba-Domizil

Noch spannender fand ich allerdings die Räume im Backsteinbau mit dem Kaba-Schild, das normalerweise verschlossen ist. Leider habe ich die Chance nicht wahrgenommen, diese aufzunehmen. Unter anderem, weil einfach zu viel los war und Fotos dieser Räume nur menschenleer funktionieren. Sobald möglich hole ich das nach. In den riesigen Räumen, in die man wahrscheinlich über Aufzüge auch mit Kleinwagen gelangt, befinden sich unzählige Graffitis, darunter echte Kunstwerke. Der marode Charme der Räume, die Größe, die spezielle Atmosphäre nehmen mich gefangen. Ich durchstreife alle Etagen, auch den Keller – und verlaufe mich in den leicht gruseligen Katakomben im Keller. Einziges fotografisches Vermächtnis des spannenden Streifzugs in diesem Gebäude ist hier der Blick durch das kaputte Fenster auf das gelbe HAG-Gebäude, das wie ein Wahrzeichen für diese Hafengegend weithin sichtbar ist.

Die FAZ hat der Kunst im Kaba-Werk übrigens einen schönen Artikel gewidmet: Legal? Illegal? Wen kümmert’s?

Entwicklung der Überseestadt – wo geht die Reise hin?

Mir persönlich ist es ein großes Anliegen, dass so viel Hafenleben und alte Gebäude, nicht nur die denkmalgeschützten, in der Überseestadt erhalten bleiben. Was sind eure Ideen, wie kann man den Charme der alten Gebäude erhalten, diese für die breite Öffentlichkeit zugänglich machen und dennoch wirtschaftlich nutzen?

Impressionen rund um den Holzhafen

Nachfolgend habe ich ein paar Impressionen rund um den Holzhafen zusammengestellt. Übrigens: Am besten entdeckt ihr diese Orte mit dem Fahrrad!

2 Anmerkungen zu “Kaffee, Kaba, Katakomben

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