Krökeln, flixen, kickern – Bremer Tischfußball vom Feinsten

Es ist mal wieder so weit: Die Saison der lauen Gartennächte und der wilden Freiluft-Partys ist vorüber, die Leute kehren zurück in ihre Wohnküchen – und in die Kneipen um die Ecke. Während die Spiele von Werder Bremen dort momentan nur eine dürftige Belustigung darstellen, rate ich zum alternativen Ballsport. Einfach mal selbst Tore schießen! Zum Beispiel beim neuesten Trend, dem gesellig-mobilen Tischkicker-Sport Flixen.

Angekommen im Gastfeld. Die kleine Kneipe in der Gastfeldstraße gilt als ältestes Wirtshaus in der Neustadt – und ist entsprechend schummerig und urig. Die ersten Spieler stehen schon an den Tischen und Thorben Köhn, einer der flixen-Macher, sitzt vor seinem Notebook und gibt die Spielaufstellungen ein. Der große Kneipenraum füllt sich stetig, im Hintergrund läuft Creedence Clearwater Revival und die gezapften Biere gehen zackig über die Theke.

Gelebte Kickerkultur in unzähligen Kneipen

Bremen ist überhaupt ein guter Ort, um vergnügt am Tischkicker zu stehen, finde ich. Unter den vielen Kicker-Kneipen in Bremen gehören das Lift Café (Weberstraße), die Auszeit (Kleine Annenstraße) sowie das Urlaub (Fehrfeld) zu meinen persönlichen Favoriten, wenn ich abends unterwegs bin. Ordentlich flixen kann man unter anderem im Kukoon, in der KONO bar, im Fehrfeld, im LOX oder im Gondi – und eben im Gastfeld. Das Startgeld beträgt in der Regel zwischen drei und fünf Euro. Am heutigen Abend zähle ich rund 40 Gäste, die beiden nicht-spielenden Stammgäste an der Theke allerdings mitgezählt.

Das Flutlicht gibt auch bei schlechten Lichtverhältnissen ein gutes Licht ab.

Das Flutlicht gibt auch bei schlechten Lichtverhältnissen ein gutes Licht ab.

Die Tische im Gastfeld sind alle besetzt. Jubelgeschrei und derbe Flüche stehen im wahrsten Sinne dicht beieinander. Wer gegen wen an welchem Tisch spielt? Ich habe nur eine vage Ahnung. Aus der an die Wand geworfene Tabelle werde ich nicht schlau, aber scheinbar wissen alle anderen Bescheid. Ich stelle mich zum Aufwärmen mit an den Tisch, merke aber schnell, dass ich in den letzten vier Jahren kaum gespielt habe und meine Abwehr mehr ab als Wehr ist, also richtig mies. Trotzdem – die Stimmung ist super und auch das Zuschauen macht gute Laune.

Ein hochklassiger Turniertisch - hier ganz unpretenziös in einer Neustädter Kneipe.

Ein hochklassiger Turniertisch – hier ganz unpretenziös in einer Neustädter Kneipe.

Auch wenn es in Bremen unzählige Kneipen mit Kickertisch gibt, hat das Flixen als eine Art mobiles Kickern die Tischkickerlanschaft in Bremen revolutioniert. Gemeinsam mit Daniel Selenkowitsch organisiert und veranstaltet Thorben Köhn Kickerspiele und -turniere an Orten, an denen üblicherweise kein Kicker steht. So wie im Gastfeld. Oder aber auch am Osterdeich, auf der Breminale oder die beiden schicken den flix Libero gar auf Weltreise. Das mobile Kickerkommando rückt mit ihren flix Libero-Tischen an, baut sie in Windeseile auf, organisiert und moderiert das Spielgeschehen. Eine grandiose Abwechslung für Kickerfreunde, die auf der Suche nach mehr Action sind.

„Das Beste, was ich je gemacht habe!“

Als ich mit Thorben plaudere, vergesse ich mein bescheidenes Können am Tisch. Er erzählt mir von Matthias Biehler, von Design- und Möbelmessen, Firmen-Events und der flixen-Premiere im Gondi im vergangenen Jahr. Keine Frage, hier ist Leidenschaft im Spiel. „Das Flixen ist meine volle Überzeugung“, offenbart der 38-Jährige. „Und es ist das Beste, was ich je gemacht habe“, ergänzt er lachend. Bei den großen Events spielen bis zu 50 Leute an den Tischen und alle sind hellauf begeistert, das macht auch ihm gute Laune. Jetzt will er zusammen mit seinem Geschäftspartner das Flixen und den flix Libero in Bremen und über die Bremer Grenzen hinaus bekannt machen.

Ganz schön wild: Raffinierte Zucker vs. Hasi und die alten Männer

Flixen-Erfinder Thorben Köhn mischt selbst gern mit.

Flixen-Erfinder Thorben Köhn mischt selbst gern mit.

Die „geflixte“ Geschäftsidee kam Thorben auch durch sein Engagement als Gründungsmitglied der WildenKickerLigaBremen, die seit 2007 das Krökelleben in Bremen bereichert. Die WildeKickerLigaBremen (WKLB) ist ein loser Zusammenschluss aus rund 25 Teams, die sich regelmäßig, aber relativ spontan für Spiele in Bremen verabreden. Schon die Namen der Teams zeigen, dass hier der Spaß vordergründiger ist als die Perfektion: „Raffinierte Zucker“, „Drei Damen vom Grill“, „Apokalyptische Turbinen“ oder „Hasi und die alten Männer“ treten gegeinander an.

Ich setze mich mit meinem Alster zu Moritz, er spielt bei „Raffinierte Zucker“ in der WKLB und ist jede Woche wenigstens bei einem flixen-Spiel dabei. Tauchen denn hier auch mal die echten Profis auf? Klar, Semin Mensah sei auch schon dabei gewesen. Nun gut, der Deutsche Meister im Tischfußball-Doppel 2013 kommt schließlich aus Bremen – und kickert auch gerne mal gegen Franco Di Santo. Ich kapituliere an diesem Abend und fahre nach Hause. Aber Thorbens Tipp, mir die Werkstatt vom Daniel Düsentrieb des mobilen Tischkickers einmal näher anzuschauen, werde ich folgen…

Schwarz gegen rot - irgendwie ganz schön politisch so eine Partie.

Schwarz gegen rot – irgendwie ganz schön politisch so eine Partie.

Die Reise zum Macher

Um dem Flixen also besser auf die Spur zu kommen, fahre ich am übernächsten Tag in die Höhle des Machers, in die Werkstatt von Matthias Biehler, studierter Psychologe und Erfinder des flix Libero-Kickertisches. In der Werkstatt türmen sich Bauteile, Stangen, Pappkartons und allerlei Schrauben und Teile. Alles hat seinen Platz, auch Azubi Fred und Mitarbeiter Jens, die hin- und herwerkeln.

Ade ölen mit Pronto: Die flix Kicker haben hochwertige Gleitlager mit Lagerring und Ölwanne (oben links)

Ade ölen mit Pronto: Die flix-Kicker haben hochwertige Gleitlager mit Lagerring und Ölwanne (oben links)

2007 hat der zweifache Familienvater mit dem Konzept zum mobilen Kickertisch, dem flix Libero, begonnen. Seine Frau gab den Anstoß nachdem der Kickertisch zum Familienmitglied avancierte: Es sollte ein hochwertiger, schicker und, ganz wichtig, platzsparender, also zusammenklappbarer Tisch sein, kein Monster aus der Kategorie Omas Schrankwand.

Die versteckte flix libero-Werkstatt im Steintor.

Die versteckte flix libero-Werkstatt im Steintor.

Herausgekommen ist ein mobiler Kickertisch in drei Ausführungen, die es in sich haben: Er ist nicht nur in kürzester Zeit auf- und abbaubar, sondern verfügt auch über zahlreiche technische Innovationen wie selbstschmierende Ölwannen in den Gleitlagern, gedämpfte Puffer und Ecken, die den toten Punkt überlisten. „Die meisten finden auch die eingebaute Wasserwaage ganz großartig“, erzählt der Bremer Tüftler. Und ganz ehrlich, auch mich verzaubert sie ein wenig.

Raus aus der Kneipenatmosphäre, rein ins Grüne

Mit dem flixen begann alles, als Thorben Köhn zwei, drei Spiele der WKLB in Matthias‘ Werkstatt veranstaltete. Die Beiden kamen zusammen und Thorben erkannte das Potential des Tisches: Der Mobilität, das Design, die Qualität der Verarbeitung und die technischen Finessen. Endlich ein Kicker, an dem man statt in verrauchten Kneipen problemlos auf der grünen Wiese spielen kann – und an dem echte Könner nicht verzweifeln, weil alles wackelt und knirscht. Seitdem 2014 das libero Flutlicht hinzugekommen ist, lässt es sich sogar nachts kickern. Hey, zum Beispiel auf wilden Freiluft-Parties, im nächsten Sommer – bitte vormerken!

4 Anmerkungen zu “Krökeln, flixen, kickern – Bremer Tischfußball vom Feinsten

  1. Tobias says:

    Das Gastfeld ist einfach spitze.
    Ich war bis jetzt erst einmal in Bremen, habe es mir aber nicht entgehen lassen, dort mal vorbei zu schauen.

  2. Walter says:

    Wirklich eine super Sache, man merkt, dass da viel Leidenschaft im Spiel ist. Das nächste Mal, wenn ich in Bremen bin, werde ich auf jeden Fall einmal vorbeischauen!

  3. Das klingt nach einer Menge Spaß, genau mein Ding! Beim nächsten mal werde ich zu 100% auch mit von der Partie sein, freue mich schon drauf!

    LG

  4. HansTobler says:

    Ich war selbst auch schonmal dabei und werde bestimmt auch mal wieder kommen. Hab Bock drauf.

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