Bremen kriminalistisch: Auf mörderischer Spur

Während meine Freunde Kant, Spiegel Online oder Elf Freunde lesen, verschlinge ich Kriminalromane. Ich mag die Hochspannung, die Neugier und das Mörderische an guten Krimis. Und nachdem ich meinen letzten Roman beiseite gelegt habe, habe ich mir vorgenommen, das Thema „Krimi in Bremen“ mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Und worauf ich da so bei meinen Ermittlungen gestoßen bin… ist höchst spannend! Bremen ist eine echte Krimi-Stadt, wer hätte das gedacht?! Ich jedenfalls nicht.

Schon als Heranwachsende konnte ich mich für „Tod auf dem Nil“ von Agatha Christie oder die amerikanische Schriftstellerin Martha Grimes. begeistern Später ergänzten Henning Mankell, Martin Suter oder Jean-Luc Bannelec meine Bücherwand – sozusagen für alle Jahreszeiten die richtigen Ermittler. Noch heute lese und sehe ich gerne Krimis – auch wenn ich dabei gelegentlich die Haustür lieber doppelt von innen abschließe. Und wenn es einen Bremer „Tatort“ gibt, lasse ich ihn mir selten entgehen.

Wände voller Mord und Totschlag: Die Krimibibliothek lädt zum Verweilen ein

Wände voller Mord und Totschlag: Die Krimibibliothek lädt zum Verweilen ein

Paris, Eskilstuna – und natürlich Bremen

Auf der Suche nach einigen spannenden Neuerscheinungen treibt es mich hin und wieder in die Krimibibliothek der Zentralbibliothek am Wall. Was kaum jemand weiß: Sie gehört neben einer Krimibibliothek in Schweden und einer in Frankreich zu den drei einzigen in Europa. Der Präsenzbestand umfasst rund 4000 Titel ausschließlich deutschsprachiger Krimis, die nach 1965 erschienen sind.

2009 wurde die Krimibibliothek als „ausgewählter Ort“ im „Land der Ideen“ ausgezeichnet. Leider handelt es sich ja um einen Präsenzbestand, das bedeutet, ich kann nichts entleihen – mich aber wenigstens inspirieren lassen oder Probe lesen. Außerdem wird hier regelmäßig die Videopräsentation „Arsen & Sterben“ präsentiert, die die gruselige Geschichte von fünf Opfern der Bremer Giftmörderin Gesche Gottfried nacherzählt.

Blutrote Sessel sorgen sofort für eine heimelige Atmosphäre

Blutrote Sessel sorgen sofort für eine heimelige Atmosphäre

Und im September findet das 18. Bremer Krimifestival »Prime Time – Crime Time« statt, das die Hansestadt seit 1997 jährlich zu Deutschlands Krimihauptstadt verwandelt. Hier treffen deutsche und internationale Krimi-Schriftsteller aufeinander, um mit Lesungen, Konzerten, Theaterstücken und einem Crime Time Slam die Bühne zum Ort von Verbrechern und Spürnasen zu verwandeln.

Seit 2001 wird im Rahmen des Festivals zudem der Radio-Bremen-Krimipreis verliehen, der  herausragende Werke der Kriminalliteratur auszeichnet.

Tatort Arsten – Regionale Krimis sind im Kommen

Seit ein paar Jahren erfahren regionale Krimis einen Boom. Auch Bremer Autorinnen und Autoren schreiben fesselnde und blutrünstige Bücher. Zum Beispiel die Bremer Autorin Inga Brodersen, die 2011  für den “Agatha-Christie-Krimipreis” nominiert wurde und gemeinsam mit Sonja Höstermann „Auf Heller und Pfennig“ veröffentlicht hat. In der Erzählung muss der Bremer Hauptkommissar Ewald Pfennig einen Mordfall an einem Pastor in Arsten aufklären und sticht damit wahrlich in ein Wespennest…

Von der Leiche im Hafen und dem Tod an der Wümme: Regionale Krimis sind im Kommen.

Von der Leiche im Hafen und dem Tod an der Wümme: Regionale Krimis sind im Kommen.

Auch bei dem illustrierten Kunstkrimi „Muse, Mord und Pinselstrich“ steht die Hansestadt im Fokus:  In 22 kriminellen Hommagen an die Kunsthalle Bremen haben Autorinnen und Autoren des Bremer Krimistammtisches um Jürgen Alberts  Kunstwerke und Kunsthalle zu den Dreh- und Angelpunkten ihres Schaffens gemacht. Die große Anzahl von Regional- oder Heimatkrimis scheint schier überwältigend. Eine gute Quelle ist meist der Buchhandel des persönlichen Vertrauens, deren Mitarbeiter sich oft auch mit den regionalen Autoren und neuen Veröffentlichungen auskennen.

Mit Björk zittern: Ein eiskaltes Vergnügen im bremer kriminal theater

Das kleine bremer kriminal theater in der Friesenstraße versteht sich als „professionelles Unterhaltungstheater mit ausschließlich kriminalistischen Inhalten“ und inszeniert klassische Kriminalstoffe ebenso wie Thriller, Krimi-Komödien, regionale Krimis sowie Revuen rund um Mord und Totschlag. Klassiker wie „Dänische Delikatessen“, „Die 39 Stufen“ oder „Sherlock Holmes & Der Hund der Baskervilles“ stehen hier auf dem Spielplan. Eine Besonderheit allemal und für Krimi-Fans eine echte Bereicherung!

Im bremer kriminal theater stehen Hochspannung und Mordslust auf dem Spielplan.

Im bremer kriminal theater stehen Hochspannung und Mordslust auf dem Spielplan.

Der Andrang war groß: Bei der Premiere von "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" herrscht im Foyer gute Stimmung.

Der Andrang war groß: Bei der Premiere von „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ herrscht im Foyer beste Stimmung.

Sherlock Holmes, Kurt Wallander und Hercule Poirot gehören zu den wohl bekanntesten Detektiven der Welt. Doch Smilla Jaspersen? Die Romanfigur aus „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ dürfte nicht jedem bekannt sein. Im bremer kriminal theater steht die Kriminalgeschichte von Peter Høeg, in der Smilla Jaspersen den Tod eines kleinen Inuit aufklärt, derzeit auf dem Spielplan.

Bei meinem Besuch erlebe ich ein eiskaltes Vergnügen voller Spannung: Die Noppenfolie knirscht wie gefrorerner Schnee, im Hintergrund läuft die sphärische Musik der Isländerin Björk, die Figuren auf der Bühne sind emotional, vielseitig und glaubhaft. Besonders Uwe Seidel in seinen unterschiedlichen Rollen: als größenwahnsinniger Bösewicht, als spendabler Vater im Rollstuhl, als moralische Ex-Sekretärin oder als hilfreicher Legastheniker. Im März und April ist die Aufführung noch an zahlreichen Terminen zu sehen.

Nachtrag vom 18.10.2016: Das Theater ist inzwischen in die Union-Brauerei nach Walle umgezogen.

Lekker kylling! Im Stück "Dänische Delikatessen" dreht sich alles um Frischfleisch und Wurstwaren.

Lekker kylling! Im Stück „Dänische Delikatessen“ dreht sich (fast) alles um Frischfleisch und Wurstwaren.

Mitmachkrimi für ambitionierte Schnüffler

Wer lieber selbst aktiv werden möchte, statt im Ohrensessel eine Gänsehaut zu bekommen oder im Kriminal-Theater auf den Mörder zu warten, sollte sich den Bremer Straßenkrimi vormerken: Denn bei diesem Live-Krimi-Rollenspiel herrscht echter Nervenkitzel. Die Teilnehmerienn und Teilnehmer werden zu Mitgliedern einer Sonderkommission berufen, jedes Ermittler-Team muss Zeugen befragen, Indizien sichern und Alibis überprüfen, um einen kniffeligen Mordfall aufzuklären. Für Kinder im Alter von 9 bis 13 Jahren gibt es die Variante als Junior-Krimi.

Eine Leiche zum Dessert, bitteschön!

Und wer lieber das Angenehme mit dem Schaurigen verbindet, kann beim Krimi-Dinner im Bremer Ratskeller auf seine kriminalistischen Kosten kommen. Hier können die Dinner-Gäste in einer „Nacht des Schreckens“ Lord Ashtonbury, seine Familie und die Mitglieder des Puddingclubs kennenlernen oder dem „Spuk von Darkwood Castle“ beiwohnen und dabei ein mehrgängiges Menü genießen.

Fazit: Nachdem ich Bremen so genau unter die Lupe genommen habe, bin ich begeistert wie vielfältig sich das Thema „Krimi“ im Kultur- und Freizeitangebot unserer Stadt widerspiegelt. Ob als Leseratte oder Detektiv – für Krimi-Fans, und solche die es vielleicht noch werden wollen, bieten sich zahlreiche tolle Möglichkeiten. Da rufe ich ganz laut: Nutzt sie!

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