Kunst, Strand und Pferde

Gestern war es so weit: Der meteorologische Herbst ging zu Ende, der Winter kam. Mir war kalt, ich sehnte mich nach Sommer und Strand. Da fiel mir ein, dass es in der Kunsthalle Bremen gerade schöne Strandbilder gibt, die vielleicht immerhin meine Seele wärmen.

Dass der #kunstherbstbremen 2016 nun zu Ende ist heißt keinesfalls, dass auch die Kunst unsere schöne Stadt verlässt. Jede Menge spannender Ausstellungen gibt es auch im Kunstwinter, und ganzjährig locken die Museen und Galerien mit ihrem Fundus an Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, historischen Stücken und mehr. Auch in der Kunsthalle sollte man immer mal wieder vorbeischauen. Im Bestand befinden sich unter anderen Arbeiten von Max Liebermann, auch wenn die derzeitige Liebermann-Sonderausstellung Ende Februar vorbei ist. Aber genau in die zieht es mich, denn ich habe ganz große Lust auf einen Kunstsommer. Und da ich keine Zeit habe in die Wärme zu fliegen, schaue ich mir eben Strandbilder an und stelle mir vor, ich wäre dort.

Max Liebermann, Badende Knaben, 1900, Stiftung Stadtmuseum Berlin, und Wand mit Zeichnungen von Max Liebermann

Max Liebermann, Badende Knaben, 1900, Stiftung Stadtmuseum Berlin, und Wand mit Zeichnungen von Max Liebermann

Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem Thema Freizeit und Sport in der Malerei, und zwar Anfang des 20. Jahrhunderts. Das erkennt man schnell an der Kleidung, außer am Anfang, denn da haben die badenden Knaben wenig an. Max Liebermann war der erste deutsche Künstler, der sich diesem Genre intensiv gewidmet hat. Die besondere Bedeutung der Kunstwerke liegt entsprechend in der zeitlichen Einordnung.

Mir gefällt sehr, dass mich das Meer sofort empfängt. Ich habe schon lange den großen Traum, dort einmal im Galopp zu reiten. Bedenkenträger melden sich aber immer zu Wort und erinnern mich daran, dass es sicherer wäre vorab einige Jahre das Reiten zu lernen. Alles klar, dann bleibt also nur die Vorstellung. Vielleicht versetzen passende Bilder mich ja dorthin, in der Fantasie.

Reiter am Strand

Reiter am Strand

Und schon bin ich in dem Raum, in dem es nur um dieses Thema geht, um mein Thema. Mit Galopp hat das Ganze aber irgendwie wenig zu tun. Mir fehlt ein wenig die Action in den Motiven, aber entspannend wirken sie allemal. Einmal hinsetzen und innehalten. Hier seht ihr eine Auswahl:

Max Lieberman, oben links: Reiter am Strand mit Foxterrier, 1911, Nationalmuseum, Stockholm, oben rechts: Reiter und Reiterin am Strand, 1903, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln, unten links: Zwei Reiter am Strand nach links, 1910, Museum Kunst der Westküste, Alkersum, Föhr, unten rechts: Reiter am Strand, 1908, Museumslandschaft Hessen Kassel, Neue Galerie

Max Lieberman, oben links: Reiter am Strand mit Foxterrier, 1911, Nationalmuseum, Stockholm, oben rechts: Reiter und Reiterin am Strand, 1903, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln, unten links: Zwei Reiter am Strand nach links, 1910, Museum Kunst der Westküste, Alkersum, Föhr, unten rechts: Reiter am Strand, 1908, Museumslandschaft Hessen Kassel, Neue Galerie

Bei den Polospielern geht es dann rund. Da müssen die Pferde einiges aushalten. Ihr könnt dort eindrucksvolle Skulpturen sehen, nur zeigen darf ich sie euch nicht, die Rechte am Kunstwerk … Schade, aber vor Ort sehen die eh besser aus, und die Spannung ist so viel größer.

Nach ordentlich Action wird es nun wieder ruhiger.

Sommerrennen in Berlin-Karlshorts, in: Sport im Bild 15, 1909

Sommerrennen in Berlin-Karlshorts, in: Sport im Bild 15, 1909

Es geht nämlich direkt weiter zum Tennis-Spiel. Unglaublich, wie die Damen ihre Kleider im Griff gehabt haben müssen. Ich wäre längst gestolpert.

Max Liebermann, Tennisspieler am Meer, 1903, Angersmuseum Erfurt, Grafische Sammlung

Max Liebermann, Tennisspieler am Meer, 1903, Angersmuseum Erfurt, Grafische Sammlung

Und was dann kommt, das hätte mich weniger überrascht wenn ich mich auf die Ausstellung vorbereitet hätte. Wie ihr schon bemerkt habt, habe ich den Besuch eher als visuellen Kurz-Ausflug in die Sonne gesehen, weniger als Ausflug in die Kunstgeschichte, die mich sonst durchaus interessiert. Ihr solltet euch besser einer Führung anschließen oder euch mehr Zeit nehmen.

Blick auf Helmut Kolle (1899-1931), Der große Boxer, um 1929, Saint-Omer - Musée de l'hôtel Sandelin

Blick auf Helmut Kolle (1899-1931), Der große Boxer, um 1929, Saint-Omer – Musée de l’hôtel Sandelin

Ja, ihr seht richtig, dem Boxsport ist auch ein Raum gewidmet. Liebermann-Werke findet ihr hier nicht, denn nach dem ersten Weltkrieg malte er andere Motive. Es geht um die Darstellung jüngerer Künstler, um den Starkult und den Kontrast zu Liebermanns Amateursportlern. Eleganz vs. Kraftpakete. Die Skulptur von Max Schmeling hat mir imaginär einen rechten Haken verpasst. Das erinnert mich an meinen Boxsack, der, seitdem er auf dem Dachboden hängt, von mir elegant in Ruhe gelassen wird. Schick ist er aber, das muss ich sagen. Der eher dunkle Box-Raum bereitet mich vor auf das, was mich draußen erwartet: der meteorologische Winter. Den hatte ich inzwischen ganz vergessen.

Auf dem Schlachte-Zauber angekommen freue ich mich, dass ich nach dem ganzen Sport noch nicht einmal K.O. bin. Ich beobachte die Sportler die versuchen, an der Strickleiter im Mittelalterdorf hochzuklettern, und erwarte bei einem heißen Wein entspannt und neugierig den Kunstwinter. Der Strand muss warten.

Wenn ihr auch eine kleine Auszeit benötigt, dann schaut doch immer mal wieder in unsere aktuellen Tipps zu Sonderausstellungen und Kultur-Highlights.

 

Beitragsbild: Max Liebermann, Strand bei Noordwijk, 1908, Landeshauptstadt Hannover, Leihgabe im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover

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