Kunstherbst in Bremen

Ich liiiebe den Herbst in Bremen! Das mag vielleicht daran liegen, dass ich im September Geburtstag habe, aber mal ehrlich: Wenn ihr die Bilder dieses Blogbeitrags seht, die goldene Sonne des Spätsommers, die ersten bunten Blätter, den romantischen Lichteinfall … bekommt ihr dann nicht auch Lust auf diese Jahreszeit?

In Bremen beginnen im Herbst traditionell die großen Sonderausstellungen der Museen. Aber in diesem Jahr feiern wir hier einen wahren Kunstherbst, denn selten gibt es so viele hochkarätige Ausstellungen auf einmal zu sehen. Das habe ich mir zum Anlass genommen, einen kleinen Bummel durch die Bremer Innenstadt zu unternehmen und schon mal einige der Schauplätze auf mich wirken zu lassen.

Weil ich auf jeden Fall ein paar Motive mit tiefstehender Sonne einfangen wollte, startete meine Tour schon um acht Uhr morgens. Los ging’s in den Wallanlagen vor der Kunsthalle, wo mich passenderweise ein Meer von wunderschönen Herbstzeitlosen erwartete.

Wie passend: Vor der Kunsthalle blüht ein ganzes Meer von Herbstzeitlosen.

Wie passend: Vor der Kunsthalle blüht ein ganzes Meer von Herbstzeitlosen.

Rainer Maria Rilke sagte schon 1902 über die Bremer Kunsthalle: „Hier wachsen Menschen, hier in diesem Haus wird mancher sehend für sein ganzes Leben…“ und ich finde, er hat noch immer recht. Ein Besuch in der Ausstellung lohnt sich immer, weil es ständig etwas Neues zu entdecken gibt.

Aber im Gegensatz zu dem idyllischen Bild, das sich mir an diesem Spätsommermorgen bietet, geht es hier ab Oktober ganz sportlich zu: Die Sonderausstellung „Max Liebermann – Reiten, Tennis, Polo. Vom Freizeitvergnügen zum modernen Sport“ in der Kunsthalle untersucht vom 22. Oktober 2016 bis 26. Februar 2017 Max Liebermanns Blick auf Bewegung und Sport und erzählt zugleich die Geschichte vom Reiten, Tennis und Polo in der Kunst. In der Beschreibung heißt es: „Werke von Edgar Degas, Édouard Manet und Henri de Toulouse-Lautrec veranschaulichen Liebermanns Inspiration durch die französische Malerei und Grafik. Seine Darstellungen der Tennis- und Polospieler sind in Frankreich und Deutschland ohnegleichen. Die Einzigartigkeit seiner Sportmotive wird durch die Betrachtung ausgewählter Werke englischer und deutscher Zeitgenossen wie John Lavery oder Max Slevogt deutlich.“ Ich finde, das ist mal ein ungewohnter Ansatz, auf die Kunst zu schauen.

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Bei meinem Rundgang fällt mein Blick nun aber erst einmal auf die vielen Statuen, die in den Wallanlagen rund um die Kunsthalle aufgestellt sind. Einige gehören zum Gerhard-Marcks-Haus, das im Oktober nach einer 14-monatigen Umbauzeit mit der Ausstellung „Vincent Barré – Géométrie bâ(s)tarde“ (2. Oktober 2016 bis 29. Januar 2017) wiedereröffnet. Andere Plastiken wurden hier von Spendern aus der Stadt aufgestellt, wie beispielsweise das Heinrich-Heine-Denkmal am Altenwall, das 2010 aufgestellt wurde und ein Geschenk der Bremer Ehrenbürger Uwe Hollweg und Klaus Hübotter an Bremen ist. Zur Büste von Paula Modersohn-Becker, die ebenfalls hier zu finden ist, haben wir sogar einen eigenen Blogbeitrag. Kunst und Kultur, wohin mein Auge blickt …

Sonnendurchflutete Augenblicke: (v.l.o.) Heinrich Heine, der „Mann mit der Maske“ von Giuliano Vangi, Paula-Modersohn-Becker und die „Betende“ von Gerhard Marcks scheinen den Spätsommer genauso wie ich zu genießen

Sonnendurchflutete Augenblicke: (v.l.o.) Heinrich Heine, der „Mann mit der Maske“ von Giuliano Vangi, Paula-Modersohn-Becker und die „Betende“ von Gerhard Marcks scheinen den Spätsommer genauso wie ich zu genießen.

Auf der Rückseite der Kunsthalle sehe ich, dass die Mitarbeiter des Canova gerade die Stühle auf der Terrasse zurechtrücken. Das Licht fällt perfekt und mir ist klar: Ich MUSS ein Foto von einem Milchkaffee in der Sommersonne haben. Tausend Dank an das tolle Team des Canova, das mir diese Motiv ermöglicht hat, obwohl das Café eigentlich erst eine Stunde später geöffnet hat.  Und was soll ich sagen … der Kaffee war nicht nur ein super Fotomotiv, er hat auch äußerst lecker geschmeckt! :-)

Einmal durchatmen inmitten des Innenstadttrubels … das Canova in den Wallanlagen hinter der Kunsthalle ist eine kleine Oase der Entspannung.

Einmal durchatmen inmitten des Innenstadttrubels … das Canova in den Wallanlagen hinter der Kunsthalle ist eine kleine Oase der Entspannung.

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Frisch gestärkt und mit Koffein versorgt, bummele ich weiter zum Schnoorviertel. Kurz bevor ich dort ankomme, bin ich froh, einen einzigen Satz meines Kunschgeschichtsprofessors im Kopf behalten zu haben: „Gehen, stehen, sehen …“. Einfach mal kurz innehalten im Laufen, sich umschauen, mal nach oben blicken, neue Perspektiven entdecken. Denn hätte ich mich auf meinem Weg die Treppe am Altenwall runter nicht mal umgedreht, wäre mir das folgende schöne Motiv bestimmt entgangen:

Viele Wege führen in Bremen zur Kunst, und hier vereinen sich gerade bildende Kunst am Haus mit realer natürlicher Kunst …

Viele Wege führen in Bremen zur Kunst, und hier vereinen sich gerade bildende Kunst am Haus mit realer natürlicher Kunst …

Um kurz nach neun ist es im pittoresken Schnoorviertel noch ganz menschenleer. Ein ungewohnter Anblick, den ich – wie auch die Ruhe – aber sehr genieße und nutze, um eine kleine Momentaufnahme zu machen:

Na ja, über Kunst kann man sich ja bekanntermaßen vortrefflich streiten …

Na ja, über Kunst kann man sich ja bekanntermaßen vortrefflich streiten …

Weiter geht es ans Weserufer, die Schlachtepromenade entlang. Hier herrscht gerade Sommer pur. Es wird wärmer und die Sonne strahlt mit dem glitzernden Wasser um die Wette. Ein paar der „Kunstobjekte“, die ich hier entdecke, zaubern mir ein Lächeln aufs Gesicht.

Noch mehr Kunstobjekte, wie zum Beispiel die Löwenköpfe (ehemals Pfeilerstücke der alten Wilhelm-Kaisen-Brücke) und ein paar ungewohnte „Augenblicke“

Noch mehr Kunstobjekte, wie zum Beispiel die Löwenköpfe (ehemals Pfeilerstücke der alten Wilhelm-Kaisen-Brücke) und ein paar ungewohnte „Augenblicke“

Prompt geht es mir gerade wie Adolph Freiherr von Knigge, der einige Jahre in Bremen lebte (und hier sogar im Dom begraben liegt), als er sagte: „Am liebsten mögte ich hier in der Altstadt an der sogenannten Schlacht wohnen, wo die Ankunft und Abfahrt der Fahrzeuge auf der Weser einen Anblick voll angenehmer Abwechslung gewährt.“

Mein Weg führt mich nun in ein weiteres Zentrum der Bremer Kunst, die Böttcherstraße. Abgesehen von den Museen, die sich dort befinden, ist die Straße selbst schon ein Kunstobjekt. In der Böttcherstraße lebten früher dem Namen entsprechend die Fassmacher, deren Berufsbezeichnung sich vom Ausdruck „Bottich“ für Fass herleitete. Heute ist die kleine Gasse das Zuhause von Kunst und Kunsthandwerk. Der Bremer Kaffeekaufmann Ludwig Roselius kaufte Anfang des 20. Jahrhunderts nach und nach die Häuser der verfallenen Straße und ließ sie zu einem architektonisch außergewöhnlichen und gleichzeitig einheitlichen Straßenzug im Stilmix von Expressionismus und Backsteinbauweise restaurieren.

Die architektonisch und künstlerisch faszinierende Böttcherstraße grenzt direkt an den Marktplatz.

Die architektonisch und künstlerisch faszinierende Böttcherstraße grenzt direkt an den Marktplatz.

Das Paula Modersohn-Becker Museum zeigt vom 9. Oktober 2016 bis 29. Januar 2017 die Sonderausstellung „Emil Nolde trifft Paula Modersohn-Becker“. Farbgewaltige Blumenbilder, grandiose Landschaften – vor allem diese Motive sind heute das Markenzeichen des deutsch-dänischen Künstlers Emil Nolde. Doch tatsächlich ist es ein anderes Motiv, das den Großteil seines Werks prägt: der Mensch. 1900 ging er, wie so viele seiner Zeit, zum Studium nach Paris und lernte dort die junge, noch unverheiratete Künstlerin Paula Becker kennen. Zum ersten Mal nach ihrer Begegnung in Paris, treffen Emil Nolde und Paula Modersohn-Becker erneut aufeinander. Insgesamt 70 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Drucke eröffnen im direkten Gegenüber überraschend neue Einblicke in die Bildwelten von zwei der bedeutendsten Pioniere der Moderne.

Kunst und Kultur wohin man blickt – im Prinzip ist die gesamte Böttcherstraße selbst ein riesiges Kunstwerk mit unzähligen kleinen Bildnissen, die es zu entdecken gibt.

Kunst und Kultur wohin man blickt – im Prinzip ist die gesamte Böttcherstraße selbst ein riesiges Kunstwerk mit unzähligen kleinen Bildnissen, die es zu entdecken gibt.

Von der Böttcherstraße geht es direkt auf den Marktplatz, am Rathaus und dem Dom vorbei zum Domshof. Hier fasziniert mich wieder das unglaubliche Spiel der Sonnenstrahlen – ob auf dem Neptunbrunnen oder in den Spieglungen der neuen Fassade des Bremer Landesbank: Schön ist’s hier! Ich möchte Tourist sein und noch mehr Zeit haben, hier viele viele Fotos zu machen. Aber mein Job ruft, ich muss weiter.

So viele Fotomotive rund um den Domshof: ob Neptunbrunnen, neue Fassade der Bremer Landesbank oder Blumenmarkt – immer einen Bummel wert.

So viele Fotomotive rund um den Domshof: ob Neptunbrunnen, neue Fassade der Bremer Landesbank oder Blumenmarkt – immer einen Bummel wert.

Und noch einmal kreuze ich die Wallanlagen auf meinem Weg zum Hauptbahnhof. Und hier herrscht schon wieder Herbstidylle pur. Die neue Bepflanzung an der Wallmühle gibt alles – wogende Blüten im klassischen gelb-orange. Wow, Postkartenmotiv ;-)

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Meine letzte Station für heute ist das Übersee-Museum direkt am Bahnhofsvorplatz. Das Haus faszinierte mich mit seiner riesigen natur- und landeskundlichen Sammlung schon als Kind. Auch heute noch nutze ich jede Gelegenheit für einen Abstecher dorthin. Afrika und Asien sind hier nur ein paar Schritte voneinander entfernt. Und ab dem 5. November öffnet die neue Dauerausstellung zum Thema „Amerika“. Neben dem großen präkolumbischen Goldschatz des Übersee-Museums, einem reich gedeckten „Thanksgiving“-Tisch und einem lebensgroßen Bison begegnet man in dieser Ausstellung Menschen und ihren persönlichen Geschichten im Nord- und Südamerika des 21. Jahrhunderts.

Im Übersee-Museum dauert eine Reise rund um die Welt knapp achtzig Minuten.

Im Übersee-Museum dauert eine Reise rund um die Welt knapp achtzig Minuten.

Tja, unser Büro liegt direkt hinter dem Hauptbahnhof und mein morgendlicher Spaziergang geht zu Ende. Aber ich habe viele schöne Bilder auf der Speicherkarte und im Kopf, die mich noch ein Weilchen begleiten werden. Vielleicht habt ihr ja Lust bekommen auf einen kleinen Kunstausflug durch die Bremer Innenstadt. Dies wird mit Sicherheit nicht der letzte Sonnentag in der Stadt gewesen sein. Und falls doch: Die Ausstellungen sind ja zum Glück bei jedem Wetter im Trockenen und hinterher findet sich bestimmt ein gemütliches Café, das heiße Schokolade oder einen so leckeren Kaffee serviert, wie ich ihn heute genießen durfte.

Falls ihr auch Lust bekommen habt, eure künstlerischen Herbsteindrücke in der Hansestadt festzuhalten, dann postet sie doch einfach unter dem Hashtag #kunstherbstbremen auf Instagram und Co. Wir werden die Posts mit Storify begleiten und gesammelt zeigen. Bin schon gespannt!!

 

Die Höhepunkte des Bremer Kunstherbstes im Überblick:

Mir ist das Leben lieber

21.05.2016-26.02.2017
Weserburg
Die Weserburg Bremen zeigt die eindrucksvolle Sammlung Reydan Weiss in einer Sonderausstellung.

Fritz Mackensen

26.06.-16.10.2016
Overbeck-Museum
Zum 150. Geburtstag des Künstlers zeigt das Museum eine Schau von Fritz Mackensen.

Oh Yeah! Popmusik in Deutschland

30.09.2016-16.07.2017
Focke-Museum
80 Jahre Popgeschichte, die man gehört haben muss.

Vincent Barré. Géométrie bâ(s)tarde

02.10.2016-29.01.2017
Gerhard-Marcks-Haus
Neueröffnung des Gerhard-Marcks-Hauses mit der Ausstellung von Vincent Barré.

Emil Nolde trifft Paula Modersohn-Becker

09.10.2016-29.01.2017
Museen Böttcherstraße
Die Kunstsammlung Böttcherstraße widmet dem Maler Emil Nolde eine Ausstellung.

Max Liebermann. Vom Freizeitvergnügen zum modernen Sport.

22.10.2016-26.02.2017
Kunsthalle Bremen
Vom Freizeitvergnügen bis zum modernen Sport: Die Kunsthalle zeigt den Maler Liebermann.

Neueröffnung: Amerika-Ausstellung

Ab 05.11.2016
Übersee-Museum
Die Dauerausstellung zu Amerika zeigt viele neue Exponate.

 

Offene Ateliers und Märkte

 

TAUSENDSCHÖN – Kunst, Kurioses und mehr

09.10.2016
Überseestadt Bremen
Der Markt für Freunde von Kunsthandwerk und handgefertigten schönen Dingen.

Tag der offenen Ateliers im Viertel

29.10.-30.10.2016
Östliche Vorstadt
Die zahlreichen kreativen Werkstätten und Künstlerateliers im Viertel öffnen ihre Türen.

 

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Hier findet ihr alle Beiträge mit dem Hashtag #kunstherbstbremen aus Twitter, Instagram und Google+.

Zeitraum der Story: August-November 2016.

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