Mein Bremen: Der Marktplatz bei Nacht

Ich mag es, im Dunkeln über den Markplatz zu fahren. Da, wo es tagsüber nur so wimmelt von Geschäftsleuten, Touristen und Einkaufenden, kehrt am Abend Ruhe ein. Samt Beleuchtung der Jahrhunderte alten Gemäuer übt das eine erhabene Wirkung auf mich aus.

Ich weiß nicht mehr, wann ich zum ersten Mal mit dem Rad des nachts einmal quer über den Marktplatz fuhr. Aber ich weiß, dass mich die Ruhe und die Beleuchtung schon damals sofort in ihren Bann zogen. Dieser Ort wirkte auf einmal so anders als tagsüber – so ruhig, so gesetzt.

Vertragen sich seit über 500 Jahren - das Rathaus und der Dom.

Vertragen sich seit über 500 Jahren – das Rathaus und der Dom.

Besonders gerne mag ich beim Vorbeifahren die perspektivische Flucht, die entsteht, sobald man einen Blick durch den Arkadengang vorm Rathaus werfen kann. Dann schaut man entweder am Ende noch weit in die Obernstraße hinein oder direkt auf das Eingangsportal des Doms. Beide Richtungen lohnen sich, weil sie eine gewisse Tiefe offenbaren, die mir irgendwie ein gutes Gefühl verschafft. Das Leben – wenn man so will – oder zumindest meine Optik wirkt kurze Zeit ein kleinbisschen dreidimensionaler als ich es im alltäglichen Lauf wahrnehme. Es ist vergleichbar mit dem Gefühl, das man hat, wenn man nach einer dicken Erkältung das erste Mal wieder etwas schmeckt. Da ist dann auch eine Intensität im Spiel, die sonst nicht vorhanden ist.

Perspektive: Weit in die Obernstraße hinein schaut man durch den Arkadengang vorm Rathaus.

Perspektive: Weit in die Obernstraße hinein schaut man durch den Arkadengang vorm Rathaus.

Schön, schöner, am schönsten: Jeder Blickwinkel offenbart die ganze historische Pracht.

Schön, schöner, am schönsten: Jeder Blickwinkel offenbart die ganze historische Pracht.

Der Dom wirkt ja allein aufgrund seiner Höhe schon erhaben. Wenn dann nachts so gekonnt durch Licht und Schatten die Fassade umso plastischer hervorsticht, ist auch das schön anzusehen. Dasselbe gilt für das Rathaus – und gleichzeitig, so stelle ich beim genaueren Hinsehen fest, verzichtet man auf Pathos – das gebietet dem Bremer vielleicht die hanseatische Zurückhaltung.

Nachts noch plastischer - die Domfassade in ihrem nächtlichen Antlitz.

Nachts noch plastischer – die Domfassade in ihrem nächtlichen Antlitz.

Ob mit oder ohne Schnee - gute Beleuchtung ist die halbe Miete

Ob mit oder ohne Schnee – gute Beleuchtung ist die halbe Miete

Was ich damit sagen will: Der Marktplatz könnte des nachts womöglich sogar noch atemberaubender in Szene gesetzt werden, aber ob er dann noch so schön erscheinen würde – da bin ich mir nicht so sicher. Von Zeit zu Zeit kreuze ich im Dunkeln ziemlich gerne die „gute Stube“ Bremens – auch, wenn gerade Schnee gefallen ist.

Gesamtensemble - nicht zum Sattsehen.

Gesamtensemble – nicht zum Sattsehen.

Rundumblick: In jede Richtung recht ansehnlich - der Marktplatz bei Nacht.

Rundumblick: In jede Richtung recht ansehnlich – der Marktplatz bei Nacht.

Wahrscheinlich aus derselben Faszination vom nächtlichen Bremer Marktplatz werden übrigens regelmäßig Nachtwächterführungen angeboten, auf denen den Besucherinnen und Besuchern geschichtliches Wissen im altertümlichen Stil vermittelt wird.

5 Anmerkungen zu “Mein Bremen: Der Marktplatz bei Nacht

  1. Martina Ziesing says:

    Schöner Beitrag! Kann ich gut nachvollziehen. Für mich ist der Marktplatz abends magisch!

  2. Kurt Pötschke sen. says:

    Das ist ein sehr schöner Beitrag und ich habe ihn genossen. Mit dem ehemaligen Bremer Hostessendienst, einer durch meine Frau 1969 initiierten Organisation, auf die das ganze heutige Stadtführerwesen zurückgeht, konnte ich für meine Heimatstadt Tausende von Rathausführungen organisieren. 29 Jahre lang führten wir die amtliche Rathausführung, die einzige Führung, die als Dauereinrichtung dieser Art vom Senat in Auftrag gegeben wurde, durch, abgesehen von vielen deutsch- und fremdsprachigen Rathausführungen.
    Über die weitere umfangreiche Tourismusbetreuung und Stadtwerbung in einer Zeit, in der die Stadt noch über mehr Mittel verfügte, zu sprechen ist hier nicht der Platz. Im Staatsarchiv finden sich für jeden Interessenten drei dicke Foliobände, die die jahrzehntelange Geschichte des Bremer Hostessendienstes widerspiegeln.

  3. Rike Oehlerking says:

    Danke für den Hinweis und den Einblick :-)

  4. Erwin Marquard says:

    Sehr interessanter Beitrag. Macht Lust, sich das mal selbst im Dunkeln anzusehen.
    Die Beleuchtung/Anstrahlung der historischen Gebäude ist bis zu welcher Uhrzeit gegeben?

  5. Rike Oehlerking says:

    Lieber Erwin Marquard, sobald es dunkel ist, dürften Sie auf dem Marktplatz die stimmungsvolle Beleuchtung bestaunen können. Bis wann die Gebäude beleuchtet werden, kann ich Ihnen leider nicht sagen. Ich hab damals nicht so lange ausgeharrt, bis die Lichter ausgingen ;-) Ist aber sicherlich eine spannende Frage. Wenn Sie die Antwort finden, schreiben Sie uns gerne. Lieben Gruß und viel Spaß beim Bestaunen :-)

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