Mein Bremen: Die Binnendüne

Wie? Dünen gibt’s nur am Meer und in der Wüste? Von wegen. Eine steht nämlich direkt bei uns hinterm Haus, in Bremen-Blumenthal. Und die ist nicht nur aus Sand, sondern zumeist ganz schön grün. Hier gibt es bronzezeitliche Urnengräber, jeden Morgen sehe ich Rehe, es wachsen hier jede Menge schützenswerte Pflanzen und sogar ein Eisvogel ist schon an mir vorbeigeflattert. Und auch wenn ihr nicht hier wohnt, lohnt sich das Areal allemal für einen Ausflug.

Ein Kleinod am Rande von Blumenthal - Landesgrenze Schwanewede - die Binnendüne

Ein Kleinod am Rande von Blumenthal – Landesgrenze Schwanewede – die Binnendüne

Wie ich inzwischen herausgefunden habe, sind Binnendünen Flugsandfelder, die sich schon in der Eiszeit, also vor über 10.000 Jahren gebildet haben. Neben sehr alten Baumbeständen sind hier Seggengrasfelder, sowie Hecken- und Grabenbiotope und ein Quellbereich zu finden. Außerdem ist hier ist eine vielfältige Flora und Fauna beheimatet. In der Mitte des Geländes befindet sich die etwa acht Meter hohe Erhebung der Binnendüne, die auch als `Wölpscher Berg´ bekannt ist. Der knapp einen Hektar große Bereich selbst ist eine kartierte geologische Besonderheit und steht unter Landschafts- und Grabungsschutz. Denn bereits vor über 3.000 Jahren lebten hier Menschen. Besonders der markante Rücken der Binnendüne faszinierte sie so sehr, dass sie hier ihre Verstorbenen in Urnengräbern bestatteten. Diverse Funde aus der Jungstein- und Bronzezeit zeugen vom Leben der Siedler.

Funde aus der Frühsteinzeit - neben Axtblättern und Klingen fanden Archäologen hier auch schon diverse Urnen aus der Bronzezeit

Funde aus der Frühsteinzeit – neben Axtblättern und Klingen fanden Archäologen hier auch schon diverse Urnen aus der Bronzezeit

Deshalb gingen die Bürger der Umgebung vor zehn Jahren auch auf die Barrikaden und gründeten eine Aktionsgemeinschaft, als es hieß, der gesamte Bereich solle großflächig mit Häusern bebaut werden. Der Protest war erfolgreich. Inzwischen soll das gesamte Umland, nicht nur die Binnendüne, laut Koalitionsvertrag zum Landschaftsschutzgebiet erklärt werden. Die Parteien streiten derzeit noch um eine schmale Randbebauung. Gerade verkündete die Bremische Landesarchäologin Dr. Uta Halle, dass im Sommer 2016 eine Gruppe von Hamburger Studenten das gesamte Gebiet geomagnetisch untersuchen werden. Sollten hierbei weitere Reste einer Siedlung oder ähnliches gefunden werden, könnte das Areal sogar unter Denkmalschutz gestellt werden.

Rehe, Weinbergschnecken, Bienen und viele mehr - die Binnendüne in Blumenthal bietet einer Vielzahl von Tieren ein Zuhause

Rehe, Weinbergschnecken, Bienen und viele mehr – die Binnendüne in Blumenthal bietet einer Vielzahl von Tieren ein Zuhause

Wer mehr über das Thema Binnendüne, über bronzezeitliche Urnen oder Bestattungsriten erfahren möchte, nutzt den Erlebniswanderpfad. Rings um das Areal hat die Aktionsgemeinschaft Binnendüne sechs Infotafeln aufgestellt, die viele spannende Tipps geben und über Historisches berichten. Die Strecke eignet sich übrigens auch gut für eine kleine Fahrradtour.

Sechs Bildtafeln entlang des Endeckerpfades erklären die Hintergründe zu Flora, Fauna und archäologischen Funden

Sechs Bildtafeln entlang des Endeckerpfades erklären die Hintergründe zu Flora, Fauna und archäologischen Funden

Ach ja, für Golffans: Direkt angrenzend an die Binnendüne liegt der Golfplatz Bremer Schweiz, sehr idyllisch. Und das Restaurant Teetime ist nicht nur für Mitglieder zugänglich sondern freut sich über regen Besuch von Spaziergängern und Radtouristen.

Das Teetime am Golfplatz "Bremer Schweiz" liegt direkt neben der Binnendüne und lädt ein zum Kaffesieren

Das Teetime am Golfplatz „Bremer Schweiz“ liegt direkt neben der Binnendüne und lädt ein zum Kaffesieren

Idylle an der Binnendüne

Idylle an der Binnendüne

5 Anmerkungen zu “Mein Bremen: Die Binnendüne

  1. Michael Seegelcken-Kuhn says:

    Das ist wirklich ein sehr schöner Flecken unsere Stadt!
    Schade, dass wir in der Vergangenheit schon so viele dieser Orte im Bremer Land verlieren mußen!
    Toll wenn sich jemand auf diese Art für ein solches Plätzchen einsetzt!
    Hoffentlich fühlen sich ordentlich viele Interessierte motiviert und unternehmen einen Abstecher in diese Gegend…
    Infos zur Binnendüne, zum Areal umzu und die Themen der Aktionsgemeinschaft Binnendüne gibt`s zu Hauf unter: http://www.ag-binnenduene.de
    MSK

  2. oks says:

    Ein wirklich schönes Stückchen Blumenthal. Auch, oder gerade weil dieser Ortsteil – meiner Ansicht nach zu Unrecht – ein überwiegend negatives Image hat, ist es umso wichtiger zu zeigen, was Blumenthal zu bieten hat.

    Neben vielen anderen Dingen, wie den Eis- und den Katzenpol oder wie unser We-serufer, das meines Wissens im Vergleich zu den anderen Stadtteilen das längste Bremens ist, hat Blumenthal eben die Binnendüne mit dem umliegenden Areal.

    Hier sind nicht nur unzählige „Rote-Liste-Tiere“ und „-Pflanzen“ nachweislich vorhanden. Hier ist auch eine außergewöhnlich gut erhaltene, ca. 10.000 Jahre alte Binnendüne, die zudem inmitten einer bronzezeitlichen Siedlung gelegen haben muss. Die Ausdehnung der Siedlung ist bis dato nicht bekannt. Fragmente eines Hauses wurde aber in einiger Entfernung auf dem Golfplatz gefunden. Man kann also davon ausgehen, dass nicht nur in der unmittelbaren Nähe gesiedelt wurde.

    Eine kulturhistorische Stätte, die es unbedingt zu erhalten gilt. Eine geomorphologi-sche Bewertung dieses Areals vom Dipl.-Geographen Dr. Matthias Alisch unter http://www.ag-binnendüne.de (Menüpunkt „Wissen“) ist zu finden.

  3. Bothe says:

    Bauen und Flächen versiegeln ist heutzutage keine Kunst und geht sehr schnell.
    Würden sich nicht ehrenamtlich Bürger wie z.B. die Mitstreiter der Aktionsgemeinschaft Binnendüne http://www.ag-binnenduene.de für den Erhalt und den dauerhaften Schutz der Binnendüne und des umliegenden Areals einsetzen, würde gesamte Biotop sowie die Tierwelt dort für immer unter Beton verschwinden.

  4. Urmel says:

    Ein toller Artikel! Ich liebe es beim Spazierengehen und Joggen zur Düne hinüberzuschauen. Ich hoffe die Sicht bleibt weiterhin so. In der Stadt wohnen und doch die Natur in nächster Nähe. Danke an die Binnendünler für Euren Einsatz!

  5. Urmel says:

    Nachtrag: Dazu passt auch der Beitrag von „markt“:

    Dur immer mehr Bebauung verschwinden immer mehr Insekten.

Kommentieren

Ihre E-Mail wird nicht veröffentlicht. Notwendige Felder sind markiert *