Schatz an der Schlachte

An der Bremer Schlachte befindet sich ein Schatz, den nicht jeder auf Anhieb erkennt. Es ist die restaurierte Yacht eines der reichsten Männer der Belle Epoque, Edward T. Stotesbury. Die Geschichte ist eine voller Dekadenz, aus einer anderen Zeit und Welt. Ich nehme euch mit, auf eine kleine Reise …

Die Geschichte der NEDEVA

Als Georg Papp, der Eigner und Betreiber der Yacht, mich an der Schlachte empfängt um etwas über dieses wunderbare Schiff zu erzählen denke ich noch, die Story wäre in einer halben Stunde erzählt. Ein Irrtum, wie sich herausstellt. Lebendig und informativ wird mir viel über den damaligen Besitzer Stotesbury und sein Leben berichtet. Ein Leben im Luxus, für mich unvorstellbar. Mit vielen bedeutenden und reichen Menschen, die ihn umgaben, und noch mehr Partys.

Georg Papp zeigt alte Aufnahmen der High Society. Eva Stotesbury trägt eine Kette aus dem spanischen Königshaus.

Georg Papp zeigt alte Aufnahmen der High Society. Eva Stotesbury trägt eine Kette aus dem spanischen Königshaus.

Nach den wichtigsten Personen in seinem Umfeld sind auch die Kajüten und Salons benannt, denn inzwischen kann man sich auch einmieten ohne Millionen auf dem Konto zu haben. Die Geschichte gibt es für jeden Gast gratis dazu. Hier meine 3 Minuten-Variante:

Die Motoryacht NEDEVA wurde 1930 gebaut. Edward T. Stotesbury wünschte sich eine Yacht, mit der er zwischen seinen drei eindrucksvollen Anwesen pendeln konnte. Seine Frau Eva bevorzugte für diese Wege die private Eisenbahn. Hm, aber ich finde mein Fahrrad eigentlich auch nicht schlecht. Apropos Eva: Diese High Society-Lady allererster Güte hat mit ihrem Mann legendäre Feste gegeben, manchmal mit 1.000 Gästen. Ihr Schmuck war teurer als der von der Queen, die sie natürlich persönlich traf, was sonst. Das größte Anwesen war Whitemarsh Hall, das damals größte und eleganteste Privatanwesen der USA mit 150 Zimmern. Es war wohl auch dort, wo es einen separaten Raum für die Eisproduktion gab. Wer wird da nicht neidisch!? Ach ja, einen privaten Zoo gab es natürlich auch.

Die Nedeva vor Stotebury's Anwesen, später mit Flugzeugrfacht, früher mit schickem Salon und heute an der Schlachte

Die Nedeva vor Stotesbury’s Anwesen, später mit Flugzeugfracht, früher mit schickem Salon und heute an der Schlachte

Stotesbury kannte (fast) alle: den amerikanischen Präsidenten, Europas Königinnen und Könige sowie Unternehmer aus aller Herren Länder. „Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie reiche Leute leben.“ Das sagte kein geringerer als Henry Ford.

James H.R. Cromwell (US-Botschafter in Kanada) war Evas Sohn aus erster Ehe, und vermählt mit Delphine Dodge. Ja, genau, der Vater hatte was mit Autos zu tun. Auf Delphine folgte Ehefrau Nummer 2, Doris Duke, das „Million-Dollar-Baby“. Der Vater gründete „American Tobacco“. Barbara Hutton wiederum wurde „The poor little rich girl“ genannt. Ihr Vater vermachte ihr die Kaufhauskette Woolworth. Das arme reiche und wohl sehr arrogante Mädchen war eine enge Freundin von Doris Duke und Eva Stotesbury. So viel zur Klatsch-Kolumne über reiche Töchter.

Die Nedeva auf der Weser, mitten in der City

Die Nedeva auf der Weser, mitten in der City

Die Yacht NEDEVA ist die einzige aus der Epoche, die sich noch in Europa befindet. Weltweit gibt es nur noch vier. Ja, die Zahl 4 ist bedeutend: 4 Yachten dieser Art gibt es noch, 4 Jahre dauerte die Restaurierung, 40.000 Arbeitsstunden wurden aufgewendet. Und die haben sich gelohnt. Solange keine Junggesellenabschiede an der Schlachte lautstark gefeiert werden meint man, einen Hauch der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderst spüren zu können. Selbst die Hintergrundmusik auf der Yacht stimmt. Theoretisch können diejenigen, die sich beim Junggesellenabschied noch albern anziehen und lustige Spiele machen, kurz darauf auf der NEDEVA heiraten. Dann aber bitte mit ganz viel Stil.

Exklusive Ausstattung und bester Weser- und Schlachte-Blick

Exklusive Ausstattung und bester Weser- und Schlachte-Blick

Events der besonderen Art

Neben Hochzeiten finden heute auf der Yacht vor allem Veranstaltungen statt. Klein, aber sehr fein. Von dekadenten Gatsby-Parties bis zu harten geschäftlichen Verhandlungen. Bei 37 Gästen ist aber Schluss, maximal 12 Personen können danach auch gleich dort übernachten. Dann muss man sich allerdings sehr mögen, man schläft teilweise „drunter und drüber“ … Aber so ging es bei den Partys der Stotesbury wohl auch zu.

Auf der Nedeva kann man wunderbar übernachten

Auf der Nedeva kann man wunderbar übernachten

Mich hat die Liebe zum Detail besonders beeindruckt. So viel wie möglich wurde original erhalten, die Materialien passen auch bei Nachbauten in die Zeit, man spürt die lange Geschichte der Yacht. Die Yacht ist nicht groß, die Treppen schmal und steil, eine intime und gemütliche Umgebung bewirkt dass man sich wohl fühlt. Zum Wohlfühlen gibt es übrigens einen ganz besonderen Ort: Die Badewanne war praktisch zuerst da und wurde umbaut. Hier lässt sich auch das letzte Gefühl für Zeit vergessen.

Wellness auf dem Schiff mit Armaturen vom Feinsten

Wellness auf dem Schiff mit Armaturen vom Feinsten

Auf dem Weg vom Schiff, während ich noch von vergangenen Zeiten und einem prall gefüllten Konto träumte, haben mich dann noch diese hübschen Möwen verabschiedet. Good bye, see you soon!

Good bye, liebe Möwen

Good bye, liebe Möwen

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