Handfeste Sache: Bremer Kreativprodukte unter einem Dach

Wer gerne mal in Bremens Palette handgemachter Produkte stöbern möchte, sollte der Nur Manufaktur im citylab einen Besuch abstatten. Das Geschäft von Vanessa Just versammelt eine ganze Ladung Kreativität. Ich hab ganz schön gestaunt über die Bandbreite, die in der Hansestadt inzwischen per Hand produziert wird.

Vanessas Humor erreicht mich schon, bevor ich die junge Geschäftsinhaberin überhaupt kennenlerne. Beim Besuch ihrer Website klicke ich gewohntermaßen auf die Unterseite Über uns, um herauszufinden, mit wem ich es bei meinem nächsten Interview überhaupt zu tun habe. Das „Nur Manufaktur“-Team scheint sich – so entnehme ich der Unterseite – in vier Bereiche aufzuteilen. Die „Strippenzieherin“ (Technik), die „Feinschmeckerin“ (Produkte), die „Packrakete“ (Vertrieb) und der „Smombie“ (Kommunikation) werden hier mit kleinen Bildern und kurzen Texten vorgestellt. Beim genaueren Hinschauen fällt mir allerdings auf, dass alle Positionen von derselben Person eingenommen werden. Nämlich: Vanessa. Mindestens vier Aufgabenbereiche in einer Person? Das muss man wohl mit Humor nehmen.

Mutiges Mädchen: Vanessa hat es gewagt und macht nicht den Eindruck, als wenn sie es bereut.

Mutiges Mädchen: Vanessa hat es gewagt und macht nicht den Eindruck, als wenn sie es bereut.

Mit Mut und Humor voran

Humor und Lockerheit werden bei meinem Besuch im Laden der Nur Manufaktur bestätigt. Vanessa, 27 Jahre, begrüßt mich strahlend und erzählt lebendig, wie es eigentlich zu der Idee für ihren Laden kam. Wo in der Regel nach offline online folgt, ging Vanessa Just den Weg andersherum. Sie eröffnete 2015 ihren eigenen Online-Shop, in dem sie handgefertigte Produkte aus ganz Deutschland anbot. „Weil ich vorher schon bei einem Lebensmittel-Online-Shop gearbeitet hab, lag mein Schwerpunkt auch bei meinem eigenen Shop auf Lebensmitteln“, erzählt sie. Als sie von dem citylab-Plan der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) erfuhr, sah sie sich vor allem als Schnittstelle geeignet, um Kreative zu vermitteln. Doch die WFB hatte schnell mehr mit ihr vor. „Sie kamen mit dem Vorschlag, selbst ein Geschäft zu eröffnen“, erinnert sich Vanessa. „Ich hatte das irgendwann mal für die ferne Zukunft geplant, aber die Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen.“

Für alle etwas dabei - die Vielfalt ist beeindruckend.

Für alle etwas dabei – die Vielfalt ist beeindruckend.

Exkurs: Lloydhof

Lange stand der Lloydhof in der Innenstadt nahezu ungenutzt und leer. Im vergangenen Jahr kam mit der Eröffnung des citylab der WFB frischer Wind in die Passage. Wie der Name schon verrät, entstand eine Art Versuchslabor für junge Unternehmen und Pop-up-Läden. Von der Beauty-Lounge über Cafés und Bistros, über Kunsthandwerkergeschäfte und einem Fotogeschäft, bis Bekleidungs- sowie Weinläden ist hier für Bummler allerhand zu finden. Und der einst so einsame Lloydhof wird dadurch neu belebt.

"Hereinspaziert" - das citylab lädt seit 2016 zum Stöbern ein.

„Hereinspaziert“ – das citylab lädt seit 2016 zum Stöbern und Bummeln ein.

Bremens alternativer Souvenir-Laden

Vanessa eröffnete nach dem Vorschlag der WFB kurzerhand ihr Offline-Geschäft. Hier verkauft die BWL-Marketing-Masterabsolventin nun seit über einem Jahr vor allem Handgemachtes aus Bremen. Das ist anders als in ihrem Online-Shop, wo es Produkte aus dem ganze Land zu kaufen gibt. „Es lag einfach nahe, im Offline-Laden den Schwerpunkt auf lokale Produkte zu setzen“, erklärt Vanessa. Und sie fährt schon ganz gut mit ihrem „Alternativen Souvenirgeschäft“. Nach einiger Zeit zog sie innerhalb des citylab in einen größeren Laden um. Hier lässt es sich in Ruhe stöbern. Lustige Schildchen zeigen den Kunden die einzelnen „Abteilungen“: Unter „Bagstage“ finden sich Taschen, unter „Stoffmarkt“ nicht etwa Textilien sondern alkoholische Getränke, unter „No corner“ eben irgendwie alles, was sich nicht eindeutig einer Abteilung zuordnen lässt. Vanessas Humor ist wie eine Handschrift überall zu finden. Die Nur Manufaktur ist eindeutig ihr Produkt.

Im "Stoffmarkt" gibt es Weiches und Hartes - allerdings ist nichts davon aus Textilien.

Im „Stoffmarkt“ gibt es Weiches und Hartes – allerdings ist nichts davon aus Textilien.

Online-Shop im Offline-Format. Im Laden sind alle Produkte zu bekommen, die man bei Vanessa auch online bestellen kann.

Online-Shop im Offline-Format. Im Laden sind alle Produkte zu bekommen, die man bei Vanessa auch online bestellen kann.

Bagstage - die Taschenabteilung mit zahlreichen Unikaten.

Bagstage – die Taschenabteilung mit zahlreichen Unikaten.

Vielfalt, die beeindruckt

Beim Gang entlang der Regale und Ausstellungstische staune ich vor allem über die Vielfalt. Vanessa sagt, sie habe inzwischen wohl an die 500 verschiedenen Produkte in ihrem Sortiment. Viele davon sind Lebensmittel, einige kenne ich bereits. Das leckere Popcorn von GoldCorn zum Beispiel, den Reis von Reishunger und auch die Craft-Biere wie Ahoi 69 und Hopfenfänger sind mir alle ein Begriff. Ich entdecke aber auch neue Sachen: Die Gewürznuss ist wohl gerade der Renner, wie Vanessa erzählt. Und der Nork vereint als edler Tropfen laut eigenem Slogan Hamburg und Bremen am Tresen. Auch Taschen, Postkarten, bedrucktes Papier und Textilien, Kinderklamotten und Bücher der Bremer Künstlerin Isa Fischer finde ich. In einen Ecke sind Uhren aus Holz von Stadtholz ausgestellt. Nicht schlecht, die Bandbreite.

Vom Korn zur Knastkonfitüre: Schlemmer würden wahrscheinlich gerne gleich einmal alles mitnehmen.

Vom Korn zur Knastkonfitüre: Schlemmer würden wahrscheinlich gerne gleich einmal alles mitnehmen.

Auch "Nicht Essbares" aus Bremen gibt es. Wer auf der Suche nach einem guten Geschenk ist, sollte vorbeikommen.

Auch „Nicht Essbares“ aus Bremen gibt es. Wer auf der Suche nach einem guten Geschenk ist, sollte vorbeikommen.

Motto: Einfach machen

Hinter all diesen Produkten stehen Menschen, die eine Idee hatten und sie umgesetzt haben. Letzteres beeindruckt mich sehr. Denn Ideen hab ich auch viele, aber zur Umsetzung kommt es selten. Ich finde es sehr bewundernswert, wenn man den Mut aufbringt, eine Idee einfach mal umzusetzen. Was hat man schon zu verlieren? Eins ist sicher: Das Internet ermöglicht vielen Kleinproduzenten eine größere Reichweite. Da hat Vanessa einen guten Ansatz mit ihrem Online-Shop. Aber auch in ihrem Offline-Geschäft sieht sie sich als Schnittstelle. „Ich biete im Grunde ja auch Dienstleistungen wie zum Beispiel die Vermarktung der Produkte an“, erklärt sie. „Da haben viele der Produzierenden gar keine Lust zu.“

Bremens alternative Souvenirladen: Auch in Zukunft bestimmt irgendwo in der Stadt zu finden.

Bremens alternative Souvenirladen: Auch in Zukunft bestimmt irgendwo in der Stadt zu finden.

Weiter geht‘s

Das citylab läuft noch bis Mitte 2018. So lange hat auch Vanessa ihren Laden hier noch. Sie kann sich gut vorstellen, auch im Anschluss ein Offline-Geschäft weiterzuführen. „Gerne wieder in der Innenstadt oder in der Neustadt“, überlegt sie. Aber sie möchte sich auch wieder mehr auf Marketing und den Online-Shop konzentrieren. Daher hat sie gerade ihre Mutter eingestellt, die sie im Verkauf unterstützt. Ihre klaren Vorstellungen haben sie bis hierher gebracht und ich bin mir sicher, dass sie sie auch noch deutlich weiterbringen. Beim Verlassen der Nur Manufaktur wird mir klar: Das „Nur“ ist in diesem Fall keine Einschränkung, sondern eine echte Erweiterung. Hier gibt es deutlich mehr zu bekommen als „nur“ handgemachte Produkte.

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