Theater ganz privat

Die kulturelle Landschaft einer Stadt lebt unter anderem von ihrer Theaterszene. Die ist in Bremen ausgeprägter als man zunächst meinen mag. Neben den großen Häusern gibt es nämlich zahlreiche kleine Privattheater mit fester Spielstätte, die sich im letzten Jahr zu einer Interessengemeinschaft verbunden haben. Ich hab einige besucht und mit den Initiatoren über den Verbund gesprochen.

Acht Privattheater sind es, die sich zu jenem Bund der „Bremer Privattheater“ zusammen getan haben. Das Theater Worpswede, das FRITZ Theater, das Theaterschiff Bremen, das Packhaustheater im Schnoor, das bremer kriminal theater, das WEYHER THEATER, das Schnürschuh Theater und das HafenRevueTheater. Größe und Ausrichtung variieren, aber eines haben sie alle gemein: Sie sind rein privat geführt. Insgesamt – so lässt mich der gemeinsame Flyer wissen – verfügen die „Bremer Privattheater“ über 1.609 Plätze, zeigen fast 1.700 Vorstellungen pro Saison und haben mehr als 280.000 Besucherinnen und Besucher im Jahr. Ziemlich beeindruckende Zahlen.

Krimi in Walle

Ich besuche Perdita Krämer und Ralf Knapp vom bremer kriminal theater (bkt) in ihrem „Büro des Grauens“ – so nennt Perdita den großen Raum im hinteren Teil der Unionsbrauerei in Walle, in dem sich zwischen Umzugskartons, Garderobenutensilien, Bücherregalen und allerlei Theaterrequisiten auch zwei Schreibtische verstecken. Das bkt ist vor zwei Monaten umgezogen und das sieht man der neuen Spielstätte auch noch an. Ich finde, dass das in der Aufgeräumtheit des kernsanierten und modern ausgebauten Altbaus einen sehr sympathischen Charme hat. Wir sprechen über Einrichtungspläne, über die Definition von privaten und freien Theatern und über die Ziele des Verbunds.

Hinter der Bühne, oben unterm Dach und unten im Büro werden all die Requisiten gelagert, die zu den 22 Stücken gehören

Hinter der Bühne, oben unterm Dach und unten im Büro werden all die Requisiten gelagert, die zu den 22 Stücken gehören

Dann nimmt mich Perdita mit auf einen Rundgang. Wir nehmen die hintere Tür im Büroraum und gelangen über eine Treppe in eine der oberen Etagen, wieder geht es durch eine Tür und auf einmal finde ich mich mitten auf der Bühne wieder. Vor mir liegt der Zuschauerraum samt großer Tribüne, die sich bis unter die alten Holzbalken des Dachstuhls der Brauerei erstreckt. Ein ziemlich imposanter Raum, der jetzt am Tag durch das eintretende Sonnenlicht geradezu glüht. Wir laufen einmal durch den Backstage-Bereich an der linken und hinteren Bühnenseite und gehen schließlich in den Empfangs- und Garderobenbereich. Perdita betont, dass sich vieles erst noch finden muss. „Die Wege des Publikums sind noch nicht ganz klar“, erklärt sie. „Wo halten sie sich während der Pause eher auf, an welcher Stelle machen wir den Einlass und so weiter.“ Von dem Einlassraum, wo auch eine Bar untergebracht ist, gelangen wir über eine weitere Treppe schließlich wieder auf die Büroebene.

Kooperation statt Konfrontation

Ich treffe mich mit Ulli Möllmann vom HafenRevueTheater und spreche mit ihm nochmal über die Ziele des Verbunds. Er ist Initiator des Verbunds der „Bremer Privattheater“, den es seit etwa zwei Jahren gibt. „Der Kern meiner Idee war damals, dass man einfach mehr erreicht, wenn man sich zusammen tut“, erklärt er. „Wir haben auf diesem Wege auch eine größere Öffentlichkeitswirkung, zum Beispiel über einen gemeinsamen Flyer und Aufsteller in allen Theatern.“ Auch gegenüber der Politik habe man im Verbund letztlich eine stärkere Stimme. Generell sei er davon überzeugt, dass Konkurrenz weniger bringe als Kooperation. Mit diesem Gedanken konnte er die anderen Privattheater gewinnen. „Einiges wie der Flyer wurde ja schon umgesetzt“, erzählt Ulli. Anderes stünde als Idee im Raum und ginge so langsam in die konkretere Planung – wie zum Beispiel ein Theaterfestival im Sommer. Da bin ich schon sehr gespannt drauf.

HafenRevueTheater

Seit 2013 führt Ulli gemeinsam mit seiner Partnerin Claudia Geerken das Theater. Im Zentrum des kleinsten und das jüngsten Hauses im Verbund steht, wie der Name schon erahnen lässt, die Revue – genauer gesagt: die Hafenrevue. Das Publikum wird entführt in den Hafen Bremens der 1950er Jahre. 90 Gäste finden im Bühnenraum der alten Stauerei in der Cuxhavener Straße Platz.

Im Hafen (wo sonst?) liegt das HafenRevueTheater

Im Hafen (wo sonst?) liegt das HafenRevueTheater

bremer kriminal theater

Der Name verrät es schon: Hier dreht sich alles um Krimis. Seit 2010 ergänzt das bremer kriminal theater mit seinen Kriminalstücken die Bremer Theaterlandschaft. Erst ohne feste Spielstätte, dann fünf Jahre in der Friesenstraße im Viertel und jetzt neuerdings in Walle im Union-Brauereigebäude mit 180 Plätzen hat das bkt bisher 22 Inszenierungen im Repertoire, die von Grusel bis Humor …

Das neue "Zuhause" vom bremer kriminal theater

Das neue „Zuhause“ vom bremer kriminal theater

FRITZ Theater

2010 eröffnete das FRITZ Theater in einem leerstehendem Kino am Herdentorsteinweg in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Varieté in Gedenken an das große Astoria von Emil Fritz wird hier seitdem geboten. Comedy, Tanz, Konzerte und Musicals laufen auf der großen Bühne. In dem imposanten Publikumsraum finden 375 Gäste Platz.

Das FRITZ Theater trägt seinen Namen in Gedenken an Emil Fritz, der einst das große Astoria gründete (Fotos: FRITZ Theater)

Das FRITZ Theater trägt seinen Namen in Gedenken an Emil Fritz, der einst das große Astoria gründete (Fotos: FRITZ Theater)

Schnürschuh Theaterhaus

Das Schnürschuh Theater in der Neustadt hat in Bremen eine lange Tradition. 1976 wurde es gegründet und Mitte der 90er Jahre zog es schließlich in seine heutige Spielstätte am Buntentorsteinweg. Das Theater begreift sich selbst als „Botschafter für Toleranz und Mut“ und zeigt in diesem Rahmen tagsüber Kinder- und Jugendaufführungen zum Thema. Abends werden Eigenproduktionen und Gastspiele präsentiert.

Traditionshaus: Das Schnürschuh Theater im Buntentorsteinweg - links der Weser (Fotos: Schnürschuh Theater)

Traditionshaus: Das Schnürschuh Theater im Buntentorsteinweg – links der Weser (Fotos: Schnürschuh Theater)

Theaterschiff Bremen

Ein Theater auf einem Schiff darf in Bremen natürlich nicht fehlen. Seit 2002 liegt es am Fuße der Wilhelm-Kaisen-Brücke an Anleger 4. Der Eigentümer ist Knut Schakinnis, der deutschlandweit mehrere Theater eröffnet hat. Die Produktionen auf dem Theaterschiff stehen ganz im Zeichen des Unterhaltungstheaters. Es wird also in beiden Sälen, die das Schiff beherbergt, viel gelacht. „Jazz on board“ und Gastspiele sind ebenfalls regelmäßig im Programm zu finden.

Ein schwimmendes Theater - auf dem Schiff gibt es zwei Säle, eine Bar und Garderoben, Backstage-Bereiche und Technikraum

Ein schwimmendes Theater – auf dem Schiff gibt es zwei Säle, eine Bar und Garderoben, Backstage-Bereiche und Technikraum

Packhaustheater im Schnoor

Der schon erwähnte Knut Schakinnis übernahm 2012 auch das Packhaustheater, nachdem die städtische Förderung für das Haus ausgelaufen war. Das Theater blickt auf eine über 30-jährige Tradition und bezeichnet sich selbst als das „traditionsreichste Komödienhaus“ der Stadt. Ähnlich wie auf dem Theaterschiff geht es also auch hier ziemlich heiter zu – und das schon seit über drei Jahrzehnten.

Im Schnoor-Viertel fand einst das Packhaustheater seine Spielstätte und hat sie bis heute

Im Schnoor-Viertel fand einst das Packhaustheater seine Spielstätte und hat sie bis heute

Theater Worpswede im Kunstcentrum Alte Molkerei

Das Theater in Worpswede macht das Schakinnis-Trio im Raum Bremen perfekt. Wie auch in den anderen Häusern steht hier das humoristische Unterhaltungstheater im Mittelpunkt. Das Theater ist im Kunstcentrum Alte Molkerei angesiedelt und hat Platz für 106 Gäste.

Das Theater Worpswede ist im Kunstcentrum Alte Molkerei untergebracht (Fotos: Theater Worpswede)

Das Theater Worpswede ist im Kunstcentrum Alte Molkerei untergebracht (Fotos: Theater Worpswede)

Weyher Theater

Auch im Weyher Theater ist Lachen das oberste Ziel. Boulevard-Komödien, Musik-Shows und Weihnachtmärchen gehören zum festen Repertoire. Es ist eine feste Institution vor den Toren Bremens, die sowohl Zuschauer aus dem Bremer Umland aber auch aus der Stadt anzieht. Hier finden 313 Gäste Platz.

Der Verbund der "Bremer Privattheater" hat einen eigenen Flyer und in jedem Haus einen Aufsteller mit Infomaterial zu den anderen Häusern

Der Verbund der „Bremer Privattheater“ hat einen eigenen Flyer und in jedem Haus einen Aufsteller mit Infomaterial zu den anderen Häusern

Nachdem ich mir angeschaut habe, wie die einzelnen Theater ausgerichtet sind, kann ich den Gedanken mit der Kooperation statt Konkurrenz noch besser nachvollziehen. So ein Verbund kann eigentlich für die einzelnen Häuser nur bereichernd sein. Ich zumindest werde mit Sicherheit demnächst auch mal die Theater besuchen, die ich bisher nur von außen kennen gelernt habe.

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