Mit dem Rad den Fluss entlang: Schlachte, Werder, Übersee

Dass Bremen sich zu einer Fahrradstadt mit ausgezeichnetem Radwegenetz gemausert hat, wissen Bremer sowie Gäste der Stadt spätestens seit der Entstehung der neuen Radkarten, die mit der Blockland-Runde „Kuh, Knipp und Kult“, der Bremen-Nord-Runde „Berg und Wal“ sowie der Bremerhaven-Runde „Fisch und Schipp“ verschiedene Bremer sowie Bremerhavener Areale und Sehenswürdigkeiten mit dem Fahrrad verbinden. Auch der Bremer Stadtweg als Bestandteil des „Grünen Ringes Region Bremen“, einem 800 Kilometer langen Radwegenetz, ist fast jedem Bremer und auch vielen Besuchern der Stadt ein Begriff. Doch dass sich auch das „neue“ alte Hafenrevier der Überseestadt mit dem Rad ausgezeichnet erkunden lässt, war mir persönlich weniger bewusst. Die Überseestadt gilt als eines der größten Bauprojekte Europas, der Wandlungs- und Bauprozess ist noch immer in vollem Gang. Doch was hier bereits entstanden ist, kann sich – bei Fußgängern ebenso wie bei Radfahrern – mehr als sehen lassen. Mit der jüngst entwickelten Radroute „Schlachte, Werder, Übersee“, der neuen Runde entlang der Weser, verbinden sich die grünen Seiten der Stadt mit den bunten und belebten Plätzen von Schlachte und Überseestadt. Die Weser dient als verbindendes Element – wer fährt schließlich nicht am liebsten durchweg entlang eines Flusslaufs?

Die Fähre am Café Sand bringt einen trockenen Fußes direkt zum Strand.

Die Fähre am Café Sand bringt einen trockenen Fußes direkt zum Strand.

Die Weser-Runde erstreckt sich über eine ungefähre Streckenlänge von 29 Kilometern. Entlang der Route warten zahlreiche Cafés mit Biergärten auf, aber auch hübsche Plätze entlang des Weserufers bieten die Möglichkeit, die Picknickdecke auszupacken und eine entspannte Pause einzulegen. Besonders praktisch: Je nach Zeit, Lust oder unbeständiger Wetterlage kann die Route auch verkürzt werden, etwa per Fährfahrt. So beispielsweise schon nach den ersten Metern. Start der Runde ist aber zunächst einmal die Weserpromenade Schlachte. Wer mag, stärkt sich vor der Fahrt in einem der Restaurants oder trinkt ein kühles Bier auf den Sommerterrassen mit Weserblick. Gemütlich geht es dann los in Richtung Südosten entlang des Weserlaufs: Links der Osterdeich, rechts das kühle Nass. Eine erste Abkürzung erwünscht? Dann ab auf die Fähre, die Radfahrer und Fußgänger geradewegs quer über die Weser zum Café Sand führt, wo am Strand Beachvolleyball gespielt oder gebadet werden kann, während das Restaurant verschiedene Speisen und kleine Snacks anbietet. Ich entscheide mich heute allerdings für die ausgedehnte Routenvariante und bleibe auf „dieser“ Seite der Weser.

Hübscher Ausblick auf den kleinen Sportboot-Hafen und den Weserlauf.

Hübscher Ausblick auf den kleinen Sportboot-Hafen und den Weserlauf.

Bevor ich das Weser-Stadion passiere, schaue ich am kleinen Schiffsanleger zu, wie die Sportboote auf den Wellen tanzen. Ein guter Rastplatz, wenn schon jetzt erste Erschöpfung eintreten sollte – oder wenn einfach der herrliche Blick genossen werden will, versteht sich.

Vorbei am Weser-Stadion ist es nicht mehr weit bis zum Weserwehr. Entstanden aufgrund der Weser-Korrektion mit Vertiefung und Begradigung bis hin zur Nordsee, wurde dieses Wehr mit Schleuse vor einigen Jahren erneuert und mit einem modernen Wasserkraftwerk ausgestattet. Über die Brücke lässt sich wunderbar hinwegradeln, auf der anderen Weserseite warten Ruhe und Natur auf der Insel zwischen kleiner und großer Weser: dem Stadtwerder.

Auf dem Weg zum Weserwehr: Streetart und Apfelbäume, Brombeeren am Wegesrand.

Auf dem Weg zum Weserwehr: Streetart und Apfelbäume, Brombeeren am Wegesrand.

Weserwehr von vorne – und von oben.

Weserwehr von vorne – und von oben.

Hier teilen sich Naturschutzgebiet und romantisch-maritime Schrebergärten das Areal und es fühlt sich an wie Urlaub, hier entlangzuradeln. Das Café Sand liegt nun direkt am Wegesrand und lädt zum Sonnenbaden oder Mittagessen ein.

Blick auf den Strand des Café Sand und die gegenüberliegenden Häuser entlang des Osterdeichs.

Blick auf den Strand des Café Sand und die gegenüberliegenden Häuser entlang des Osterdeichs.

Die Umgebung der „Umgedrehten Kommode“, die ich nun passiere und die als Bremens ältester, jedoch mittlerweile ausrangierter Wasserturm bekannt ist, befindet sich im Wandel: Schon bald wird der Wasserturm das Herzstück eines neuen Stadtviertels mit 220 Wohneinheiten darstellen, welches sich hier auf dem Stadtwerder entwickelt. Bereits jetzt ist die Veränderung deutlich erkennbar.

Collage von Aufnahmen der Kommode

Die „umgedrehte Kommode“ als Mittelpunkt der neuen Wohnanlagen.

Über die Wilhelm-Kaisen-Brücke hinweg gelange ich als nächstes zum Teerhof. Hier zog vor über 20 Jahren Europas erstes Sammlermuseum für moderne Kunst ein, das Museum Weserburg. Wer mag, steigt ab und lässt sich inspirieren – ob von moderner Kunst oder dem besonderen architektonischen Charakter dieser kleinen Inselstadt.

Das kleine Wehr am Teerhof Bremen.

Das kleine Wehr am Teerhof Bremen.

Nun geht es geradewegs auf die Stephanibrücke zu, wobei sich auf der linken Seite der Stadtteil  Neustadt mit der bekannten Traditionsbrauerei Beck’s erstreckt. Die Brücke eröffnet einen absolut sehenswerten Ausblick auf den Weserlauf und die Schlachte, als Radfahrer fährt man unterhalb der vorbeirauschenden Autos hinweg.

Radweg an der Stephanibrücke Bremen.

Radweg an der Stephanibrücke Bremen.

Die Vielfalt, die sich in diesem beeindruckenden Stadtentwicklungsprojekt zeigt, in welches ich nun einfahre, ist nicht einfach zu beschreiben – und definitiv einen eigenen Besuch wert, wobei es sich derzeit lohnt, in kurzen Zeitabständen immer mal wieder vorbeizuschauen. Denn auch nach wenigen Wochen entdeckt man immer wieder eine neue Grünanlage, eine neue kulinarische Anlaufstelle, einen weiteren Dienstleister oder einen neuen hübschen Verkaufsladen. Umgebaute Schuppen und Speicher machen das Flair der Überseestadt aus, eine neue Marina bewahrt die maritime Atmosphäre.

Kurze Pause und kleiner Karten-Check am Europahafen.

Kurze Pause und kleiner Karten-Check am Europahafen.

Die Fahrt endet in dieser Richtung am alten Molenturm. Mit Blick auf das große Einkaufszentrum „Waterfront“ muss jetzt eine Entscheidung her: In den Sommermonaten kann jeden Samstag, Sonntag sowie Feiertag halbstündlich zur linken Weserseite zum Anleger Lankenauer Höft (sowie auch zum Pier 2, wo sich die „Waterfront“ befindet) übergesetzt werden, um von dort über Pusdorf den Rückweg anzutreten, der am Weseruferpark vorbei und zurück zur Stephanibrücke führt. Ich entscheide mich jedoch für die zweite Möglichkeit: den Weg quer durch die Überseestadt, wo Hafenmuseum, Hochschule für Künste und die alte Hafenfeuerwache sehenswerte Ausflugsziele bieten. Aber auch für einen frisch gebrühten Kaffee findet sich hier an jeder Ecke eine individuelle Anlaufstelle, wobei das quirlige Treiben der hier ansässigen kreativen Köpfe und Start-Ups beobachtet werden kann. Ein junges Stadtviertel mit spannenden Entwicklungen!

Im Anschluss führt die Route vorbei an der Kulturkirche St. Stephani und schließlich zurück zur Weserpromenade Schlachte. Mit Zwischenstopps und kleinen Pausen sollten mindestens vier Stunden Zeit eingeplant werden, um die gesamte Route mit all ihren Sehenswürdigkeiten entspannt genießen zu können.

Route 2,702,337 – powered by www.bikemap.net

 

Ein Gastbeitrag von Greta Fricke.

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