So schmeckt Bremen

Ja, ich gebe es zu: Wenn man zum ersten Mal über die typisch bremischen Spezialitäten liest und dabei Namen fallen wie Kohl und Pinkel, Labskaus oder Knipp, dann hält sich die Begeisterung der meisten Menschen in Grenzen. Auf der anderen Seite machen Bezeichnungen wie Hochzeitssuppe, Kaffeebrot oder Backfisch vielleicht aber auch Lust aufs Ausprobieren.

Als gebürtige Bremerin und langjärige Verkosterin der nordischen kulinarischen Spezialitäten kann ich sagen: Es lohnt sich.

Und aus diesem Grund folgt hier nun auch endlich der Blogbeitrag, der schon lange überfällig war und die Frage beantwortet: Wo kann man denn in der Stadt mal so richtig typisch bremisch futtern?

Die Auswahl fällt nicht leicht, denn wir haben eine ziemlich große Zahl von richtig tollen Restaurants. Also habe ich mir zunächst ein paar Kriterien zurechtgelegt, die die von mir dargestellten Häuser auszeichnen sollten: eine große Auswahl an typisch bremischen Gerichten, eine schöne Lage (entweder historisch, zentral oder an besonderen Plätzen, wie zum Beispiel direkt an der Weser) und ein schönes Ambiente. Ausgenommen habe ich außerdem Gastronomien, die sich auf Fisch spezialisiert haben (hierzu mache ich noch mal einen gesonderten Beitrag). Und schließlich sollte es bevorzugt um Hauptspeisen gehen, so dass ihr hier auch keine Cafés oder Kneipen finden werden (Kaffee, Bier und Wein gehören elementar zu Bremen, aber darüber lest ihr in unseren anderen Blogbeiträgen auch noch eine Menge).

Also dann: Guten Appetit beim Lesen ;-)

Bremer Ratskeller

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Im Bremer Ratskeller schenkte der Kellermeister bereits seit 1409 edle Tropfen aus. Mit 650 verschiedenen Sorten beherbergt er die größte Sammlung deutschen Weins. In der großen Gewölbehalle, zwischen Säulen und Prunkfässern mundete es auch schon Berühmtheiten wie Heinrich Heine, Siegmund Freud oder Wilhelm Hauff.

  • Auszug aus der Karte: Bremer Kartoffelsuppe mit krossem Speck, Bremer Brotzeit vom Brett, Traditionelles Bremer Seemannslabskaus, Knipp, Oma´s Sonntagsbraten, Bremer Pannfisch, Bremer Rote Grütze mit Vanillesauce
  • Adresse: Am Markt, 28195 Bremen,
  • Mein persönlicher Tipp: Unbedingt die Pumpernickelmousse mit Zimt-Zucker-Kaffeebrot als Nachtisch (zu sehen im Titelbild dieses Blogbeitrags) probieren, falls sie gerade auf der Karte ist. Und natürlich ein Glas erlesenen Wein zur Mahlzeit.
Bratwurstglöck’l Stockhinger vs. Martin Kiefert

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Der Streit, wer in Bremen die beste Bratwurst macht, ist wohl letzten Endes Geschmackssache und nicht aufzulösen. Direkt nebeneinander liegen direkt neben dem Rathaus die beiden favorisierten Konkurrenten. Lieber Stockhinger Rostbrat mit Brötchen oder Kieferts Bratwurst mit Hausmacher Kartoffelsalat? Ich lege mich da lieber nicht fest … einfach beide genießen.

  • Adresse: Liebfrauenkirchhof, 28195 Bremen
  • Mein persönlicher Tipp: Wer etwas anderes als Bratwurst möchte, kann ja mal das wunderbar gnitschige Eibrötchen bei Kiefert testen. Dafür bin ich als Kind durchs Feuer gegangen!
Becks in ’n Snoor

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Mitten im Schnoorviertel liegt das traditionsreiche Restaurant. Typisch bremische Gerichte und rustikale Hausmannskost im historischen Ambiente.

  • Auszug aus der Karte: Bremer Hochzeitssuppe, grüne Krabbensuppe, Bremer Matjesbrot, Kutterscholle, Hausmacher Sülze, Kohl und Pinkel (nach Saison), Rote Grütze
  • Adresse: Schnoor 34/36, 28195 Bremen
  • Mein persönlicher Tipp: Vor oder nach dem Essen gemütlich durch das historische Schnoor-Viertel bummeln und ne tüchtige Portion Bremer Geschichte einatmen.
Grauer Esel

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Hier am Utkiek in Bremen-Vegesack lebt das maritime Herz der Hansestadt. Direkt am alten Museumshaven (dem ersten künstlichen Hafen Deutschlands) liegt das historische und stets der Sturmflut ausgesetzte Haus. Gebaut 1777 als Viehstall, diente es bereits Ende des 19. Jahrhunderts als Schenke. Das älteste Bauensemble Vegesacks.

  • Auszug aus der Karte: Kartoffelschaumsuppe mit Nordseekrabben, Vorspeisenteller „Grauer Esel“ mit viel Fisch und Meeresfrüchten, Labskaus, Bremer Knipp – kross gebraten, heiße Zwetschgen nach altem Hausrezept
  • Adresse: Am Vegesacker Hafen 10, 28757 Bremen
  • Mein persönlicher Tipp: Ein Spaziergang an der Maritimen Meile macht Appetit, denn hier ist der Ort, wo „der Fluss das Meer schon schmeckt“, Abstecher zum Schulschiff Deutschland, zum Museumshaven oder dem Alten Hafenspeicher.
Schüttinger Gasthausbrauerei

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Die alte Bremer Tradition der Hausbrauerei wurde durch die Schüttinger Gasthausbrauerei seit 1990 wieder zum Leben erweckt. Sie ist damit die älteste Gasthausbrauerei in der Hansestadt Bremen. Es geht rustikal zu: Auf langen Bänken rückt man gern zusammen. Und wenn man sich noch nicht kennt, kommt man sich schnell näher.

  • Auszug aus der Karte: Elbe-Weser-Platte mit den typischen Spezialitäte wie Knipp oder Labskaus, Nordischer Backfisch, Brathering süß-sauer, Schüttinger Treberschnaps, Werder-Schluck (grün-weiß)
  • Adresse: Hinter dem Schütting 12-13, 28195 Bremen
  • Mein persönlicher Tipp: Im Schüttinger wird noch selbst gebraut. Also darf ein Glas süffiges, untergäriges Schüttinger-Bier nicht zur Mahlzeit fehlen. Wie wär’s: Das 10-Liter-Fass wird direkt am Tisch serviert …
Intermezzo

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Die Lage ist schon etwas Besonderes, denn das Intermezzo liegt direkt eingebettet zwischen Dom und Konzerthaus Glocke am innerstädtischen Verkehrsknotenpunkt Domsheide. Früher das wichtigste Lokal in Bremen, in dem sich die Ratsherren, Kaufsmannsgilde und das Domkapitel trafen. Heute treffen hier Touristen aus der ganzen Welt auf das Publikum des Konzerthauses – alt eingesessene Bremerinnen und Bremer auf eilige Geschäftsleute, Senatoren und Ratsherren auf Abgeordnete, und mögliche Sponsoren auf die bekannteste Fußballmannschaft der Stadt!

  • Auszug aus der Karte: Bremer Tapas Teller, Bremer Pannfisch, Krabbenbrot, Labskaus und als Dessert hin und wieder  Plum & Klütschen (Pflaumen und Klöße),
  • Adresse: Domsheide 5-7, 28195 Bremen
  • Mein persönlicher Tipp: Das Restaurant liegt direkt am Bibelgarten des Bremer Doms. Eine kleine Oase der Ruhe mitten in der trubeligen Innenstadt. Hier finden sich fast ausschließlich Pflanzen, die in der Bibel erwähnt werden oder aus der Tradition der Klosterapotheken stammen. Kleine Schilder weisen auf die Zitatstellen hin. Umschauen lohnt sich. Ach ja, der Bleikeller mit seinen spannenden Mumien liegt übrigens auch gleich nebenan!

Einen eigenen Blogbeitrag von Rike zum Intermezzo findet ihr übrigens hier.

Concordenhaus im Schnoor

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Ein echtes Stück Bremer Geschichte mitten im Schnoorviertel:  Das Baujahr ist der Inschrift über dem Sandsteinportal zu entnehmen: „Sorget nicht, Gott helpet wunderbarlich – 1630“ 1950 gelang es der neuen Eigentümerin, der Technischen Vereinigung „Concordia“, den Bau vor den Verfall zu retten. Das Haus führt seit jener Zeit den Namen „Concordenhaus“, auch das „Haus der 99 Architekten“ genannt, weil die Mitglieder der „ Concordia“ in persönlichen Einsatz mit Hand anlegten, um das Gebäude wiederherzustellen.

  • Auszug aus der Karte: Bremer Festtagssuppe, Grüne Granatsuppe, Bremer Teller (Hausmacher Knipp mit Bratkartoffeln und Gewürzgurke, Bremer Labskaus, Spiegelei, Rote Bete, Hering und Gewürzgurke), hausgemachtes Griebenschmalzbrot, Bremer Apfelschaum, Schafferschluck
  • Adresse: Hinter der Holzpforte 2, 28195 Bremen
  • Mein persönlicher Tipp: „Knipp statt Kaviar“ – das Hanseatische Buffet für Gruppen ab 20 Personen. Alles dabei und zum Abschluss zusätzlich einen Schafferschluck probieren.
Gasthof zum Kaiser Friedrich

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Der Gasthof zum Kaiser Friedrich liegt direkt im Bremer Schnoorviertel und ist eines der ältesten Restaurants in Bremen. Erbaut wurde das denkmalgeschützte Haus um 1630 im barocken Stil. Klassisch gemütlich eingerichtet mit zusätzlichen 40 Außenplätzen im Sommer.

  • Auszug aus der Karte: Hackepeterbrot, Bauernfrühstück, Rote Grütze, große Auswahl an belegten Broten mit Schinken, Matjes, Krabben oder Knipp, Strammer Max
  • Adresse: Lange Wieren 13, 28195 Bremen
  • Mein persönlicher Tipp: Warum immer aufwändig, wenn es auch simpel total lecker schmeckt? Hier gibt’s tolle belegte Brote – mit hausgemachtem Sauerfleisch: Unbedingt probieren!

 

Und? Appetit bekommen? Dann mal schnell einen Tisch reservieren! Und weil ich hier noch lange nicht alle tollen Restaurants erwähnen konnte, folgen demnächst noch weitere Blogbeiträge, zum Beispiel zum Thema „Fischspezialitäten“ oder „Bremisch kaffeesieren“. Ich freue mich natürlich auch über eure Restaurant-Tipps und -Empfehlungen  in den Kommentaren!

Ach, und noch ein kleiner Tipp:  wenn ihr mal eine Kleinigkeit „Auf die Hand“ oder für liebe Freunde und Verwandte mitnehmen wollt, dann schaut doch mal in der Schnoorbäckerei vorbei. Ich könnte euch jetzt ganz viel erzählen von Kaffeebrot, Klaben und Kluntjes, aber das ist eine andere Geschichte …

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Und wenn ihr jetzt noch immer Lust habt, mehr über bremisches Essen zu erfahren, dann schaut doch mal in unsere Blogrubrik „Essen und Trinken“ und hier ein paar weitere Linktipps:

„So isst man bremisch“ – was sind eigentlich Stinte oder Pluckte Finken?

Viele weitere Bremer Restauranttipps

3 Anmerkungen zu “So schmeckt Bremen

  1. Sigrid Rifai sagt:

    Beim Lesen bekommt man richtig Appetit. DANKE!

    Aber: in welchem Bremer Lokal steht eigentlich ein echtes „Bremer Kükenragout“ auf der Speisenkarte?

    Ich habe es nur im „Bremer Teestübchen“ im Schnoor gefunden und getestet. Das war aber kein Original sondern eine Eigenvariante (mit Kartoffeln!).

  2. Liebe Sigrid, das ist eine gute Frage. Meine Kollegin wird dem in der nächsten Woche nachgehen und das hier entsprechend kommentieren. Ein schönes Wochenende, Ingrid

  3. Maike Lucas sagt:

    Hallo Sigrid,
    lieben Dank für dein Lob! Und du sprichst eine echte Herausforderung an: Tatsächlich haben wir bislang kein Bremer Restaurant gefunden, das regelmäßig das klassische Kükenragout auf der Karte hat! Wir kennen im Moment auch nur das Teestübchen mit seiner Version. Aber ich weiß, dass Arnd Feye, Küchenchef im Ratskeller, ein hervorragendes Rezept dafür hat. Er hat es auch schon einmal für eine unserer Veranstaltungen gekocht. Außerdem bietet das Intermezzo ein Kükenragout im Rahmen seines Bremer Tapas Tellers an, wenn wir dort größere Gruppen buchen. Die können es theoretisch also auch. Nur alles aber leider nicht für den spontanen Einzelbesuch :-(
    Wir werden aber weiterhin die Augen offen halten und hier posten, wenn wir etwas Neues rausfinden. Über Tipps freuen wir uns sehr!
    Liebe Grüße, Maike.

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