Restaurant

Mein Bremen: Mit dem Rad zum Wümmeblick

Der Frühling beginnt und ich kann es kaum erwarten, wieder mit dem Rad durchs Blockland zu radeln, schließlich auf ein kleines Bötchen zu klettern und am anderen Wümmeufer genüsslich einen Cappuccino zu schlürfen. So geht das nämlich, wenn man von der Stadt aus zum Restaurant „Wümmeblick“ gelangen möchte. (mehr …)

Schuppen Eins: Das Mekka für Oldtimerfans

Zugegeben, ein ausgesprochener Autofan bin ich nicht. Mir reicht es, wenn ich bequem mit meinem blauen Ford von A nach B komme. Das Äußere ist da nicht so wichtig, geschweige denn die Geschichte des Wagens. Und dennoch … Was gerade in Bremen entsteht, fasziniert mich ungemein.

Zu Besuch war ich im Schuppen Eins zum ersten Mal mit einer Freundin. Eigentlich wollten wir essen gehen … aber davon später mehr. Meine Freundin wohnt in Hamburg, und da war es für mich selbstverständlich, sie bei ihrem Besuch an der Weser mit der Überseestadt zu überraschen. Stadtmusikanten besucht ja jeder ;-)

Mir war von Freunden ein neues syrisches Restaurant empfohlen worden, also fuhren wir zum Schuppen Eins. Doch als wir durch die gläserne Tür des riesigen Gebäudes traten, musste das Essen erst mal noch warten. Was wir dort vorfanden, war schon eine Überraschung.

Der Schuppen Eins am Becken des Bremer Europahafens wurde 1959 ursprünglich als zweigeschossiger Stückgutumschlagschuppen (tolles Wort, oder?) in einer  Stahlbetonskelettkonstruktion (noch so’n tolles Wort!) errichtet. Im Gegensatz zu einem Speicher, in dem Waren langfristig eingelagert wurden, diente der Schuppen als Lagerhalle und kurzfristiger Umschlagplatz für Güter aller Art. Er zählte zu den besonders prägnanten Bauten des Nachkriegs-Wiederaufbaus in den stadtbremischen Häfen. Bei seiner Fertigstellung war er der bei weitem größte Hafenschuppen in Bremen.

Über drei Jahrzehnte wurde der Schuppen Eins als reines Stückgut-Umschlaggebäude für den Hafen genutzt. Ab 1993 wurden hier Früchte gelagert. 1999/2000 erfolgte eine Umnutzung durch die Firma Dittmeyer, die hier Fruchtsäfte abfüllte.

2007 wurde er von zwei Investoren gekauft, kernsaniert und komplett umgebaut. Aus dem weserabwärts liegenden Teil des Gebäudes entstand in über vier Jahren Umbauzeit der Schuppen Eins (ausgeschrieben!), das neue Zentrum für Automobilkultur und Mobilität.

Ein imposanter Anblick erwartet die Besucher beim Eintritt in den Schuppen Eins.

Ein imposanter Anblick erwartet die Besucher beim Eintritt in den Schuppen Eins.

Ein über 150 Meter langer Boulevard erwartet die Besucher des neuen Oldtimer-Zentrums nun beim Eintritt in den Schuppen. Über sechzig Fahrzeuge aus unterschiedlichsten Jahrzehnten begrüßen Autofans und bringen auch Laien zum Staunen. Ob glänzende Isabella von Borgward, Knutschkugel Fiat 500 oder der kultige VW-Bully – jedes Gefährt erzählt seine ganz eigene Geschichte.

Mal hochglänzend, mal bedeckt vom Staub der Geschichte … hier gibt es die unterschiedlichsten Facetten von Automobilgeschichte zu bestaunen.

Mal hochglänzend, mal bedeckt vom Staub der Geschichte … hier gibt es die unterschiedlichsten Facetten von Automobilgeschichte zu bestaunen.

Gläserne Werkstätten entlang des Boulevards lassen erahnen, wie aufwändig es ist, die Liebhaberstücke Teil um Teil zu restaurieren. Oldtimerfans können hier aber nicht nur ihr Gefährt aufmotzen lassen, sondern auch die ganz besonderen Accessoires erwerben, von Ausstattungsstücken bis zu Kleidung und Geschenkartikeln.

Es muss aber auch nicht immer das eigene Fahrzeug sein. Wie wäre es denn mal mit einer Fahrt in einer „Weltkugel“, einem „Rechtslenker“ oder der „Pagode“? Diese pittoresken Namen gaben die Hersteller Ford, Jaguar und Mercedes ihren Wagen. Diese und viele weitere Modelle gibt es als Mietwagen im Schuppen Eins. Oder doch vielleicht der Bentley mit Chauffeur?

Für jeden Geschmack das passende Automobil ...

Für jeden Geschmack das passende Automobil …

Von April bis Oktober treffen sich Oldtimerfans im Schuppen Eins jeden ersten Samstag im Monat, um ihre Sportwagen und Liebhaberstücke zu zeigen, über Restaurierungen zu fachsimpeln und sich inspirieren zu lassen. Gäste sind immer willkommen.

Und auch sonst ist irgendwie immer was los in dem alten – und doch so neuen – Kaischuppen. Sonderausstellungen im Foyer zeigen unterschiedlichste Themen. So widmet sich eine Schau der Architektenkammer noch bis November dem Thema „Gebäudeumnutzung“ – wo wäre dies angebrachter als direkt in einem der besten Beispiele dafür in Bremen. Modellbaubörsen, Fashionmessen und zum Nikolaustag ein weihnachtliches Familienkonzert mit den Bremer Philharmonikern füllen den Veranstaltungskalender des Schuppens.

Bei schönem Wetter kann man vor dem Schuppen Eins auch den Weserblick genießen.

Bei schönem Wetter kann man vor dem Schuppen Eins auch den Weserblick genießen.

Und jetzt doch nochmal zurück zum Essen: Nach einem ausgiebigen Spazierganz entlang des Boulevards (übrigens auch ein toller Tipp für Regentage), sind meine Freundin und ich dann doch noch zu kulinarischen Köstlichkeiten gekommen. Das Al Dar befindet sich am Eingang des Schuppens und ist das größte syrische Restaurant Deutschlands. Doch keine Angst, die Atmosphäre hat nichts von Bahnhofshalle sondern ist durchaus gemütlich und auf jeden Fall ein ungewohnter Anblick. So kombinierte der Innenarchitekt nahöstliche Dekorationen auf spannende Weise mit den rohen Betonelementen des ursprünglichen Schuppens. Und lecker ist es sowieso … Wie wäre es zum Beispiel mit Lammfleischwürfeln und Pinienkernen, kurz in Olivenöl gebraten, auf einem Kichererbsenmus mit frisch gepresstem Zitronensaft und Sesamölsauce? Oder eine vegetarische Variante? Die Mazzaplatte (auch vegan möglich) entführt in ferne Länder mit Tabuleh, Olivensalat, Falafel, Hommus, Muhammara, Lebneh, Sambusik-Käse und Sambusik-Spinat. Und hinterher ein syrischer Rosenwasserpudding mit hausgemachtem Feigeneis. Lecker!

Das syrische Restaurant Al-Dar am Eingang des Schuppen Eins.

Das syrische Restaurant Al-Dar am Eingang des Schuppen Eins.

Zu Bremen passt der Schuppen Eins mit seinem vielfältigen Automobilangebot wie der Mercedesstern auf die Benz-Kühlerhaube. Denn Bremen ist eine Autostadt. Hier wurde bereits 1903 das erste Auto gebaut. Weiter ging es mit den Produktionen der Firma Borgward. Und heute ist das große Mercedes-Benz Werk der Daimler AG in Bremen der Dreh- und Angelpunkt. Hier werden pro Jahr 300.000 Autos gebaut und hier arbeiten mehr Menschen als in jedem anderen Unternehmen der Stadt.

Wer jetzt noch nicht genug bekommen hat von Oldtimern und Automobilkultur, der kann sich noch weiter inspirieren lassen auf der Bremen Classic Motor Show. Im Februar geht es in den Bremer Messehallen um Meisterstücke auf zwei und vier Rädern. Auch der Schuppen Eins zeigt dort seine liebsten Stücke.

Unseren Film zum Schuppen Eins findet ihr hier.