Rette sich, wer kann! – Team Escape lässt Köpfe qualmen

Im Schuppen Eins lassen sich seit einiger Zeit zahlreiche Rätselfreunde freiwillig einsperren. Eine Stunde lang suchen sie dann in einem Container, der wie ein Arbeitsraum eingerichtet ist, nach einem Schlüssel für den Weg nach draußen. Hinweise gibt es viele. Sie müssen nur richtig kombiniert werden. Ich schaue derweil mal hinter die Kulissen.

„Wir sperren Sie ein“ steht da in großen Lettern auf der Fußmatte und irgendwie reizt es meine rätselfreudigen Gehirnwindungen beim Betreten der großen Lagerhalle, mich hier auch einmal an einem der Rätselräume auszuprobieren. Ich bin zu Besuch bei Team Escape im Schuppen Eins. In einer der Hallen des alten Warenlagers am Europahafen stapeln sich große Container übereinander. Gerade wird eine vierköpfige Gruppe in einen der Container geschickt und die Tür von außen verschlossen. Von jetzt an ist eine Stunde Zeit, um aus dem als Büro eingerichteten Raum wieder herauszukommen.

Seit Anfang 2015 im Schuppen Eins am Europahafen

Inhaber Henning von Freeden nimmt mich in Empfang. Im Januar 2015 eröffnete er gemeinsam mit seinem Sohn Niklas die Bremer Franchise-Filiale. Die Rätselräume von Team Escape gibt es inzwischen landesweit in etwa zehn Städten, nachdem 2013 in Köln der erste Raum eröffnet wurde. Henning von Freeden führt mich erst einmal in einen der Container, von wo aus die laufenden Spiele über Kameras in den Räumen überwacht werden. Hier wird auch eingegriffen, wenn die eingesperrten Gruppen mal nicht weiter wissen. Zwei Gamemaster sitzen im Dunkeln vor Monitoren und schauen zu, wie die vierköpfige Rätseltruppe gerade Raum 1 auseinander nimmt. Sie ziehen Bücher aus den Regalen, tippen auf einer alten Schreibmaschine herum und rücken Möbel umher. Ab und zu wird durch die Spielbegleiterin ein Hinweis über einen Monitor eingespielt. Ansonsten ist die Gruppe auf sich allein gestellt.

Hinter den Kulissen: Die Gamemaster überwachen die Spielabläufe und geben Tipps, wenn das Rätseln mal ins Stocken gerät.

Hinter den Kulissen: Die Gamemaster überwachen die Spielabläufe und geben Tipps, wenn das Rätseln mal ins Stocken gerät.

Ein Raum, eine Stunde, jede Menge Rätsel

Ich fasse das Konzept von Team Escape noch einmal kurz zusammen: Eine Gruppe von Menschen wird in einen Raum eingesperrt und hat eine Stunde lang Zeit, einen Schlüssel für die verriegelte Tür zu finden. Das klingt jetzt erst einmal ziemlich nüchtern. Ist es aber nicht. Dahinter verbirgt sich jede Menge Rätselspaß im authentischen Ambiente der 1960er Jahre. Denn die beiden Räume, die sich hier im Schuppen Eins „berätseln“ lassen, sind so eingerichtet, dass man beim Betreten sofort das Gefühl bekommt, in einem Agenten-Thriller gelandet zu sein.

Authentische Einrichtung: Der untere Raum (in aufgeräumten Zustand) stellt ein Büro aus den 1960er Jahren dar.

Authentische Einrichtung: Der untere Raum (in aufgeräumten Zustand) stellt ein Büro aus den 1960er Jahren dar.

Über den Schreibtisch in Raum 1 erfahre ich, dass Henning von Freeden selbst daran schreiben gelernt hat. „Er stand früher im Arbeitszimmer meines Vaters“, erinnert er sich. Von Freeden selbst habe vor der Eröffnung wochenlang an den Räumen gebaut und sie mit alten Möbeln und passendem Inventar eingerichtet. Das sieht man den beiden Räumen an, die Illusion ist ziemlich gut.

An diesem Schreibtisch lernte Inhaber Henning von Freeden einst schreiben.

An diesem Schreibtisch lernte Inhaber Henning von Freeden einst schreiben.

Kombiniere, kombiniere! – Wie hängen die Dinge zusammen?

Herr von Freeden führt mich in den oberen, gerade nicht bespielten Raum. In dem als Werkstatt eingerichteten Container stehen Zeichenbrett, Werkbank und Rechentafel bereit. Überall liegen rätselhafte Gegenstände und ich ahne, dass diese allesamt etwas mit der großen Schlüsselsuche zu tun haben. Am liebsten möchte ich direkt loslegen und äußere eine Vermutung, wie einzelne Dinge hier in Zusammenhang stehen könnten. Aber Herr von Freeden hält dicht. „Hier wird nichts verraten“, sagt er lachend. „Das wäre ja langweilig.“ Die Rätsel seien so angelegt, dass es den meisten Gruppen gelingt, sie innerhalb der Zeit zu lösen. „Kinder sind oft sehr schnell, weil sie viel intuitiver als Erwachsene an die Sache herangehen“, berichtet von Freeden. Der Rekord liegt bei etwas mehr als vierzig Minuten. „Das war eine Gruppe von Geocachern, die extrem strukturiert waren“, erinnert sich der Inhaber von Team Escape Bremen.

Henning von Freeden ist Inhaber der Bremer Franchise-Filiale von Team Escape. Gemeinsam mit seinem Sohn eröffnete er die Rätselräume Anfang 2015.

Henning von Freeden ist Inhaber der Bremer Franchise-Filiale von Team Escape. Gemeinsam mit seinem Sohn eröffnete er die Rätselräume Anfang 2015.

Mir fallen die Kameras im Raum auf, die das Geschehen auf die Monitore der Gamemaster übertragen. Fühlt man sich da nicht beengt und die ganze Zeit beobachtet? „Die Leute vergessen sehr schnell die Kameras“, erwidert Henning von Freeden. „Das Rätseln rückt so sehr in den Fokus, dass alles andere unwichtig wird.“ Tatsächlich bestätigt mir das später die Familie, die aktuell im Raum 1 ihr Glück versucht. Beobachtet habe man sich nicht gefühlt.

Ihnen gelingt die Flucht an diesem Nachmittag nicht. Nach einer Stunde öffnet die Spielleiterin die Tür: „Sie waren ganz knapp davor, den Schlüssel zu finden“, sagt sie und zeigt der Gruppe das Versteck. Von Enttäuschung ist keine Spur. Im Gegenteil: Die vier Rätselbegeisterten sind außerordentlich guter Laune und planen schon einen zweiten Besuch für den anderen Raum.

Realität versus Virtualität

„Viele der Besucher kommen, um mal wieder etwas Reales zu tun“, erklärt mir von Freeden. Er habe das Gefühl, dass sich die Leute in Zeiten der Virtualität nach etwas Handfestem sehnen. Das leuchtet mir irgendwie ein – auch, wenn das etwas traurig klingt, weil ja die Realität nun mal stets draußen vor der Tür lauert. Auch trotz der digitalen Welten, in denen wir uns heute bewegen.

Ich meine, in der Lust am Rätseln noch mehr zu erkennen. Hier geht es auch um die Befriedigung, Lösungen zu finden, und es geht darum, dies nicht alleine zu tun. „Ja, bei dem Spiel sind Teamarbeit und Kommunikation gefragt“, bestätigt mir Henning von Freeden. „Es melden sich auch Firmen an, die von uns dann einen Coach gestellt bekommen, der die Gruppendynamik im Team von außen beobachtet und analysiert.“ Ansonsten kommen, laut von Freeden, Gruppen aller Art zu Besuch: Touristen, Familien mit Kindern und wahre Team Escape-Fans, die alle Raumkonzepte einmal spielen wollen. Denn in jeder Stadt sind die Räume unterschiedlich.

Komm'se rein, könn'se rausgucken - von wegen: Wer sich hier einsperren lässt, hat eine Stunde Zeit, um wieder herauszukommen.

Komm’se rein, könn’se rausgucken – von wegen: Wer sich hier einsperren lässt, hat eine Stunde Zeit, um wieder herauszukommen.

Ich verlasse den Schuppen Eins schließlich voller Vorfreude: Auch ich werde es mir nicht nehmen lassen, demnächst mal meiner Rätsellust in einem der Räume mit ein paar Freunden nachzugehen. Allerdings werde ich wohl in der nachgestellten Werkstatt im oberen Container mein Glück versuchen. Die Lösung für den Büroraum kenne ich jetzt nämlich. Manchmal hilft es, einfach nur ganz genau hinzuschauen.

2 Anmerkungen zu “Rette sich, wer kann! – Team Escape lässt Köpfe qualmen

  1. Nadine says:

    Hallo,
    wir sind am 22.04.17 noch auf der Suche nach einem Nachmittagsprogramm. Das hört sich ja toll an und wäre genau das Richtige für unsere Braut Heidi :). Hättet ihr an diesem Tag Nachmittags noch einen Termin für 6 Mädels frei?

  2. Lea Kleinspehn says:

    Hallo Nadine,

    am besten rufst du dazu unsere Kollegen aus dem Service-Center an: 0421-30 800 10

    Dort bekommst du tatkräftige Untertützung und Auskunft, ob noch Plätze für euch frei sind.

    Viel Erfolg und viele Grüße,
    Lea aus dem Redaktionsteam

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