Auch in Bremen gibt es Hügel – Mit dem Geländewagen über Stock und Stein

70 Prozent Steigung und 80 Prozent Gefälle – kann das ein Auto überhaupt meistern? Kurzum – seit vergangener Woche weiß ich: Es geht! Auf dem Offroad-Parcours von Mercedes konnte ich das mit dem neuesten SUV ausprobieren.

Claus Krudop empfängt mich im Kundencenter von Mercedes im Bremer Osten. Vor einem 3D-Schaubild des riesigen Autowerks erfahre ich erst einmal ein paar Zahlen. Über 12.000 Menschen arbeiten hier und täglich werden bis zu 1.400 Autos auf gut 1,3 Quadratkilometern Werkfläche produziert. Neben alten und neuen Produktionshallen, Ausbildungswerk und Fuhrpark gibt es seit 2008 auch „The Rock“ – ein Parcours, auf dem die Offroad-Fähigkeiten der SUVs (Sport Utility Vehicle) getestet werden können.

Das Werk im Bremer Osten (links ist Norden)

Das Werk im Bremer Osten (links ist Norden)

Claus Krudop zeigte mir alles - und ließ sich den einen oder anderen Spaß nicht nehmen

Claus Krudop zeigte mir alles – und ließ sich den einen oder anderen Spaß nicht nehmen

Beim Parcours wartet schon der gerade auf dem Markt erschienene SUV GLC auf uns. Eine kleines Technikmonster, das geduldig über Hügel, Huckel und Schrägen juckelt. Bevor es los geht, zeigt mir Herr Krudop im Innenraum, welche Einstellungsmöglichkeiten es gibt. Er schaltet von Automatik auf manuelle Schaltung um, weil der Wagen so im ersten Gang bleibt, wenn man nicht selber die Schaltung am Lenkrad bedient. Er stellt auch die automatische Abbremshilfe für Abfahrten ein und setzt sie auf die Maximalgeschwindigkeit von 10 km/h. Was genau das eigentlich heißt, erfahre ich im Verlauf unseres kleines Parcours-Abenteuers noch. Dann fährt Herr Krudop erst einmal die Strecke und erklärt, worauf zu achten ist. Ruhig lenkt er den Wagen über die angelegten Schrägen, Huckelfelder, Treppen und Hügel.

James Bond lässt grüßen - der GLC macht möglich, was sonst nur in Filmen passiert

James Bond lässt grüßen – der GLC macht möglich, was sonst nur in Filmen passiert

Seitenlage - kein Problem. Fühlt sich trotzdem komisch an.

Seitenlage – kein Problem. Fühlt sich trotzdem komisch an.

Natürlich gibt es auch einen Deich - wir sind ja schließlich in Bremen.

Natürlich gibt es auch einen Deich – wir sind ja schließlich in Bremen.

Treppenfahrt à la James Bond

Bis auf die Neigungen, die bis zu 30 Grad erreichen, finde ich das alles noch nicht so spektakulär. Na gut, es wackelt und ruckelt hier und da mal ein wenig – und die Treppenfahrt hat schon etwas von einer James Bond-Verfolgungsjagd. Aber der Innenraum des Wagens ist so gut vor Außengeräuschen geschützt und die ganze Karosserie auf einer so geschmeidigen Federung unterwegs, dass in mir schon die wahnwitzigen Bilder von spritzendem Schlamm und durchdrehende Reifen schwinden. Dann gelangen wir zum Höhepunkt (Achtung, Worspiel!) des Parcours. Vor uns steigt steil und kerzengerade der Weg zum höchstgelegenen Punkt auf. Herr Krudop gibt ein wenig mehr Gas und schon arbeitet sich das tonnenschwere Gefährt die 70 Prozent Steigung hoch, als ob das eine Spazierfahrt auf ebener Fläche sei. Nach wenigen Metern füllt nur noch der graue Herbsthimmel die Frontscheibe aus. Oben hat man einen feinen Ausblick über das Mercedes-Werk, aber auch ein bisschen Angst vor der Abfahrt. Doch auch die meistert der SUV ziemlich souverän.

Ganz schön steil - The Rock

Ganz schön steil – The Rock

Fahrerwechsel – jetzt wird’s ernst

Die Aufregung steigt. Jetzt ist Fahrerwechsel. Ich setze mich hinters Lenkrad und stelle erst einmal Sitz und Lehne in die richtige Position. Am liebsten würde ich mir jetzt Lederhaube und Fliegerbrille aufsetzen und den Motor aufheulen lassen – nur weil es ein lustiges Bild geben würde und vielleicht auch ein bisschen, weil ich so nervös bin ;-)

Dann geht es auch schon los. Langsam lenke ich den Wagen über die Hügel und Schrägen, mache auch vor der Treppe und dem ungleichen Huckelfeld nicht Halt. Letzteres ist schon eine der besonderen Herausforderungen: Versetzt fährt man hier mit dem rechten Vorderreifen über einen kleinen Huckel, während die linke Seite eine Senke durchquert. Dann folgt ein Huckel auf der linken Seite, was dazu führt, dass der rechte Vorderreifen in die Luft ragt. Sobald ich mit links auf dem obersten Punkt angelangt bin, trete ich vorsichtig auf die Bremse. Der Schwerpunkt verlagert sich. Wie bei einer Hängewaage kippt jetzt der ganze Wagen nach vorne rechts und landet etwas unsanft in der nächsten Mulde. Dasselbe Spiel wiederholt sich noch einmal und die nächste Landung gelingt mir schon etwas milder. Das macht Spaß.

Das Huckelfeld - dass ein oder mehrere Reifen in der Luft schweben, sieht man ja auch nicht alle Tage

Das Huckelfeld – dass ein oder mehrere Reifen in der Luft schweben, sieht man ja auch nicht alle Tage

Rock’n’Roll auf „The Rock“

Dann stehen wir auch schon am Fuße von „The Rock“. Auch beim zweiten Mal kann ich nicht glauben, dass das Auto die Schräge tatsächlich nach oben meistert. Wieder füllt sich bei der Berganfahrt die Frontscheibe mit weit und breit nur Himmel. Ich kann mich nur noch an dem Kamerabild auf dem kleinen Display im Wageninnern orientieren. Oben angelangt taste ich mich langsam an den Abgrund heran. Vorsichtig gebe ich Gas und der Wagen neigt sich immer mehr nach vorne. Immer wieder bremse ich, weil ich der Meinung bin, dass wir das Maximalgefälle schon erreicht haben müssen. Und immer wieder neigt sich der Wagen doch noch weiter nach vorne, wenn ich ein wenig von der Bremse gehe. Irgendwann – wir hängen quasi schon voll in den Anschnallgurten – fühlt es sich tatsächlich so an, als wenn wir senkrecht an der Wand kleben. Vor uns nur noch die steile Abfahrt und am Ende dann dieser Ausblick:

Oh, oh! Jetzt geht's abwärts.

Oh, oh! Jetzt geht’s abwärts.

„So, und jetzt lassen Sie mal die Bremse ganz los“, sagt mein Fahrbegleiter augenzwinkernd. Ich lache und sage ihm, dass ich das natürlich auf keinen Fall machen werde, weil wir dann viel schneller, als uns allen lieb ist, unten ankommen würden. Aber er bleibt dabei: „Doch, doch. Machen Sie ruhig.“ Er meint das tatsächlich ernst und mein Adrenalinpegel steigt noch einmal um einiges an. Aussteigen kann ich ja jetzt nicht mehr, also befolge ich etwas widerwillig seine Anweisung. Irgendetwas wird er sich dabei schon gedacht habe. Sobald ich den Fuß von der Bremse genommen habe, rauscht der Wagen geschossartig gen Boden. Davon gehe ich zumindest fest aus und will schon die Augen schließen. Doch es kommt anders. Mit überraschender Gemächlichkeit juckelt das Gefährt ganz entspannt den Berg hinab und ich brauche einige Sekunden, um zu verstehen, was hier vor sich geht. Die automatische Abbremshilfe! Dazu dient sie also. Sie steht bei 10 km/h und genau mit dieser Geschwindigkeit (oder besser Langsamkeit) fährt uns der SUV nun den Hügel herunter, ohne dass ich irgendetwas dafür tun muss.

Vorher: Noch etwas in Sorge; nachher: Ziemlich zufrieden.

Vorher: Noch etwas in Sorge; nachher: Ziemlich zufrieden.

Steilkurve auf der Teststrecke – Das ist wie Achterbahnfahren

Nach gut zehn Minuten habe ich den Parcours schließlich bewältigt und steige zufrieden aus. Herr Krudop hat noch eine weitere Überraschung auf Lager. „Der Wagen kann nämlich auch Straße“, sagt er. Wahrscheinlich würden ohnehin die wenigsten der Käufer mit dem GLC wirklich ins Gelände gehen. Er fährt auf die Teststrecke des Werks. Hier werden tagtäglich die unterschiedlichen Autos auf Straßen- und Kurvenlage sowie Brems- und Untergrundverhalten getestet. Per Kickdown katapultiert uns Herr Krudop binnen weniger Sekunden auf etwa 90 km/h. Am Ende der Beschleunigungsgerade kommt erst eine kleine Rechtskurve und dann nach links eine Steilkurve. Kaum habe ich realisiert, was jetzt passieren wird, sind wir auch schon mittendrin. Mit knapp 100 km/h klebt der Wagen förmlich an der steilen Kurvenwand – Fliehkraft sei Dank. Ich versuche ein Foto zu machen, aber da sind wir auch schon wieder raus aus der Kurve. Mir ist schwindelig. Herr Krudop lacht, als ich ihm sage, dass ich das nicht nochmal machen möchte. Schließlich bin ich ja auch kein Fan vom Achterbahnfahren. Nach kurzem Zögern lasse ich mich aber doch nochmal auf eine langsamere Fahrt durch die Steilkurve ein. Was tut man nicht alles für ein Foto.

Schlimmer als Achterbahn: Mit 90 Sachen durch die Steilkurve

Schlimmer als Achterbahn: Mit 90 Sachen durch die Steilkurve

Abends ereilt mich ganz unerwartet noch ein Schub guter Laune. Ich bin mir sicher, dass das eine Nachwirkung von Höhen- und Geschwindigkeitsrausch ist. Durch Steilkurven brettern und über Huckel und steile Hänge fahren, macht man ja schließlich nicht jeden Tag.

Für „The Rock“ können sich auch Privatpersonen und Gruppen anmelden – und zwar hier.

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