Das Theater – Reise zwischen Philosophie, Farbe und Fischen

World of Reason – so heißt ein Stück das gerade im Kleinen Haus des Theater Bremen Premiere feierte. Mich interessierte besonders ein beispielhafter Blick hinter die Kulissen. Die Ausstatterin des Zwei-Personen-Schauspiels, Nadia Fistarol, hat mich auf meiner kleinen Reise begleitet.

Nadia kommt aus Zürich und lebt nur wenige Wochen in Bremen, nur für dieses Stück. In ihrem Beruf muss man flexibel sein. Über den Regisseur Alexander Giesche ist sie dazu gekommen. Als Ausstatterin zeichnet sie in diesem Stück für das Bühnenbild und die Kostüme verantwortlich. Etwa neun Monate dauert die Vorbereitungszeit solch eines Stücks insgesamt, und damit ein laufender Prozess, in dem auch Nadia sich intensiv mit den Inhalten auseinandersetzen muss. In ihrem Beruf als Architektin fehlten ihr die philosophischen und soziologischen Themen, mit denen sie hier zu tun hat. Über die Arbeit und die Themen des Stücks erzählt sie voller Begeisterung, mit viel Herzblut, und zieht mich so in den Bann des Theaters.

Das Theater Bremen, links hinter dem Theatero mit Zugang zum Kleinen Haus, rechts das Theater am Goetheplatz.

Das Theater Bremen, links hinter dem Theatro mit Zugang zum Kleinen Haus, rechts das Theater am Goetheplatz.

World of Reason – eine Reise in die Welt von Realität, Vernunft und Sehnsucht

Das Stück ist inspiriert von Motiven aus Miloš Formans Film „Man on the Moon“ über Andy Kaufmann, einem amerikanischen Komiker oder auch „Anti-Humor“-Performer und Spielverderber. Er tat immer das Gegenteil von dem, was die Leute erwarteten. Fiktion als Mittel, die Welt der Vernunft zu ertragen. Dennoch die Sehnsucht, Teil dieser Welt zu sein. Geht es um die Suche nach dem realen Leben ebenso wie um die Flucht davor? Ich lese die Darstellung des Theater Bremen zu dem Schauspiel, ich höre die Gedanken von Nadia über ein Thema, über das man stundenlang diskutieren kann. Ich erfahre, dass die Schauspieler zur Vorbereitung Lach-Yoga erlernt und sich in eine Zentrifuge begeben haben. Und Fische gibt es im Stück, die sich prima um die menschliche Pediküre kümmern. Greifen kann ich es noch nicht – was ist das für eine Reise in die menschliche Psyche, wie passen all diese Eindrücke zusammen und stellen sich in dem Stück dar? Ich nehme mir fest vor, endlich mal wieder ins Kleine Haus zu gehen und mir dort ein Bild zu machen. Apropos Bild – was steckt eigentlich hinter dem Bild, das über die Bühne und die Kostüme dargestellt wird?

Hier werkeln die Maler und schaffen tolle Bühnenbilder.

Hier werkeln die Maler und schaffen tolle Bühnenbilder.

Maler, Tischler, Schlosser, … – eine Mikrokosmos des Handwerks

Ich muss gestehen, die Welt des Handwerks ist mir sehr viel näher als die Welt der Philosophie. In den Werkstätten fühle ich mich sofort wohl, lauter nette Menschen begegnen mir – und viele! Da während meines Besuchs bereits die Proben für „World of Reason“ begonnen haben sehe ich nicht mehr viele im Bau befindlichen Teile des Bühnenbildes, aber die Werkstätten sind an sich sehenswert.

Der große Malersaal im Theater Bremen.

Der große Malersaal im Theater Bremen.

Da ist der große Malersaal, der Raum mit dem besten Licht. Riesige Bühnenbilder können hier bemalt werden, was dann weniger mit Pinseln als mehr mit großen Bürsten erfolgt. Auch Skulpturen, vor allem aus Pappmaché, entstehen hier. Ich stelle mir vor, wie ich nach Art von Jackson Pollock von weit oben und mit ganz viel Platz Farbe über weiße Papierbahnen schleudere. Meine Eltern finden im Keller immer noch Farbreste von früheren Actionpainting-Versuchen.

Tischlerei und Schlosserei im Theater Bremen

Tischlerei und Schlosserei im Theater Bremen

Alles was für die Bühne stabil gebaut werden muss, entsteht nach dem Modell von Nadia entweder aus Holz in der Tischlerei oder aus Metall in der Schlosserei. In letzterer war gerade ein Konstrukt in Arbeit, das was mit den Fischen zu tun haben soll. So etwas Massives für so kleine Fische, die Hautschuppen picken und damit die Menschen zum Lachen bringen weil es kitzelt und einfach lustig aussieht? Und was hat das mit der Geschichte von „World of Reason“ zu tun? Das muss ich auf jeden Fall noch herausfinden. Die kleine Reise durch die Werkstätten macht auf jeden Fall eins: Neugierig.

Fische als Statisten - hier picken Sie Hautschuppen von der Hand.

Fische als Statisten – hier picken Sie Hautschuppen von der Hand.

Dass es natürlich noch Rüstmeister (ein wahrer Daniel Düsentrieb, wie man hört), Schuster, Maskenbilder und viele Handwerksberufe mehr gibt ist wohl klar, aber alle zu besuchen hätte den Rahmen gesprengt. Im Kostümfundus und der Schneiderei hätte ich schon gerne vorbeigeschaut, denn da habe ich vor gefühlt unendlicher Zeit mein Schülerpraktikum absolviert. Eine tolle Zeit war das. Aber bei mir siegen Vernunft und Realitätssinn, ich muss bald wieder an die Arbeit.

Impressionen von der Bühnenvorbereitung, kurz vor der Probe.

Impressionen von der Bühnenvorbereitung, kurz vor der Probe.

Die Proben – eine schwarze Bühne, Klebeband und leere Sitze

Die Bühne im Kleinen Haus ist nicht erhöht, die Schauspieler agieren nahe vor dem Publikum. Alles ist schwarz, auf dem Boden werden weiße Klebestreifen als Markierungen angebracht. Ein Ventilator schwebt durch die Luft, und eine runde Metallplatte wird mit dem Beamer angestrahlt. Schwarze Fahnen lagern in der Ecke. Ich nehme eine entspannte Stimmung wahr, es macht Spaß das Gewusel zu beobachten. Nur zu den richtigen Proben kann ich nicht mehr bleiben, mein nächster Termin, schade …

Die Proben werden vom Fotografen des Theaters, Jörg Landsberg, begleitet, damit das Theater Bilder für die Bewerbung und die Dokumentation des Stückes hat. Nachfolgend findet ihr ein paar Eindrücke. Mir bleibt einmal mehr nicht nur den Vorsatz zu haben, endlich mal wieder ins Theater zu gehen, sondern dies real umzusetzen und meinen Geist auf die Reise zu schicken.

Impressionen der Aufführung von "World of Reason", Fotos: Jörg Landsberg

Impressionen der Aufführung von „World of Reason“, Fotos: Jörg Landsberg

Tag der offenen Tür

Wer nun nicht das Glück hatte durch das Haus geführt zu werden, der braucht nicht traurig sein: Einmal jährlich Ende August/Anfang September wird ein Tag der offenen Tür veranstaltet. Da kann man Kostüme ersteigern, an Führungen teilnehmen und vieles mehr.

Hier findet ihr stets alle Veranstaltungen des Theater Bremen mit den Sparten Musiktheater, Schauspiel, Tanz und Junges Theater sowie Konzerten und sonstige Termine.

Nadias Tipp für Bremen-Besucher

Zwei ganz persönliche Gastro-Tipps habe ich von Nadia erhalten. Da ist vor allem mittags das noon, und abends die Küche 13. Guten Appetit!

Panorama der Kulturmeile links mit dem Theater und rechts mit drei Museen.

Panorama der Kulturmeile links mit dem Theater und rechts mit drei Museen.

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