Bremen tierisch: Zehn Ferkel, vier Esel und ein Elefant

Der Bürgerpark in Bremen gilt als einer der besterhaltenen Landschaftsparks Deutschlands und als grüne Lunge der Hansestadt. Ein beliebstes Ziel für Familien ist das Tiergehege, wo es jetzt im Frühjahr überall grunzt, wiehert und meckert – der tierische Nachwuchs macht sich lautstark bemerkbar. Und tatsächlich, heute kann ich hier Lämmchen, Zicklein und zehn kleine Bunte Bentheimer Ferkel entdecken, die auch mir sofort ein ungestümes „Ach wie süüüüß“ entlocken.

Die Sturmschäden vom Wochenende zuvor: Überall im Bürgerpark sind die Aufräumarbeiten im Gange, einige Wege sind vorsorglich abgesperrt.

Die Sturmschäden vom Wochenende zuvor: Überall im Bürgerpark sind die Aufräumarbeiten im Gange, einige Wege sind vorsorglich abgesperrt.

Auf dem Weg mit dem Fahrrad durch den Bürgerpark bemerke ich schnell, dass der Sturm der beiden letzten Nächte hier ordentlich gewütet hat. Heruntergekommene Äste und umgestürzte Bäume liegen auf den Wegen, kleine Traktoren fahren herum, Mitarbeiter wuseln umher und sind eifrig mit den Aufräumarbeiten beschäftigt.

Die zehn Ferkel beobachte ich lediglich bei ihrer Milchmahlzeit. Danach ruhen sich Mama und Kinder aus.

Die zehn Ferkel beobachte ich lediglich bei ihrer Milchmahlzeit. Danach ruhen sich Mama und Kinder aus.

Ein Ferkelleben: Sechs Wochen Besucherattraktion im Bürgerpark

Im Schweinegehege gilt alleiniges Sorgerecht: Im linken Teil sind Sau Barbara und ihre zehn Ferkel untergebracht, rechts leben eine zweite Sau und der Vater der Kleinen. Eine Mitarbeiterin des Tiergeheges erzählt mir, dass die kleinen Ferkel erst zehn Tage alt sind. In den allerersten Tagen hätten sie ihren Stall kaum verlassen, ich bin also genau im richtigen Moment gekommen.

Ihre Mutter, Sau Barbara, liegt auf der Seite, ihre Kleinen drängeln sich beim Trinken um die besten Plätze, keines will leer ausgehen. Die Bunten Bentheimer Schweine gehören zu einer alten Schweinerasse, die sich inzwischen wieder größerer Beliebtheit erfreut und deren Nachwuchs jetzt im Frühling zu den Attraktionen des Bürgerparks zählt.

Die Familienidylle mit Zaun - die Ferkel leben räumlich vom Vater getrennt.

Familienidylle mit Zaun – die Ferkel leben räumlich vom Vater getrennt.

Wenn die Ferkel ungefähr sechs Wochen alt sind, kommen sie auf einen Bio-Hof mit Freilandhaltung, ganz in der Nähe. Beim ersten Wurf in diesem Jahr, vor einigen Wochen, waren wir dabei, als die niedlichen Ferkel gerade abtranportiert wurden. Ihr nervöses Quieken machte meine Tochter misstrauisch. „Mama, was machen die da?“ „Die machen einen Ausflug, mein Schätzchen. Einen Ausflug.“, antwortete ich. Für die ganze Wahrheit bleiben noch zwei, drei Jahre – hoffe ich.

Esel und Enten statt Kängurus und Dromedare

Der Tierpark im Bremer Bürgerpark kann auf eine lange Tradition zurückblicken: Bereits 1868 wurden Fischotter im Park angesiedelt, später folgten sogar exotische Tiere wie Känguru und Dromedar. Heute sind auf dem Gelände hauptsächlich heimische Haustierrassen zu beobachten, von denen einige, wie die Leinegans, vom Aussterben bedroht sind. Ein besonderes Schmuckstück ist natürlich der Blaue Pfau.

Der stolze Pfau verweigert heute seinen Radschlag und lässt sich stattdessen lieber von den Tiergehege-Besuchern fotografieren.

Der stolze Pfau verweigert heute seinen Radschlag und lässt sich stattdessen lieber von den Tiergehege-Besuchern fotografieren.

Dieser schlägt heute kein Rad, sondern vergnügt sich beim Picken in den Resten eines abgeholzten Baumstümpfchens. Zum Schlafen nutzen die farbenprächtigen Tiere übrigens einen Schlafbaum, oben in den Ästen. Ich mache Platz für die nächsten Fotohungrigen, die den majestätischen Vogel ablichten wollen, und schlendere weiter zu den Mufflons.

Das Damwild lebt mit den Mufflons zusammen, die tierische WG scheint zu funktionieren.

Das Damwild lebt mit den Mufflons zusammen, die tierische Zweck-WG scheint zu funktionieren.

Das aus Sardinien bzw. Korsika stammende Tier lebt mit dem Damwild in einem großen Gehege. Die Wildform des Hausschafs wurde 1910 als Park- und Jagdwild in Deutschland eingeführt. Auch hier gibt es Nachwuchs. Als ein Tiergehege-Mitarbeiter das Areal betritt, springen die Tiere aufgeregt umher und flüchten – ganz natürlich.

Ob afrikanisch oder asiatisch – dieser Elefant wird artgerecht gehalten und gehört bei kleinen Kindern zu den Lieblingstieren im Bürgerpark.

Ob afrikanisch oder asiatisch – dieser Elefant wird artgerecht gehalten und gehört bei kleinen Kindern zu den Lieblingstieren im Bürgerpark.

Artgerechte Haltung – auch von Elefanten

Überall laufen Zwerghühner pickend herum. Ich gehe zurück und betrachte kurz den Elefanten, der sich überhaupt nicht von den flanierenden Besuchern beeindrucken lässt. Der kleine Sandspielplatz ist sonst von kleinen Kindern belagert, heute am frühen Nachmittag ist es recht ruhig hier. Auch die Alpaka stehen etwas träge herum, im Gegensatz zu den Schafen, die auf der großen Wiese umhertollen. Die Lämmer machen große Sprünge und sie scheinen sich dabei gegenseitig überbieten zu wollen. Hinter den Schafen und den Milchkühen kann man die Meierei erahnen.

Drei der kleinen Zicklein hätten wohl gerne mehr Heu.

Drei der kleinen Zicklein hätten wohl gerne mehr Heu.

Auch bei den Zwergziegen erkundet der Nachwuchs das Gelände. Die robuste Zwergform der Hausziege wurde nach Europa eingeführt und stammt ursprünglich aus Westafrika beziehungsweise Asien. Die Zicklein genießen den Sonnenschein und erkunden das Gelände zwischen ihren Nachbarn, den Alpaka und den Zebus.

Echte Verwurzelung mit der Heimatstadt: Die Baumspende

Bei den Zebus stehen zwei Bänke mit Widmungen. Sie gehören zu den vielen „Bankspenden“, die der Bürgerparkverein erhält. Als Sachspende kann man, beispielsweise zu Jubiläen und Hochzeiten, aber auch als Erinnerung an eine verstorbene Person, eine Bank spenden, die eine Plakette mit Namen jener Person(en) erhält, für die die Bank gespendet wurde. Die Anzahl der neu aufzustellenden Bänke hält sich natürlich in Grenzen.

Anders ist es bei den Baumspenden: Geburten oder runde Geburtstage sind beliebte Anlässe, dem Bürgerpark einen Baum zu schenken, damit im Frühjahr neue heimische Laubbäume gepflanzt werden können. Wer den Bürgerpark spontan unterstützen möchte, kann Lose der Bürgerpark-Tombola kaufen.

Schnatternde Enten und eine gespendete Bank.

Schnatternde Enten und eine gespendete Bank.

Das Zwergzebu stakst in seinem Gehege umher. Nebenan suche ich die Bewohner der Meerschweinchen-Pavillons. Denn die kleinen Nager habe ich seit Wochen nicht gesehen und mittlerweile mache ich mir Sorgen. Über dem Gehege hängen engmaschige Netze, die angriffslustige Krähen davon abhalten sollen, sagen wir, sich mit einem kleinen, fiependen Meerschweinchen davonzumachen. Das kann das Verschwinden also nicht erklären.

Beim letzten Mal tummelten sie sich noch in ihrem Häuschen, doch inzwischen könnten sie auch mal wieder zwischen und in den Miniatur-Bauten herumwuseln, die, sehr sehenswert, den Gebäuden des Bürgerparks nachempfunden sind. Beim nächsten Mal frage ich nach, wo die Tiere sind, nehme ich mir vor.

Im Eselgehege gibt es leckere Birkenblätter. Mmmmhhhh...

Im Eselgehege gibt es leckere Birkenblätter. Mmmmhhhh…

 Stures Futtern bei den Eseln

Bahamaente, Brautente und Mandarinente scheinen sich woanders zu vergnügen, der Teich liegt einsam und verlassen da. Am Ende meiner Rundtour freue ich mich mit den Eseln: Sie haben in ihrem Revier jede Menge Baumstämme mit frischer Rinde und frischem Laub liegen und fressen sich daran satt und zufrieden. Die beiden Stuten Lotte und Laetitia und die Wallache Freddie und Felix genießen das zusätzliche Büffet, das das Sturmwetter ihnen beschert hat.

Idyllisch gelegen: Der Weg zum Tiergehege ist jetzt im Frühjahr besonders schön.

Idyllisch gelegen: Der Weg zum Tiergehege ist jetzt im Frühjahr besonders schön.

Wer den Bürgerpark besucht, kann nicht nur das Tiergehege entdecken. Eine Fahrt mit dem Ruderboot, eine Minigolf-Partie, leckerer Kuchen bei Emma am See oder ein großes Alster in der Waldschänke – für Familien und Frischluftfans gibt es hier zahlreiche Möglichkeiten, einen perfekten Tag zu verbringen. Bei einem ausgedehnten Spaziergang, einer Jogging-Runde über die Finnbahn oder einer kleinen Radtour, beispielsweise vom Stern bis zum Unisee, lassen sich Bürgerpark und Stadtpark weitläufig erkunden.

Eine besonderer Tipp: Eine Rundfahrt mit der Marie! Das Boot, dem Original von 1913 nachempfunden, fährt seine Passagiere auf den verwinkelten Wasserstraßen des Bürgerparks umher.

Ein Kommentar zu “Bremen tierisch: Zehn Ferkel, vier Esel und ein Elefant

  1. Brigitte says:

    Das sieht wirklich nach einem unglaublich schönen Park aus und Tiere sowie Menschen scheinen es dort in vollen Zügen zu genießen. Da wäre man gerne auch ein Ferkel :)

    Sehr schöner Beitrag!

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