UNESCO-Welterbe: Das Bremer Rathaus

Nichts wurde zerstört: Unbeschadet ist das Rathaus in Bremen 600 Jahre lang erhalten geblieben. Seit zehn Jahren zählt es zum Welterbe der Menschheit. Für Bremen ist es Symbol der bürgerlichen Autonomie und der Eigenständigkeit des Stadtstaates. Geprägt wurden diese stets durch die Nähe zum Wasser.

So ist das ja oft: Man lebt in einer Stadt, in der die berühmtesten Sehenswürdigkeiten zum Greifen nah sind, doch besichtigt hat man sie noch nie. In Bremen rattert die Straßenbahn zwischen zwei historischen Sehenswürdigkeiten hindurch, die 2004 sogar zum UNESCO-Welterbe ernannt wurden – der Rolandstatue, mittelalterliches Symbol für die bürgerliche Unabhängigkeit, und dem Bremer Rathaus.

Die Arkaden vor dem Rathaus

Hinsetzen, Sonne genießen und aufs Welterbe schauen: Die historischen Arkaden des Bremer Rathaus sind super zum Verschaufen.

Oft im Vorbeigehen bewundert, werde ich heute das mehr als 600 Jahre alte Rathaus besichtigen. Führen wird mich Karl, blutjunge 23 Jahre alt und ein Kenner der Bremer Geschichte.

Karl mit Touristen im Rathaus

Geschichtsbuch auf zwei Beinen: Student Karl gibt Führungen durchs Rathaus.

„Dieses Haus ist über Jahrhunderte erweitert und nie durch einen Krieg zerstört worden“, begrüßt uns der Geografiestudent im Treppenhaus des Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Anbaus. Sofort wird klar, welch große Bedeutung die Weser für die Bürger und die Stadt in allen Zeiten hatte: An den Wänden zeigen alte Gemälde Segelschiffe, von der Decke hängt eine Lampe aus Kieferknochen eines Wals – seit Jahrhunderten begehrtes Beuteobjekt der Menschen.

Nur ein paar Schritte weiter betreten wir die Obere Rathaushalle im alten Haus. Der acht Meter hohe Raum erinnert selbst an ein Schiff: Bei jedem Schritt knarzen die Dielen unter den Füßen, von oben neigen sich verzierte Eichenbalken. Von dort hängen auch Nachbildungen der Kriegsschiffe, welche einst die hanseatische Flotte beschützen sollten. Ihre Miniaturkanonen wurden früher bei Festempfängen noch abgefeuert. Die Zeiten sind allerdings vorbei – angeblich seitdem dabei ein paar Fensterscheiben zu Bruch gegangen sind, wie Karl berichtet.

Schiffsnachbildungen hängen von der Decke

Angebracht in acht Metern Höhe: Die Modellschiffe in der Oberen Rathaushalle können tatsächlich feuern.

Immer noch wird der Saal für Empfänge und Feste wie die alljährliche, sieben Stunden andauernde Schaffermahlzeit benutzt. Erstmals im 16. Jahrhundert abgehalten, um Witwen und Waisen der Seeleute zu unterstützen, hat die Veranstaltung bis heute sozialen Charakter. Seit jeher sind unter den 300 ausgewählten Gästen ausschließlich Männer geladen – erste und einzige Ausnahme war bisher Ehrengast Kanzlerin Angela Merkel.

Wer nicht zum Kreis der geladenen Kapitäne und Kapitäninnen (eine weitere Ausnahme), Politiker oder Wirtschaftsvertreter gehört, muss nicht traurig sein. Im Ratskeller unterhalb des Rathauses wird an diesem Tag das gleiche traditionelle Menü serviert: Stockfisch und Kohl. Na dann: Guten Appetit!

Ein Kommentar zu “UNESCO-Welterbe: Das Bremer Rathaus

  1. Nick says:

    vom 09. – 30.08 begibt sich Visitatio auf den Welterbe Marathon und macht dabei auch Station in Bremen. Vielleicht habt Ihr ja Lust diese Aktion auf Eurem Blog zu unterstützen:

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