Radwandern durch Bremen – Auf dem Weser-Radweg

Von einer Bundeslandgrenze zur anderen – das kann man in nur wenigen Stunden in Bremen per Rad erledigen. Dabei fährt man am besten immer auf dem Weser-Radweg entlang des Flusses. Auf rund 25 Kilometern schlängelt sich die Route durch die Hansestadt. Die bin ich abgefahren und hab meine Tour fotografisch festgehalten. So viel steht fest: Auch vom Rad zeigt sich Bremen von seiner Schokoladenseite.

Schokolade? Gut, dass ich die auf meiner Radtour nicht eingepackt hab. Als ich gegen 11 Uhr im Sattel sitze, zeigt das Thermometer schon knapp 30 Grad an. Es ist der 23. Juni und der Sommer in Bremen hält mit voller Wucht Einzug. Deswegen bin ich auch schon ordentlich aus der Puste, als ich an meine Startpunkt auf dem Weser-Radweg ankomme. Hier – bei Dreye in der Nähe der Zugbrücke – verläuft die Grenze zwischen Niedersachsen und Bremen. Ein Schild finde ich nicht, daher nehme ich eine Bank an der Bahnbrücke als Ausgangspunkt. Schön hier: Felder, Heuballen, Vögel.

Irgendwo hier beginnt Bremen.

Irgendwo hier beginnt Bremen.

Schön, schöner, am schönsten

Die gesamten fast 25 Kilometer, die ich in den folgenden 2,5 Stunden radel (inklusive Verschnauf- und Fotopausen) staune ich immer wieder: Dieses Bremen, das ich als meine Wahlheimat bezeichnen darf, ist wirklich atemberaubend schön. Zunächst führt mich der Weser-Radweg auf dem Habenhauser Deich entlang an Naturschutzgebieten, kleinen Yachthäfen, Stränden an der Weser bis hin zum Werdersee. Eigentlich ist er einfach ein verbreiterter Nebenarm der Weser, die sogenannte Kleine Weser. Da der Zulauf aber so schmal ist, nimmt man eine Strömung hier nicht wahr. Hätte ich meine Schwimmsachen eingepackt, würde ich mich jetzt kurz abkühlen. Nachdem ich links des Sees entlang durch eine schattenspendende Baumallee hindurch gefahren bin, lande ich am Kioskhäuschen am Werdersee. Kurzerhand gönne ich mir ein Eis – auch eine Abkühlung.

Mjamm. Tut gut!

Mjamm. Tut gut!

Hier holte ich mir eine willkommene Abkühlung.

Hier holte ich mir eine willkommene Abkühlung.

Urbanes trifft auf Grünes

Doch lange verharre ich nicht im Schatten. Auf der nächsten Etappe tauche ich ein ins urbane Leben. Langsam gleitet rechter Hand die Bremer Innenstadt an mir vorbei. Ich mache den Dom aus und dahinter der Fernsehturm. Auch der Wesertower und andere hohe Gebäude der Überseestadt tauchen auf. Die gesamte Skyline konnte ich vorher schon vom Werdersee aus bestaunen – wie Perlen auf eine Kette reihen sich die prägnanten Bauten der Hansestadt aneinander. Sie ragen alle über das üppige Grün der vielen Bäume. Zweimal unter- bzw. überquere ich breite Brücken, dann gelange ich an die Stephanibrücke, an der ich für eine Weile der Weser den Rücken kehren muss.

Bremer Skyline (v.l.n.r.): Die "umgedrehte Kommode", der Fernsehturm, der Dom und die Stadtbibliothek ganz rechts im Bild.

Bremer Skyline (v.l.n.r.): Die „umgedrehte Kommode“, der Fernsehturm, der Dom und die Stadtbibliothek ganz rechts im Bild.

Einfach den Schildern folgen - die weisen den Weg.

Einfach den Schildern folgen – die weisen den Weg.

Ein bisschen schwierig finde ich zwischendurch, die Radweg-Schilder auszumachen und zu deuten. Als Nicht-Ortskundiger sollte man wohl auf jeden Fall auch eine Karte zu Hilfe nehmen.

Aber ich schlängel mich gekonnt in Richtung Woltmershausen. So umgehe ich die Schiffsbecken des Hohentors- und des Neustadtshafen. Ich bin eine ganze Weile an der Woltmershauser Straße unterwegs, bis mich irgendwann ein Schild nach links in die Stromer Straße weiterleitet. Es wird schlagartig wieder grüner. Doch noch bin ich mitten im Industrie- und Hafengebiet. An einer Kreuzung biege ich rechts ab, wie mir das Schild auf der anderen Straßenseite anweist. Allerdings verpasse ich dann den nötigen Straßenseitenwechsel und lande direkt vor den Zollhäuschen und Hafenschranken. Ein netter Wachmann scheint das Bild von orientierungslosen Radfahrern schon zu kennen und verrät mir, dass ich ein Stück zurück muss und dann einen Durchlass durch den Zaun finde. Überall brummen große LKWs mit Containern beladen umher. Ich fühle mich kurz ganz schön klein.

Ein Durchlass im Zaun - fast wäre ich sonst im Hafen gelandet.

Ein Durchlass im Zaun – fast wäre ich sonst im Hafen gelandet.

Industrieromantik pur

Ich passiere über eine Brücke die zahllosen Gleise des GVZ (Güterverkehrszentrum), fahre an den Hallen riesiger Logistikunternehmen vorbei und folge an der nächsten Kreuzung der nach rechts abbiegenden Senator-Apelt-Straße. Die Landschaft ist geprägt von zahlreichen Windrädern, die sich mächtig schnell im Südost-Wind drehen, der mir im Rücken stehend zum Glück die Fahrt deutlich erleichtert. Rechts von mir erstreckt sich wieder der Weserdeich, auf den ich schließlich wieder abbiege. Vor mir liegen grüne Wiesen und am Horizont erstreckt sich der Bremer Hafen in all seiner Pracht. Ich erkenne die Roland-Mühle, das Pier2 und weiter flussabwärts das Stahlwerk.

Die Hafen-Skyline: Links das Pier2, mittig Fernsehturm und Roland-Mühle.

Die Hafen-Skyline: Links das Pier2, mittig Fernsehturm und Roland-Mühle.

Gegensätzliche Idylle

Die Gegensätze in dieser Gegend finde ich wahnsinnig spannend. Auf meiner Seite der Weser, hinter dem Deich, auf dem ich und mein Rad unterwegs sind, erstrecken sich nun Seehausen und Hasenbüren – zwei winzige Dörfchen mit nur einer Straße und uralten Höfen rechts und links davon. Blickt man von hier aus über den Deich streckt sich das monströse Werk empor. Es erinnert einen in der ländlichen Idylle stets an die Großstadt, vor deren Toren man hier lebt.

Stahlwerk-Idylle. Gleich hinterm Deich, auf der anderen Weserseite wummert's und zischt es.

Stahlwerk-Idylle. Gleich hinterm Deich, auf der anderen Weserseite wummert’s und zischt es.

Endspurt

Die Mittagshitze liegt jetzt ordentlich schwer auf meinen Schultern. Ich mache noch ein letztes Mal im Schatten auf einer Bank eine Trinkpause, dann schwing ich mich in den Sattel und radel die letzten zwei Kilometer bis zum Ochtumer Sperrwerk – dabei passiere ich noch einen Yachthafen und gleite schließlich auf dem Deichgrat durch eine weite, sattgründe Wiesenlandschaft hindurch bis zur Ochtummündung. Hier beginnt wieder Niedersachsen und damit ist meine Tour beendet – der Weser-Radwanderweg kennt allerdings keine Grenzen und führt die fleißigen Radwanderer, die mir mehrfach auf meiner Strecke begegnet sind, weiter gen Norden. Ich aber kehre zum Yachthafen zurück. Hier lasse ich mich im Schatten eines Baums ins Gras fallen und warte auf meinen Abholdienst. Nochmal 16 Kilometer zurück in die Stadt wollen meine Beine bei den heutigen Temperaturen nicht mehr auf sich nehmen.

Die Ochtum: Hübsches Flüsschen und gleichzeitig Landesgrenze.

Die Ochtum: Hübsches Flüsschen und gleichzeitig Landesgrenze.

Und hier meine Tour nochmal im Schnelldurchlauf:

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