Schokoladig im Abgang – Auf der Spur des Whiskys

Seit einiger Zeit interessiere ich mich für Whisky. Das Getränk übt irgendwie eine besondere Faszination auf mich aus. Das Geschmackserlebnis, die Gemütlichkeit, aber auch die Geschichte, das Alter, der Herstellungsprozess – alles Komponenten, die ich spannend finde, und alles Gründe, mich in Bremen mal auf die Spur des Whiskys zu begeben. Da kam mir die Bottle Market-Messe am vergangenen Wochenende sehr gelegen.

Die Gestaltung der Hallen 6 und 7 der Messe Bremen mutet schon recht weihnachtlich an. Um etwa halb fünf am Freitag betrete ich die großen Ausstellungsräume, in denen an diesem Tag nicht nur die Whisky-Messe, sondern auch die „Christmas & more“ begonnen hat. Zig Lichterketten und das warme Licht der Stände funkeln in der ansonsten schummrig beleuchteten Umgebung.

Alles, was das Whisky-Herz begehrt - unterschiedlichste Angebote auf der Messe

Alles, was das Whisky-Herz begehrt – unterschiedlichste Angebote auf der Messe

Nachdem ich mir einen Überblick verschafft habe, steuere ich zunächst einmal den Stand des Scotch-Club Bremen an. Der Verein existiert seit fast 14 Jahren, wie ich kurz darauf von Mitglied Sven Eckert erfahre. Man trifft sich, um neu entdeckte Whiskys zu testen, bietet auch öffentlich Verkostungen an und hat sogar Abfüllungen unterschiedlicher Brennereien mit eigenem Label im Angebot.

Wasserverdünnung ausdrücklich erlaubt

Sven Eckert lädt mich zu einem kleinen Gespräch und der Verkostung zweier Whiskys ein. Ich bin gespannt. Der erste Whisky, rötlich-bernsteinfarben, ist ein Glensalcraf. Er wurde zehn Jahre lang in alten Sherry-Fässern gelagert und hat nicht nur die Farbe, sondern auch den Weingeschmack leicht angenommen. Allerdings ist er mir mit über 60 Prozent Alkoholgehalt doch etwas zu „sprittig“. „Dann verdünne gerne mit Wasser“, sagt Sven und schiebt mir eine Karaffe mit Plastikpipette entgegen. „Es gibt zwar einige No-Go’s bei Whisky – zum Beispiel, dass man ihn nicht auf Eis oder mit Cola trinkt – aber mit Wasser darf man ihn immer verdünnen.“ Das machen auch die Destillerien, um einen geringeren Alkoholgehalt für die Abfüllungen zu erhalten, erfahre ich. „Whisky soll schließlich schmecken und nicht weh tun“, lacht Sven. Tatsächlich kommt mit einigen Tropfen Wasser der leicht schokoladige Geschmack des Glensacrafs noch etwas deutlicher durch.

Ambiente muss sein, Wasser darf sein - wichtige Werkzeuge für den Whisky-Genuss

Ambiente muss sein, Wasser darf sein – wichtige Werkzeuge für den Whisky-Genuss

Während ich vorsichtig am Sherry-Whisky nippe, hat Sven eine ganze Menge zu dem leckeren Elixier zu erzählen. Vor allem fasziniert mich dabei immer wieder der Gedanke, dass das Getränk stets eine lange Zeit braucht, um zu reifen. Zehn Jahre ist der Glensacraf alt! Eine lange Zeitspanne, in der viel passiert ist, während der Whisky ruhig in den Eichenfässern vor sich hin reifte. Diese Ruhe überträgt sich auch aufs Trinken. Das ist mir schon häufiger aufgefallen. So einen Whisky schluckt man nicht mal eben in einem Zug herunter, man nippt ihn und nimmt sich Zeit dafür. „Es ist ein sehr entschleunigender Genuss“, bestätigt mir auch der Whisky-Fachmann, der im „wahren“ Leben als Dozent in der Erwachsenenbildung arbeitet. Der Scotch-Club Bremen gründete sich übrigens, nachdem das alteingesessene Fachgeschäft „Scotch Corner“ 2002 schließen musste. Einige der Kunden fanden sich zusammen und beschlossenen, einen Club zu gründen, um auch weiterhin Verkostungen in der Neustadt anbieten und ihrer Liebe zu Schottland frönen zu können. Immer freitags trifft man sich in den clubeigenen Räumen an der Friedrich-Ebert-Straße. „Dann wird auch mal gefachsimpelt“, erzählt Sven. „Aber es geht nicht immer nur um Whisky.“ Über 100 Mitglieder hat der Verein, darunter Studierende, Rentner, Handwerker und Professoren. Einige der Tastings sind nur für die Mitglieder, die meisten aber sind offen für alle interessierten Whisky-Fans.

Der rauchige Port Charlotte von der Insel Islay (links) und der sherry-artige Glensalcraf (rechts) in den clubeigenen Abfüllungen

Der rauchige Port Charlotte von der Insel Islay (links) und der sherry-artige Glensalcraf (rechts) in den clubeigenen Abfüllungen

Rauchiges von der Insel

Sven schiebt mir nun leicht herausfordernd den zweiten Whisky hin. „Riech da mal vorsichtig dran“, sagt er grinsend. Ich schnuppere an der Glasöffnung und meine Geruchsgänge füllen sich umgehend mit einem intensiven Raucharoma. In mir steigen Bilder von Fisch- und Schinkenräucherhütten, von Zigarren, Pfeifen und Lagerfeuer auf. Ich kann den Rauch nur vom Riechen förmlich auf der Zunge schmecken. „Das ist ein Whisky von der Insel Islay“, erklärt Sven, während ich vorsichtig den ersten kleinen Schluck nehme. „Die Insel ist bekannt für ihre besonders rauchigen Whiskys, da für die Mälzung des Getreides überwiegend Torf unter den perforierten Trockenböden verwendet wird.“ Der Rauch ziehe so in die Körner ein, die den Geschmack speichern. Sven persönlich beschäftigt sich inzwischen seit über 25 Jahren mit dem abwechslungsreichen Getränk aus Schottland. Das lässt sich auch deutlich an seinem Wissen ablesen. Er sei vor allem davon fasziniert, mit wie wenig Zutaten man eine so große Bandbreite an Aromen erreichen könne. „Whisky ist ja quasi destilliertes Bier“, sagt er abschließend. „Er besteht auch hauptsächlich aus Wasser und Getreide.“

Sven Eckert vom Scotch-Club Bremen

Sven Eckert vom Scotch-Club Bremen

Der erste Whisky Bremens

Ich ziehe weiter. Ein paar Stände weiter hat Whisk(e)y and More seinen Stand aufgebaut. Im vorgestellten Sortiment des Fachhändlers finde ich einen ganz besonderen Whisky. Der Van Loon ist der erste in Bremen hergestellte Whisky und kommt aus dem Hause Piekfeine Brände von Birgitta Rust, die vor vier Jahren ihr Hobby zum Beruf machte und in der Überseestadt eine Brennerei für Premium-Brände samt Verkaufsfläche eröffnetet. Ihr Sortiment umfasst vor allem Obstbrände und seit neuestem eben auch jenen hanseatischen Whisky, den der Verkäufer am Stand als „Säugling“ unter den Whiskys bezeichnet, weil er mit drei Jahren Reifung ein sehr junger Whisky ist.

Noch ganz jung und doch schon stadtbekannt - der erste Whisky Bremens

Noch ganz jung und doch schon stadtbekannt – der erste Whisky Bremens

Weniger als drei Jahre darf ein Whisky übrigens auch gar nicht alt sein, zumindest darf er sich dann nicht Whisky nennen. Dem aufmerksamen Leser und Whisky-Kenner dürfte übrigens inzwischen aufgefallen sein, dass ich hier vor allem von Scotch schreibe. Irische sowie amerikanische Whiskeys (Bourbon) werden nämlich beide mit „e“ vor dem „y“ geschrieben. Auch das hat mir Sven zuvor erklärt.

Besonderheiten im Whisky-Universum

Einen Stand laufe ich noch an. Ich bin darauf aufmerksam geworden, weil hier Whisky aus Schweden vorgestellt wird. Das finde ich spannend. Kaum lasse ich meinen Blick über die modern gestalteten Flaschen schweifen, spricht mich auch schon eine Frau auf Englisch an. Sie erzählt, dass sie in der Destillerie Mackmyra nördlich von Stockholm Brennmeisterin ist. Das ist gleich doppelt interessant, weil es erstens mit Sicherheit nicht all zu viele Brennmeisterinnen in der Szene gibt und Schweden, laut Angela D’Orazio, gerade mal mit acht Destillerien aufwarten kann.

Angela D'Orazio aus Schweden

Angela D’Orazio aus Schweden

Angela erzählt mir, dass fast alle Zutaten in ihren Whiskys aus Schweden kommen: das Getreide, das Torf, teilweise auch das Eichenholz für die Fässer. Ich probiere einen ihrer Whiskys, die hier in Bremen übrigens bei Thiele-Whisky in Findorff zu finden sind. Schon beim Geruch des leicht geräucherten und Wacholder-Anteilen bei der Mälzung verfeinerten Getränks kommen in mir Bilder aus früheren Schweden-Urlauben hoch. Der Geschmack erinnert mich schließlich sofort an den Geruch, der in den typischen rot-weißen Schwedenhäuschen inmitten eines tiefen Kiefernwaldes an einem See kursiert. Ich bin erstaunt, wie sehr ein Getränk die Atmosphäre eines ganzen Landes speichern kann. Wenn das bei den Whiskys aus Schottland auch so ist, muss ich dringend mal nach Schottland, denke ich beim Verlassen der Messehallen.

Zum Beispiel hier gibt es Whisky für jeden Geschmack

Zum Beispiel hier gibt es Whisky für jeden Geschmack

Whisky in Bremen? Neben den bereits erwähnten Geschäften Whisk(e)y and More und Thiele-Whisky dürfte das Bremer Spirituosen Contor ebenfalls noch eine gute Anlaufstation sein. Kennt ihr noch weitere Adressen?

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