Bremer Köpfe: Isaak Hermann Albert Altmann

Bei dem Namen werden viele erst einmal sagen: „Kenn ich nicht.“ Dabei – da bin ich mir sicher – sind die meisten Bremerinnen und Bremer schon vielfach mit seiner Arbeit in Kontakt gekommen. Auch Stadtgäste werden kaum drum herum kommen, das bekannteste Werk Isaak Altmanns kennen zu lernen. Der Landschaftsgärtner ist nämlich verantwortlich für die Parkanlagen am Wall.

An einem vorsommerlichen Maitag mache ich mich auf und spaziere durch die Wallanlagen. Es ist ein Montagnachmittag und am Herdentor, wo ich starte, ist salopp gesagt die Hölle los. Ziemlich gestresst von dem ganzen Lärm und den vielen Menschen lasse ich mich erst einmal auf eine der Bänke an der Ecke „Am Wall“ und „Herdentor“ nieder und genieße ein Eis. Hinter mir braust der Stadtverkehr, über mir das schützende Blätterdach der Bäume. Sie bilden an dieser Stelle eine Art Baldachin, unter dem viele Menschen im wohltuenden Schatten Ruhe suchen.

Hinsetzen und entspannen - keine 50 Meter weiter beginnt die Bremer Innenstadt. Wer gerade Shopping macht, kann sich hier eine Portion Erholung abholen.

Hinsetzen und entspannen – keine 50 Meter weiter beginnt die Bremer Innenstadt. Wer gerade Shopping macht, kann sich hier eine Portion Erholung abholen.

Eine Mühle steht noch

Als ich mein Eis aufgegessen habe, spaziere ich in Richtung Mühle los. Ich wähle den Weg entlang des Wassers, links von mir die Mühle. Früher standen in den Wallanlagen deutlich mehr Mühlen, die meist von der Stadt betrieben wurden. Die Herdentorswallmühle ist die einzige, die Brände, Abrisse und Kriege überdauert hat.

Die Herdentorswallmühle: Sie dreht sich immer noch. Heute aber nur zur Anschauung.

Die Herdentorswallmühle: Sie dreht sich immer noch. Heute aber nur zur Anschauung.

Nachdem ich die Mühle links liegen gelassen habe, gelange ich nach einigen Metern in einen waldähnlichen Teil der Wallanlagen. Auf den Wiesen zwischen den hohen Bäumen haben es sich einzelne Menschengrüppchen gemütlich gemacht. Sie genießen die Ruhe inmitten der Großstadt. Das ist tatsächlich eine der Besonderheiten, die auch mir sofort auffällt. Kaum habe ich mich ein wenig von den Straßen entfernt, umgibt mich eine wohltuende Ruhe. Nur die vor lauter Frühlingsgefühlen ganz aufgeregten Vögelchen zwitschern lauthals. In mir steigen Urlaubsgefühle auf.

Alleen wechseln sich mit kleinen Pfaden ab, überall Wiesen und kleinere Flächen, hier und da mal eine Bank oder ein Denkmal: Das ist typisch für Landschaftsgärten nach englischem Vorbild.

Alleen wechseln sich mit kleinen Pfaden ab, überall Wiesen und kleinere Flächen, hier und da mal eine Bank oder ein Denkmal: Das ist typisch für Landschaftsgärten nach englischem Vorbild.

Unterschiedliche Bäume sorgen auch im Sommer für eine bunte Farbpalette.

Unterschiedliche Bäume sorgen auch im Sommer für eine bunte Farbpalette.

Grün, grün, grün ist alles, was ich mag

Verantwortlich für meine Stimmung ist nicht nur der Mai, sondern auch ein gewisser Isaak Hermann Albert Altmann. Ich muss zugeben, dass auch ich nicht unbedingt viel über Herrn Altmann wusste, bevor ich mich mit ihm für diesen Beitrag auseinander gesetzt habe :)

Isaak Altmann, waschechter Bremer, wurde 1777 geboren. Er stammte aus einer Gärtnerfamilien und steuerte bald auch selbst eine Ausbildung in diesem Bereich an. Um 1800 begann er in Bremen als Kunst- und Handelsgärtner. Er gestaltete unter anderem den Riensberg-Park am Focke-Museum sowie Wätjens Park in Blumenthal. Die Bremer Wallanlagen waren sein größtes Projekt.

Die Ansgari-Bastion erhebt sich direkt hinter der Bürgermeister-Smidt-Straße. Oben erinnert ein Denkmal an Isaak Altmann.

Die Ansgari-Bastion erhebt sich direkt hinter der Bürgermeister-Smidt-Straße. Oben erinnert ein Denkmal an Isaak Altmann.

Große Straßen als Tore zur Stadt

Ich passiere die große Kreuzung an der Bürgermeister-Smidt-Straße, die zum Brill führt. Eben noch eingehüllt in wundersame Parkruhe, brausen jetzt wieder Autos, Räder und Bahnen um mich herum. Mir wird kurz schwindelig, aber da bin ich schon über die Fußgängerampel in einen weiteren Abschnitt der Parkanlagen gelangt. Vor mir hebt sich die Wiese zu einem kleinen Hügel an, die Ansgari-Bastion. Oben angekommen entdecke ich eine schlanke rechteckige Marmorsäule, auf der die Büste eines Mannes thront: Isaak Altmann.

An exponierter Stelle: Das Denkmal für Isaak Altmann, der nur vier Jahre nach Fertigstellung der Wallanlagen starb, hat eine ebenso besondere Geschichte wie sein Standort besonders ist.

An exponierter Stelle: Das Denkmal für Isaak Altmann, der nur vier Jahre nach Fertigstellung der Wallanlagen starb, hat eine ebenso besondere Geschichte wie sein Standort besonders ist.

Eine Tafel im Boden verrät, wer hier so zufrieden drein schaut.

Eine Tafel im Boden verrät, wer hier so zufrieden drein schaut.

Die Umgestaltung der Wallanlagen erfolgte zwischen 1803 und 1833. Bereits 1877 erinnerte man mit einer Büste an den Wallanlagenpark-Schöpfer. Doch die Skulptur wurde 1944 im Krieg zerstört. Als sich Anfang der 2000er die Entstehung des Landschaftsparks in den Wallanlagen zum 200sten Mal jährte, sollte auch an dessen Schöpfer erinnert werden. Tatsächlich fand man eine weitere Büste des Gärtners in der posthum nach ihm benannten Altmannstraße in Schwachhausen. In einer Fassadennische fand sie ihren Platz. Es wurde ein Abdruck genommen und der Klon auf der Ansgari-Bastion 2003 aufgestellt. Hier blickt Altmann nun über seine größte Schöpfung mit zufriedenem Ausdruck.

Zufrieden kann er auch sein. Immerhin tragen die Bremer Wallanlagen so einige Superlative im Untertitel: Der erste von einem bürgerlichen Parlament geschaffene Park, Bremens älteste öffentliche Grünanlage, citynaher geht es kaum.

Die Stadtnähe ist natürlich dem Ursprung der Wallanlagen geschuldet. Das Bollwerk war vor rund 1000 Jahren zum Schutz Bremens errichtet worden und wuchs über die Jahrhunderte zu einer Verteidigungsanlage heran. Die mit Kanonen bestückten Bastionen dienten dem Ausguck übers Land und der Abwehr, die Stadttore – eng wie Nadelöhre – ließen nur wenige zur selben Zeit passieren. Ab dem 17. Jahrhundert bekamen die Anlagen dann ihre typische Zick-Zack-Form, die heute noch aus der Luft erkennbar ist. Der Wassergraben wurde neu ausgehoben und das ausgehobene Erdreich als Wall angelegt. Nur einem einzigen Angriff mussten die Anlagen tandhalten und zwar der Belagerung der Schweden 1666 im Zweiten Bremisch-Schwedischen Krieg. Schon gut 100 Jahre später begann die Umnutzung des Schutzwalls, Mühlen wurden errichtet und Wege angelegt. Schließlich begann zunächst der Gärtner Christian Ludwig Bosse 1802 und ein Jahr später dann Isaak Altmann die Anlage im Still eines englischen Landschaftsgartens umzugestalten.

Vom Altmanndenkmal zur Altmannshöhe

Hinter der Ansgari-Bastion kehre ich um. Ich laufe zurück – diesmal oben entlang –, vorbei an der Mühle, am Herdentor und am ältesten Baum der Wallanlagen.

Der Rehbrunnen stammt vom Bildhauer Ernst Gorsemann, der auch am Entwurf des Ehrenmals auf der Altmannshöhe beteiligt war. Die niedliche Rehszenerie fand ich in der Nähe der Mühle.

Der Rehbrunnen stammt vom Bildhauer Ernst Gorsemann, der auch am Entwurf des Ehrenmals auf der Altmannshöhe beteiligt war. Die niedliche Rehszenerie fand ich in der Nähe der Mühle.

Die „große alte Dame der Wallanlagen“: Die Baum-Hasel am Herdentor ist der älteste Baum der Wallanlagen. Sie wurde 1802 gepflanzt und ist damit einer der ältesten Bäume Bremens.

Die „große alte Dame der Wallanlagen“: Die Baum-Hasel am Herdentor ist der älteste Baum der Wallanlagen. Sie wurde 1802 gepflanzt und ist damit einer der ältesten Bäume Bremens.

Hauptsache: Ruhe! Die Kaskaden-Anlage mit Parkbänken hat irgendwie etwas von einem Kurpark.

Hauptsache: Ruhe! Die Kaskaden-Anlage mit Parkbänken hat irgendwie etwas von einem Kurpark.

Nachdem ich noch ein in Kaskaden angelegten Ruheort voller Parkbänke gefunden habe, nehme ich direkt am Wasser Platz. Auf der kleinen Plattform eines der roten Wasservogelhäuschen, die überall in den Wallanlagen verteilt sind, entdecke ich etwas Ungewöhnliches: Zwei Schildkröten wärmen sich in den nachmittäglichen Sonnenstrahlen. Ich dachte bisher, es sei eine Legende, dass in den Wallanlagen Schildkröten leben.

Keine Legende! Hier sind die Beweisbilder! Schildkröten in den Wallanlagen :)

Keine Legende! Hier sind die Beweisbilder! Schildkröten in den Wallanlagen :)

Mein Gang endet auf der Altmannshöhe. Sie ist natürlich nach dem Schöpfer der Wallanlagen benannt und ist seit 1933 auch Standort für das große Ehrenmal für die 1914–1918 gefallenen Bremer. Heute ist dieser Ort außerdem ein beliebter Ausguck- und Ausruhort. Auf den Bänken, die in Richtung Weser zeigen, sitzen Leute, essen Eis, lesen oder unterhalten sich.

Die Altmannshöhe hinter der Kunsthalle: Sie ist das südöstliche Ende der Wallanlagen.

Die Altmannshöhe hinter der Kunsthalle: Sie ist das südöstliche Ende der Wallanlagen.

Auf dem Weg hinunter von der Anhöhe, die früher die Ostertorbastion war, blicke ich mich noch einmal um. Mein Spaziergang durchs Grüne hat mich merklich entspannt. Trotz kräftiger Sonne war ich in den Schatten der zahlreichen Bäume stets gut geschützt unterwegs. Ich nehme noch einmal einen tiefen Atemzug der sauerstoffreichen Luft, bevor ich am Goetheplatz wieder ins Stadtleben eintauche.

So in etwa sieht es dann abends von der Fußgängerbrücke am Torhaus aus.

So in etwa sieht es dann abends von der Fußgängerbrücke am Torhaus aus.

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