Auf Paulas Spuren

Paula Modersohn-Becker, eine Wegbereiterin des Expressionismus, lebte nur einen Katzensprung entfernt von Bremen, im Künstlerdorf Worpswede. Überall erinnert der Ort an die große Malerin. Auch die Autorin Heidrun Bomke erzählt dort ihre Geschichte – und liest aus Briefen und Tagebüchern der Künstlerin. Eine literarische Reise.

Nebel liegt über Worpswede. Dort, wo heute Felder bewirtschaftet sind, waren einst düstere Moorlandschaften, die Bauern mit schwarzen Torfkähnen überquert haben. Um 1900 war der Ort, nicht weit entfernt von Bremen, klein, arm und verschlafen. Und gerade deshalb wurde er einer Gruppe von Künstlern Quelle der Inspiration. Eine von ihnen war die junge Malerin Paula Modersohn-Becker (1876-1907).

Paulas Ziel: Malerin werden

Damals noch nicht mit Otto Modersohn verheiratet, kam Paula Becker als junge Frau nach Worpswede, um Zeichenunterricht zu nehmen. Sie traf auf weitere Künstler, darunter ihr Ehemann, und auf die Bildhauerin Clara Westhoff, die ihr zur Freundin wurde. Später schuf Clara der Malerin eine Büste (Eingangsbild oben).

Der Garten Barkenhoff in Worpswede

Diesen Garten sahen die Künstlerfreunde, wenn sie sich bei Heinrich Vogeler im Barkenhoff trafen.

Eine Clique aus Künstlern

Überall in Worpswede, das bis heute das bekannteste Künstlerdorf Deutschlands ist, haben diese Künstler Spuren hinterlassen. Mit der Autorin Heidrun Bomke mache ich mich auf, sie zu finden. In Reisen und Spaziergängen führt die Literaturwissenschaftlerin durch Orte, in denen Künstler gelebt und gearbeitet haben. Sie erzählt ihre Geschichte, liest über und von den Menschen, die sie bewegen.

Szenen auf dem Worpsweder Friedhof

Auf dem Friedhof lässt Heidrun Bomke Vergangenheit lebendig werden. Oben steht sie vor Fritz Mackensens „Gottesdienst im Moor“, wodurch Worpswede weltberühmt wurde. Unten links erinnert eine Grabstatue an Paula Modersohn-Becker. Nach einem Streich in der Kirche verzierte sie als Wiedergutmachung mit Clara Westhoff die Empore.

„In Worpswede waren Menschen, die ihren Lebensweg in der Kunst gesucht und gefunden haben, die etwas schaffen wollten, worin ihre ganze Seele liegt – allen voran Paula Modersohn-Becker“, sagt Heidrun Bomke über ihre Faszination zum Künstlerdorf.

Ihre Reise beginnt sie am Barkenhoff, Haus des Malers Heinrich Vogeler und ab 1900 Mittelpunkt des Freundeskreises aus Künstlern und Intellektuellen. Von dort geht es weiter zum Friedhof, wo auch Paula Modersohn-Becker begraben liegt. „Sie starb im Kindsbett“, sagt Heidrun über die 31-jährige Frau. „Und sie spürte, dass sie ein kurzes Leben haben würde. Doch sie wollte es feiern wie ein Fest.“

Ein kurzes Leben – aber ein Fest

Verzierungen in der Kirche erinnern bis heute an das junge, ungestüme Gemüt der Malerin, die eines Tages mit ihrer Freundin Clara Westhoff die Kirchturmglocken läutete und so im Dorf einen Feueralarm auslöste. Die Blumengemälde sollten eine Wiedergutmachung sein.

Die Große Kunstschau: Heimat der ersten Malergeneration

Bonze des Humors von Bernhard Hoetger

Auf dem Weg zur Großen Kunstschau treffen wir den „Bonzen des Humors“, geschaffen von Architekt und Bildhauer Bernhard Hoetger.

Zurück geht es durch die Worpsweder Fußgängerzone – gesäumt mit Handwerksläden, kleinen Galerien und Reetdachhäusen – zur Großen Kunstschau, eines der vier Museen neben zahlreichen Galerien und Ateliers in Worpswede. In einer Dauerausstellung zeigt das Museum, selbst ein architektonisches Kunstwerk, die berühmtesten Werke der ersten Worpswerder Malergeneration.

Auch viele Bilder von Paula Modersohn-Becker hängen dort. Mehr als 700 hat die Künstlerin bis zu ihrem Tod gemalt. Darauf Landschaften und immer wieder Menschen. Für die Selbstporträts, die sie auch nackt zeigen, hagelte es vor mehr als hundert Jahren Kritik. Heute ist sie weltberühmt als eine der ersten Wegbereiterinnen des Expressionismus.

"Was denkt ihr bei diesem Bild", fragt Heidrun ihre Begleiter.

„Was fühlt ihr bei diesem Bild?“, fragt Heidrun ihre Begleiter, die sie an historische Orte führt.

Paula in der Böttcherstraße

Neben den Museen in Worpswede zeigt das von Bernhard Hoetger 1927 gebaute Paula Modersohn-Becker Museum in der Bremer Böttcherstraße die Werke einer der bedeutendsten Künstlerinnen der Moderne. Heidrun Bomke wird ihre Reise dort beenden.

Das Museum in Bremen ist das erste, das weltweit für eine Malerin eröffnet worden ist und einen Teil von Paulas Arbeit beherbergt, auf die sie so früh und zielstrebig hingearbeitet hat, wie Heidrun Bomke erklärt: „Sie malte, weil sie es als ihre Lebensaufgabe betrachtete. Und das in einer Zeit, in der es für Frauen unüblich war, ihren eigenen künstlerischen Weg zu gehen. Das finde ich mutig und sehr inspirierend.“


Um über Paula Modersohn-Becker zu sprechen, kommt Heidrun Bomke regelmäßig nach Worpswede. Demnächst vom 4. bis 8. Januar. Von Vegesack aus ist die Künstlerkolonie auch mit dem Schiff zu erreichen. Weitere Informationen gibt  die Bremer Touristik-Zentrale.

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