Auf Tour mit Emma

Eine Stadt zu erkunden kann zu Fuß ziemlich anstrengend sein. Entspannung bietet der Mini-Elektrobus Emma. Das Gefährt ist so flink, dass es seine Fahrgäste im Handumdrehen in und durch die Überseestadt bringt. 

Wir sind zu zehnt als wir uns auf „Emmas“ Polstern niederlassen. Gemütlich fahrend wollen wir Bremens Überseestadt erkunden. Nicht in einem großen Tour-Bus an Fensterscheiben klebend, sondern nah dran am Geschehen, in dem mobilen Elektrofahrzeug Emma. Die Sommerdecke um die Hüften geschlagen sind wir eine Truppe aus wissbegierigen Touristen von Niedersachsen bis Südkorea — und mindestens einer fußlahmen Bremerin.

Emma – eine Kooperation zwischen Bremer Touristik-Zentrale und Straßenbahn AG

„Ich lasse sprechen – und zwar vom Band“, sagt unser Fahrer Matthias zu Beginn der knapp 70-minütigen Tour. Normalerweise steuert er Busse und Bahnen der Bremer Straßenbahn Aktiengesellschaft BSAG, doch während der Sommersaison dreht er mit Emma seine Runden durch das mehr als hundert Jahre alte Hafenquartier im Herzen der Stadt.

Theresa spricht mit Emma-Fahrer Matthias

Faktencheck: Bus- und Bahnfahrer Matthias kennt Bremen wie seine Westentasche.

Die Bremer kennen Emma längst. Fußgänger lächeln, Autofahrer winken und Radfahrer überholen, als wir unseren Startpunkt am Marktplatz verlassen und mit entspannten 25 Stundenkilometern entlang der Weserpromenade Richtung Westen zockeln. Nach wenigen Minuten ragt vor uns der gläserne Wesertower empor, das höchste Bürogebäude der Stadt, wie eine sanfte Stimme vom Band erklärt. Der Bau des Turms sei eines der ersten Projekte gewesen, um das alte Hafengebiet zukunftsfähig zu gestalten.

Mit Unmengen von Sand wurde der Überseehafen 1998 aufgefüllt – eine Umstrukturierungsmaßnahme für den aus dem 19. Jahrhundert stammenden Hafen, der die Ansprüche des modernen Schiffsverkehrs nicht mehr erfüllen konnte. Auf 300 Hektar Gesamtfläche entstand ein völlig neuer Stadtteil – und soll bis 2025 weiterhin entstehen. Bis heute hat das Entwicklungsprojekt bereits zahlreiche Firmen, Restaurants und Kreative in die futuristischen Neubauten und die renovierten Lofts gezogen.

Weserpromenade Schlachte

Ganz entspannt: Mit dem Rad vom Marktplatz zur Überseestadt dauert es nur wenige Minuten.

Überseestadt: Über 100 Jahre lang Umschlagplatz für Waren

Der Wind weht frisch als wir mit Emma das Becken am alten Europahafen erreichen. Schick ist es hier: Die ebenen Betonstufen laden zum Sitzen und Beobachten ein, die Promenade entlang der Schuppen und Cafés hingegen zum beobachtet werden. Von meinem Rücksitz aus erspähe ich hinter bodentiefen Fenstern blank polierte Oldtimer: Das Zentrum für Automobilkultur und -geschichte ist eines von vielen Sehenswürdigkeiten in der Überseestadt, die ihrer ursprünglichen Bedeutung Tribut zollen: dem über hundert Jahre lang andauernden Umschlag und der Verarbeitung von Waren aus der ganzen Welt.

Neubau am Europahafen und der Speicher XI

Vergangenheit trifft Moderne: Im historischen Speicher XI (rechts) sitzt unter anderem die Hochschule für Künste.

Im Hafengebiet abseits der Weser, wo sich Container stapeln und der Fischgeruch beißt, werden bis heute Futtermittel, Getreide und Kaffee umgeschlagen. In der ehemaligen HAG-Fabrik sitzt die Bremer Traditionsrösterei Lloyd, die für Besucher den unter Denkmalschutz stehenden Marmorsaal öffnet. Ebenfalls denkmalgeschützt verbindet der 400 Meter lange Speicher XI Geschichte und Moderne. Der rote Backsteinbau beherbergt nicht nur die Hochschule für Künste, sondern auch das Hafenmuseum sowie das Infocenter Überseestadt. Erinnert das eine an die Vergangenheit der Bremer Häfen, blickt das andere in deren Zukunft.

Trubel herrscht im Quartier, wenngleich nicht durch den Schiffsverkehr. Es sind Baukräne und Bagger, die überall heben und werken. Während wir den Weg zurück Richtung Innenstadt einschlagen, entsteht hier etwas Neues, dessen Entwicklung jeder stets hautnah mitverfolgen kann. Also einfach mal hin spazieren — die Überseestadt ist nur einen Katzensprung entfernt.

Update 2017: Der Mini-Bus Emma ist mittlerweile leider in Rente – stattdessen ist aber jetzt der Stadtmusikanten-Express in Bremen unterwegs.

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