Warm, wohlig, weich – Achtung, es wird muckelig!

Was gibt es Gemütlicheres, als an einem verregneten Herbsttag in eine Wolldecke gewickelt auf dem Sofa zu liegen und Tee zu trinken? Oder sich mit einer Tüte Popcorn in einen Kinosessel sinken lassen und Welt für eine Zeitlang draußen lassen? Gemütlichkeit mag in vielen Gestalten auftreten, auch Bremen hat ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Hier kommen meine ganz persönlichen Bremen muckelig-Momente für euch.

Das Wort „muckelig“ kennen vor allem Menschen aus Nordrhein-Westfalen. Doch auch über die Bundeslandgrenzen hinaus ist dieser Begriff für Gemütliches durchaus bekannt. Zu Bremen passt er besonders gut, finde ich. Wenn ich mit Leuten über die Hansestadt spreche, wird nicht selten dieses Attribut gewählt. Trotz Großstadt-Flair lässt es sich hier ziemlich gemütlich leben und sein.

Gerade Herbst- und Wintertage sind prädestiniert dafür, die muckeligen Seiten Bremens kennen zu lernen und auszukosten. Ich stelle euch meine Highlights anhand eines imaginären Tages einmal vor.

Probier’s mal mit Gemütlichkeit…

Nach dem Aufstehen mache ich mir natürlich erst einmal einen Kaffee. Frisch gemahlen und mit viel Milchschaum – das gehört definitiv zum Muckelig-Gefühl für mich dazu. Das Blubbern meiner Espressokanne und das Schaumschlürfen üben etwas Beruhigendes auf mich aus. Vor einiger Zeit ist übrigens bei mir das Puzzle-Fieber ausgebrochen. Auch das beruhigt mich ungemein.

Gemütlich mit Kaffee und Puzzle in den Tag startet - das lob ich mir! :)

Gemütlich mit Kaffee und Puzzle in den Tag startet – das lob ich mir! :)

Daher mache ich mir ein Hörspiel an und puzzle erst einmal ein Stündchen. Von Zeit zu Zeit verabrede ich mich auch gerne mal mit Freunden zum Spieleabend. In manchen Kneipen und Bars kann man auch Gesellschaftsspiele leihen, zum Beispiel im Connection in der Neustadt.

…mit Ruhe und Gemütlichkeit…

Nachdem ich gemütlich mit Kaffee und Puzzle in den Tag gestartet bin, fahre ich in den Bürgerpark. Mit der richtigen Ausstattung und Kleidung ist es auch hier immer irgendwie muckelig – egal, bei welchem Wetter. Einer meiner Lieblingsorte im Bürgerpark ist der Gerdespavillon. Die hübsche Holzkonstruktion steht im östlichen Teil des Parks in der Nähe der Meierei. Von hier kann man einen Weitblick über die große Wiese in Richtung Tiergehege genießen. Irgendwie hat auch dieser Ort etwas Ruhiges und Gemütliches für mich. Mit Decke und Tee ausgestattet lasse ich mich hier für einen Moment lang nieder, lausche dem Rauschen und Rascheln der Bäume und lasse den Blick schweifen. Sehr muckelig!

Mit Tee bleibt's wohlig warm - auch bei schlechtem Wetter.

Mit Tee bleibt’s wohlig warm – auch bei schlechtem Wetter.

Wer's ganz offiziell gemütlich haben möchte, kauft oder genießt vor Ort seinen Tee im Teestübchen Schnoor. (Foto: Lea Kleinspehn)

Wer’s ganz offiziell gemütlich haben möchte, kauft oder genießt vor Ort seinen Tee im Teestübchen Schnoor.

So sieht der Gerdespavillon übrigens bei schönem Wetter aus :)

So sieht der Gerdespavillon übrigens bei schönem Wetter aus :)

Fürs „Wiederaufwärmen“ fallen mir jetzt gleich mehrere Optionen ein. Zum Einen gehe ich ab und zu sehr gerne ins Hamam. Sauna ist zugegebenermaßen nicht so meins, aber im Hamam mit all dem Wasser und der hohen Luftfeuchtigkeit fühle ich mich wohl. Im Badehaus Bremen, wo ich schon häufiger war, gibt es sogar beides. Im Innenhof kann man nach einem Hamam- oder Saunagang eingemuckelt in Bademantel, Handtuch und Decke auch im Winter einen Momentlang abdampfen.

Mmmmhhh, jetzt wird's warm! Im Hamam kann ich sehr gut entspannen und gleichzeitig meiner Vorliebe fürs "Wasserplanschen" nachgehen :)

Mmmmhhh, jetzt wird’s warm! Im Hamam kann ich sehr gut entspannen und gleichzeitig meiner Vorliebe fürs „Wasserplanschen“ nachgehen :), Foto: Badehaus

Wer sich lieber mit Klamotten am Körper aufwärmen möchte, dem kann ich absolut ein Besuch in der botanika empfehlen. Schon in den asiatischen Gewächshäusern wird einem ob der wundervollen Pflanzenwelt ganz warm ums Herz. Und so richtig ins Schwitzen kommt man im tropischen Gewächshaus, wo unter anderem die Schmetterlingsausstellung einen Großteil des Jahres läuft. Es gibt hier Sitzgelegenheiten, auf denen ich mich gerne niederlasse, sobald ich mich akklimatisiert habe. Man kann hier den Schmetterlingen zuschauen oder einfach lesen. Kurzum: Ein muckeliger Ort der etwas anderen Art, aber durchaus gemütlich und wohlig warm.

Muckeligkeit der etwas anderen Art: Im Tropenhaus der botanika herrschen rund 25 Grad und höchste Luftfeuchtigkeit. Hier lässt sich auch in der kälteren Jahreszeit die Gemütlichkeit der Wärme erfahren. Garantiert gut fürs Gemüt - daher kommt wohl auch der Begriff, oder?!?

Muckeligkeit der etwas anderen Art: Im Tropenhaus der botanika herrschen rund 25 Grad und höchste Luftfeuchtigkeit. Hier lässt sich auch in der kälteren Jahreszeit die Gemütlichkeit der Wärme erfahren. Garantiert gut fürs Gemüt – daher kommt wohl auch der Begriff, oder?!?

…jagst du den Alltag und die Sorgen weg…

Ein ganz besonders muckeliger Ort befindet sich in der Schildstraße im Viertel. Wer etwas Kulturelles unternehmen und das in supergemütlichem Ambiente tun möchte, der ist im Literaturkeller genau richtig. In dem winzigen Raum, in dem gerade einmal 20 Menschen Platz finden, findet an fast jedem Abend Theater statt. Meist nur Ein-Mann-Shows, manchmal sind sie zu zweit. Enge und Nähe mögen zu Beginn etwas befremdlich sein, strahlen dann aber durchaus absolute Gemütlichkeit aus. Der Kellertheaterraum und das schummrige Licht lassen mich sehr geborgen fühlen.

Klein aber fein: Im Literaturkeller in der Schildstraße geht's stets recht muckelig zu.

Klein aber fein: Im Literaturkeller in der Schildstraße geht’s stets recht muckelig zu.

Das Abendprogramm meines „Muckelig“-Tags gestalte ich wie folgt: Nach dem Aufwärmen im Badehaus beziehungsweise in der botantika fahre ich ins Schnoor-Viertel, Bremens wahrscheinlich muckeligstes Quartier! Hier steuere ich einen bestimmten Ort an, nämlich das Ausspann gleich am Anfang der Hauptgasse im Schnoor 1. Das Ausspann ist ein ganz besonderes Haus, über das ich schon mal berichtet habe. Mein heutiges Ziel ist der gemütliche Zwischenboden (der ehemalige Heuboden). Hier lasse ich mich auf einem der Polster nieder, bestelle mir etwas Leckeres zu essen, bediene mich beim Tee aus dem Samowar und stelle fest, dass es auch hier eine beträchtliche Auswahl an Gesellschaftsspielen gibt. Das Gefühl von Gemütlichkeit und Muckeligkeit macht sich jetzt vollends in mir breit. Draußen zerrt ein Herbststürmchen an den Fenstern und der Regen macht es nur noch umso gemütlicher hier drinnen. Das nächste Mal nehme ich auf jeden Fall auch mein Strickzeug mit – das ist nämlich ein weiterer Inbegriff von Gemütlichkeit für mich. Das Klappern und Klimpern der Nadeln hat mich schon als Kind beruhigt, wenn meine Großmutter und meine Mutter gestrickt haben.

Teppiche, Schaffelle, weiche Kissen - fertig ist die Kuschelhöhle. Auch die niedrigen Decken des historischen Heubodens im Ausspann tragen ihren Teil zur Gemütlichkeit bei.

Teppiche, Schaffelle, weiche Kissen – fertig ist die Kuschelhöhle. Auch die niedrigen Decken des historischen Heubodens im Ausspann tragen ihren Teil zur Gemütlichkeit bei.

Stricken zum Runterkommen - vor allem im Herbst und Winter eine absolute Muckel-Tätigkeit.

Stricken zum Runterkommen – vor allem im Herbst und Winter eine absolute Muckel-Tätigkeit.

Mein Anschlussziel ist nur einen Katzensprung entfernt: Im Atlantis-Kino in der Böttcherstraße hat man nicht nur das gemütliche Ambiente des Bauensemblems aus den 1920er Jahren um sich herum, sondern auch ein kleinen Barraum mit gemütlichen Plätzen und einen umso muckeligeren Kinosaal, der mit seinen 88 Plätzen eher ein Sälchen denn ein ausgewachsener Saal ist. Sehr gemütlich!

Vor allem abends mutet es hier sehr "muckelig" an: Die Böttcherstraße und das Haus Atlantis, wo sich das gleichnamige Kino befindet.

Vor allem abends mutet es hier sehr „muckelig“ an: Die Böttcherstraße und das Haus Atlantis, wo sich das gleichnamige Kino befindet.

… denn mit Gemütlichkeit kommt auch das Glück zu dir!

Zum Abschluss meines Tages voller Bremer Muckeligkeiten kehre ich noch in die Heldenbar ein. Was ich morgens mit einem Kaffee begann, schließe ich jetzt mit einem leckeren Bier ab. Die Auswahl in der gemütlichen Bar über dem Cinema am Ostertor ist ziemlich gut.

Für den Absacker in die Heldenbar: Ambiente und der Blick nach draußen strahlen etwas Beruhigendes aus.

Für den Absacker in die Heldenbar: Ambiente und der Blick nach draußen strahlen etwas Beruhigendes aus.

Ich brauche einen Moment lang, um mich zu entscheiden. Eigentlich gehört zum Thema „muckelig“ für mich auch ein Whisky, aber heute ist mir eher nach einem Bierchen. Den Whisky hole ich nach.

Es gibt ganz bestimmt noch weitere Tage, die das Prädikat „muckelig“ verdient haben und deren Gemütlichkeit ich mit einem leckeren Tröpfchen zelebrieren kann. Dazu ein bisschen Kerzenschein und viel Wolle und Weiches um mich herum – fertig, ist die Muckeligkeit!

Viele weitere muckelige Bremer Orte findet ihr hier.

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