Bremer Köpfe: Heini Holtenbeen

Wer aufmerksam durchs Schnoor-Viertel läuft, dem begegnet am einen Ende der „Wüstestätte“ in der Nähe der Weser die Bronzefigur einer Bremer Berühmtheit. Hier – oft von Tischen und Stühlen einer Gaststätte umgeben  – steht mit verschmitztem Blick, auf seinen Stock gestützt und mit Melone behütet Heini Holtenbeen. Ich habe ihn besucht und konnte mal wieder etwas Neues über Bremen erfahren.

Heini Holtenbeen – was für ein schöner Name, oder?!? Immer mal wieder ist er mir begegnet, dieser Name, und jedes Mal habe ich mich an seinem plattdeutschen Klang erfreut. Der Mann, der hinter diesem Namen steckt, hieß mit bürgerlichem Namen Jürgen Heinrich Keberle. Geboren wurde er 1835 als Sohn eines Schuhmachers aus Böhmen. Er wuchs am Tiefer am Rande des Schnoor-Viertels auf.

Hinkebein ohne Holz

Die fälschliche Annahme, er habe ein Holzbein, brachte ihm den Spitznamen „Holtenbeen“ (Plattdeutsch für Holzbein) ein. Zwar litt er nach einem Sturz aus einer Dachluke an einem steifen Bein und humpelte seither, doch ein Holzbein hatte er nicht. Von diesem Sturz während seiner Lehrzeit bei einem Tabakküpermeister trug er auch einen leichten Hirnschaden davon, was zu seinem wunderlichen Verhalten führte. Zunehmend traf man ihn auf dem Bremer Marktplatz an, wo er den Kaufleuten vor der Börse ihre Zigarrenreste abnahm, um daraus neue Zigarren zu drehen, die er dann verkaufte.

Leicht verschmitztes Lächeln: Heini Holtenbeen hatte immer einen lustigen Spruch auf den Lippen. Er bettelte auch nicht um Geld, sondern bat stets um ein Darlehen, das er zurückzahlen wollte.

Leicht verschmitztes Lächeln: Heini Holtenbeen hatte immer einen lustigen Spruch auf den Lippen. Er bettelte auch nicht um Geld, sondern bat stets um ein Darlehen, das er zurückzahlen wollte.

Leicht gebückte Haltung, ein schmuddeliger Lodenmantel, der Gehstock als Stütze: So traf man Heini Holtenbeen im 19. Jahrhundert auf dem Bremer Marktplatz an.

Leicht gebückte Haltung, ein schmuddeliger Lodenmantel, der Gehstock als Stütze: So traf man Heini Holtenbeen im 19. Jahrhundert auf dem Bremer Marktplatz an.

Charmant mit Melone

Durch seinen vorlaut-charmanten Auftritt und sein Erscheinungsbild mit schmuddeligem Mantel, zerbeulter Melone und Gehstock wurde er schnell zum Stadtoriginal. Dazu trugen auch seine lustigen Bettelsprüche bei, die  gewissermaßen zu seinem Markenzeichen wurden. Zum Beispiel bat er Passanten stets um ein „Darlehen“ mit dem Spruch: „Segg mal, kannst mi nich’n halwen Groschen lenen, ick schrief dat in min Hauptbook in.“

Immer mit seinem Gehstock unterwegs, sammelte er vor der Börse am Marktplatz Zigarrenreste, die er zu neuen Zigarren rollte, um sie zu verkaufen. Manche rauchte er aber auch selbst.

Immer mit seinem Gehstock unterwegs, sammelte er vor der Börse am Marktplatz Zigarrenreste, die er zu neuen Zigarren rollte, um sie zu verkaufen. Manche rauchte er aber auch selbst.

Vorm Packhaus Theater steht die Skulptur von Klaus Homfeld seit 1990.

Vorm Packhaus Theater steht die Skulptur von Klaus Homfeld seit 1990.

Er wohnte lange Zeit in bescheidenen Verhältnissen im Schnoor-Viertel, bevor er 1899 in ein Armenhaus im Stephaniviertel eingewiesen wurde. Zehn Jahre später starb er im St.-Jürgen-Asyl in Osterholz-Ellen. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Oberneuland.

Im Schnoor-Viertel wuchs er auf und hier wohnte er auch später noch in ärmlichen Verhältnissen.

Im Schnoor-Viertel wuchs er auf und hier wohnte er auch später noch in ärmlichen Verhältnissen.

Original und Skulptur

Bis heute ist Heini Holtenbeen im Bremer Stadtbild erhalten. Nicht nur als Bronzeskulptur von Klaus Homfeld, die seit 1990 im Schnoor-Viertel zu finden ist, sondern beispielsweise auch als Straßenname in Walle und als Straßenbahnwagen der BSAG. Im Bremer Geschichtenhaus kann man außerdem auch noch so einiges über das Bremer Stadtoriginal erfahren.

Unser Tipp: Bucht euer Ticket für das Geschichtenhaus gleich online.

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