Es brutzelt die Bulette – Besuch beim Burgermeister

Nach und nach schüttelt der Hamburger seinen Ruf des ungesunden Fastfoods ab. Dem Trend des Edelburgers möchte ich heute auf den Zahn fühlen und das tue ich am besten, indem ich mir eines jener Objekte auf der Zunge zergehen lasse. Frisch zubereitet vom Profi: Das nenne ich Burgerservice.

Ich treffe Sous Chef Sascha Vietzke im Foyer des Radisson Blu in der Innenstadt. Er kocht in der Küche des Hotelrestaurants The Lobby und ich darf ihm heute über die Schulter schauen, während er mir einen leckeren Burger zubereitet. Freude!

Gemeinsam betreten wir die Küche. Auf einer Arbeitsfläche hat der junge Koch bereits alles für unsere kleine Burger-Session vorbereitet. „Wir machen heute den Lobby-Burger, unseren Hausburger“, erklärt mir Sascha und zeigt auf die dazugehörigen Zutaten. Roggen-Meersalz-Brötchen, Sour Creme und ein Relish aus Zwiebeln, getrockneten Tomaten und Speck – und nicht zu vergessen natürlich der sogenannte Patty aus Rinderhack. „Jeden Tag von uns frisch vorbereitet, mit Rinderbauchfleisch aus Cuxhaven“, betont der Sous Chef. „Das macht viel vom Geschmack aus.“ In der Tat finde ich das später noch selbst heraus.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Egal, welche Zutaten - am Ende ist es immer ein Burger.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Egal, welche Zutaten – am Ende ist es immer ein Burger.

Schritt für Schritt kann ich jetzt beobachten, wie die einzelnen Zutaten langsam zu einem großen Ganzen werden. Der Patty wird auf dem Grill gebraten, wo für kurze Zeit auch das Brot angeröstet wird. Die Pommes Frites kommen in die Friteuse, das Relish wird im Topf erhitzt.

Schritt für Schritt zum Burgerglück: Alles frisch!

Schritt für Schritt zum Burgerglück: Alles frisch!

Auch Pommes sind nicht gleich Pommes: Hier werden leckere Steakhouse-Fritten zubereitet.

Auch Pommes sind nicht gleich Pommes: Hier werden leckere Steakhouse-Fritten zubereitet.

Während die 220 Gramm-Frikadelle vor sich hin brutzelt, damit sie meine gewünschte Garstufe „well-done“ erreicht, sprechen wir über den Edel-Burger-Trend, der seit einigen Jahren auch in Bremen Einzug hält. Hamburger kommen auf einmal als edles Gericht daher. Zum ersten Mal hatte ich in den USA diese Erkenntnis. Man verabredete sich zum Burgeressen und ich wunderte mich noch. Doch als ich dann meinen 20 Dollar-Cheeseburger mit Süßkartoffel-Frites, frischem Feldsalat und Balsamico-Dip auf der Rinderbulette vor mir stehen hatte, wusste ich, dass dem Handfrikadellenbrot ein falscher Ruf anhaftet. Mit dem, was ich bis dahin aus den gängigen Schnellrestaurants kannte, hatte das nichts mehr zu tun. Ich gebe zu: Seitdem bin ich ein Burger-Fan.

Irgendwas an der Mischung aus Frikadelle, Gemüse und Brot scheint im wahrsten Sinne des Wortes einen breiten Geschmack zu treffen. Der Ursprung des Burgers liegt bis heute im Schatten. Einigermaßen sicher ist, dass das „ham“ in Hamburger nichts mit dem englischen Schinken zu tun hat. Dann aber gabeln sich die Erklärungswege, denn nicht zwangsläufig ist der Hamburger auch im deutschen Hamburg entstanden. Es kursieren etwa vier Geschichten, die sich zum Beispiel hier sehr amüsant nachlesen lassen. Als Pendant zum Hamburger gibt es übrigens – wie im echten Leben ;-) – auch den Bremer. Dieser ist mit Fischfrikadelle und Remoulade quasi die maritime Entsprechung.

Es gibt Fleisch, Baby!

Nach etwa fünfzehn Minuten steht jetzt das belegte Edelbrötchen vor mir. Ansehnlich auf einem schicken Teller drapiert mit Steakhouse-Pommes und Coleslaw im Schälchen (der amerikanischen Version des Krautsalats, heißt: mit Sahne und Mayonnaise angemacht), dazu noch dreierlei Dips für die Fritten. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Gleich beim ersten Bissen schmecke ich die Qualität. Frisch ist eben immer noch am leckersten.

Soße, Salat, Sour Creme - und dazwischen die Bulette und das Relish: Fertig ist der Lobby-Burger.

Soße, Salat, Sour Creme – und dazwischen die Bulette und das Relish: Fertig ist der Lobby-Burger.

Der Burgermeister himself: Sascha Vietzke ist Sous Chef.

Der Burgermeister himself: Sascha Vietzke ist Sous Chef.

Genuss wieder ganz weit vorne

Woher kommt denn nun dieser Trend des Edelburgers? „Ich glaube, die Leute wollen sich wieder gesünder ernähren und mit mehr Genuss essen“, fasst Sascha zusammen. In Berlin bekäme man inzwischen an fast jeder Ecke gute Burger, die nichts mehr mit dem Fastfood-Gedanken am Hut haben, den man einst mit ihnen verband. „Und auch in Bremen gibt es ja immer mehr.“

Das stimmt. Auf Anhieb fallen mir allein im Viertel eine Hand voll Stationen ein, wo man wirklich gute Burger bekommt. Sei’s die schnelle, aber dennoch leckere Variante Burgerhaus vorne am „Steintor“ oder die etwas gehobene Alternative in der Rockwurst am Dobben. Auch in der Innenstadt gibt es neben dem Restaurant im RadissonBlu-Hotel noch andere Burger-Zentren. Das Q1 beispielsweise und ein paar Meter weiter seit einiger Zeit auch das 1885, das sich sogar explizit als Burger-Restaurant ausgibt.

Im Trend liegen natürlich auch vegetarische Burger, die in den meisten Gastronomien mit einer Gemüse-Bulette gereicht werden. Im „Lobby“ wird der Veggie-Burger mit gebratener Zucchini, Mozzarella und Rucola-Salat angeboten. Klingt auch ziemlich gut. Den probier ich dann beim nächsten Mal.

Wahre Lobby-Arbeit: Der Lobby-Burger.

Wahre Lobby-Arbeit: Der Lobby-Burger.

Nach etwa der Hälfte meines Burgers muss ich leider das Handtuch beziehungsweise die Papierserviette schmeißen. Das 220 Gramm-Monster mit 140 Gramm-Brötchen, Salat und Relish hat gewonnen. Dabei gibt es hier sogar noch einen doppelt so großen Burger, der als „Bremen’s Biggest Burger“ in der Karte aufgeführt ist. Den Rest meines Burgers vertilge ich später noch, ich bekomme nämlich – ganz dem US-amerikanischen Stil treubleibend – ein Doggybag mit.

Es gibt bestimmt noch viele weitere gute Adressen für Burger in Bremen – wenn euch etwas einfällt, schreibt einen Kommentar!

4 Anmerkungen zu “Es brutzelt die Bulette – Besuch beim Burgermeister

  1. Marlis says:

    Nicht zu vergessen das seit kurzem eröffnete Biggie B in der Knochenhauerstraße und die Burger im Hergarty’s sind ein Fest!

  2. Rike Oehlerking says:

    Danke für die Tipps! Ja, stimmt. Der Burger im Hegarty’s auf dem Ostertorsteinweg ist in der Tat eine leckere Geschichte :-)

  3. Kai Luehmann says:

    Vielen Dank für den schönen Beitrag
    Den Titel „Burgermeister“ hatten wir bislang noch nicht im Repertoire – bis heute:)
    Tolle Ostertage! – das Team vom Radisson Blu

  4. Rike Oehlerking says:

    Freut mich! Mit „Burger“ und „Bürger“ lassen sich noch eine ganze Menge Wortspiele kreieren: Burgerfest, Burgertum, Burgerbeauftragte usw. :-)

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