Die Stadtmusikanten — Wahrzeichen Bremens

Vor 61 Jahren wurde in Bremen die Statue der „Bremer Stadtmusikanten“ aufgestellt. Doch zunächst war die Freude getrübt. Kritiker sagten, ihr Schöpfer Gerhard Marcks — damals schon einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer — habe die Plastik zu modern geschaffen. Doch Marcks selbst ließ sich nicht beirren. Für ihn waren die Stadtmusikanten mehr als nur ein Auftrag.

„Sie bleiben“ verkündete die Bremer Volkszeitung 1954 in einer Artikelüberschrift. Die Diskussion um die Bronzefigur der Bremer Stadtmusikanten hatte endlich ein Ende. Begonnen hatte sie ein Jahr zuvor. Als sie probeweise enthüllt wurde, konnte sich so mancher Betrachter nicht mit ihr anfreunden. Zu modern und abstrakt seien Esel, Hund, Katze und Hahn, lautete die Kritik. Doch während die einen schimpften, sammelte der Bremer Verkehrsverein, seit Ende der neunziger Jahre Gesellschafter der Bremer Touristik-Zentrale, Spenden, um das Denkmal endgültig zu kaufen. Gut so.

Hand an der Stadtmusikantenstatue

Anschauen und Anfassen der bronzenen Stadtmusikantenstatue gehören zum Pflichtprogramm beim Besuch in Bremen: Beide (!) Vorderläufe des Esels zu berühren soll Glück bringen.

Bremens berühmtestes Motiv — wer steckt dahinter?

Der Schöpfer der Plastik, Bildhauer Gerhard Marcks (1889 — 1981), zeigte sich gelassen über die damaligen Proteste, wie Dr. Arie Hartog sagt. Hartog leitet das Gerhard-Marcks-Haus in Bremen. Als Direktor des 1971 eröffneten Bildhauermuseums, das rund ein Drittel des künstlerischen Werks bewahrt, hat er sich intensiv mit der Stadtmusikantenstatue beschäftigt.

Archivbilder der Stadtmusikantenstatue

Das Gerhard-Marcks-Haus bewahrt gut ein Drittel des Werks des Bildhauers — und Infos zur Entstehung. Das Foto rechts zeigt die Original-Gipsform der Stadtmusikantenstatue in Marcks‘ Kölner Atelier. Links und unten rechts im Bild: Dr. Arie Hartog.

Mehr als ein Auftrag

Kritik an den Stadtmusikanten, so sagt Hartog, sei damals nicht nur seitens der Bremer Bevölkerung gekommen. Zum Teil hätten auch Künstlerkollegen das märchenhafte Motiv belächelt. In den 50er Jahren — Marcks war unter anderem bekannt für seine Kriegsdenkmäler — wollte der spielerische Auftrag nicht recht zu seinen übrigen, eher schweren Themen passen. „Doch all das kümmerte Marcks nicht“, sagt Hartog. „Er hatte von Anfang an Vertrauen in seine Figur — trug ja sogar zuerst das finanzielle Risiko. Für ihn war es mehr als nur ein Auftrag. Es ging ihm schlichtweg um gute Bildhauerei.“

Plastiken im Depot des Gerhard-Marcks-Hauses

Der Keller ist voll: Im Depot des Gerhard-Marcks-Hauses stehen rund 300 Werke — darunter eine Miniatur der Stadtmusikanten. Ein besonderer Service: Auf Anfrage können sich Besucher archivierte Plastiken zeigen lassen.

Marcks war begeistert — von der ersten Skizze an

Der Kontakt zum Verkehrsverein, Auftraggeber der Stadtmusikantenstatue, ergab sich 1951 über eine von der Bremer Kunsthalle ausgerichteten Ausstellung des Künstlers. Bereits auf den ersten Hinweis reagierte Marcks sofort mit einer impulsiven Skizze, an der er bei der Umsetzung der Plastik festgehalten hat. In seinem Kölner Atelier formte er ein Gipsmodell als Basis der übereinander angeordneten Stadtmusikanten. In einer Gießerei entstanden die einzelnen Stücke, die später für die zwei Meter hohe Statue aneinandergefügt wurden — für ihre bis heute markante, im Dreieck angeordnete Form.

Große Kunst und Kultobjekt

Die Stadtmusikantenstatue stehe für Marcks‘ zentrale künstlerische Anschauung, wie Dr. Arie Hartog erklärt: ein Gleichgewicht aus natürlichen Vorbildern und geometrischen Formen zu schaffen. „Für mich sind die Stadtmusikanten wirklich große Kunst“, sagt der Museumsdirektor. „Je öfter ich sie ansehe, desto besser werden sie. Immer wieder entdecke ich neue, perfekte Details.“

Die Stadtmusikanten als Kultobjekt.

Von der Kunst zum Werbegag: Die Stadtmusikanten zieren Süßigkeiten, Kochschürzen, Smartphone-Hüllen, Taschen, Geschirr und vieles, vieles mehr. Ganz rechts der Verkaufsschlager: Die abnehmbaren Plüsch-Stadtmusikanten.

Kunst im Öffentlichen Raum

Die Jahre haben Gerhard Marcks Recht gegeben. Zeitlos schön sind die Stadtmusikanten an der Rathausseite beliebtestes Fotomotiv und neben dem Roland und dem Rathaus Wahrzeichen Bremens. Sie anzuschauen macht Freude. Und sie öffnen den Blick auf andere Kunstwerke in der Stadt.

Diese Kunst im Öffentlichen Raum — nicht nur von Gerhard Marcks — ist überall in Bremen zu finden. Eine Übersicht mit mehr als 600 verzeichneten Werken gibt eine Website des Senators für Kultur Bremen. Oder einfach die Augen offen halten.

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