Die Welt ist eine Scheibe

Frisbees in Körbe werfen — die Kunst der Scheibenwerferei zieht deutschlandweit Disc Golf-Fans auf grüne Wiesen und Parcours. Auch in Bremen gewinnt der Trendsport immer mehr Anhänger. Ein eingefleischter Spieler ist Michael Rollnik. Sein Ziel: Die Welt mit Flugscheiben zu bereichern.

Es sind Scheiben frisch aus Neuseeland, die Michael Rollnik in seinem Laden auspackt. „Die ersten ‚Kiwi‘-Kisten in Europa“, sagt der junge, drahtige Mann mit einem Grinsen und begutachtet die Ware wie einen seltenen Schatz.

Mehr als 200 quietschbunte Disc-Modelle reihen sich in seinem Shop aneinander, allesamt einsatzbereit für eine suchtverdächtige Sportart: Disc Golf. Ziel ist es dabei, eine Scheibe mit möglichst wenig Würfen in einen Korb zu befördern. Verschiedene Korbpositionen, Bahnen und die Möglichkeit, die Flugscheiben zu wechseln, sorgen dabei für reichlich Abwechslung.

Bei Sky Fly in Bremen gibt es über 200 Scheiben.

Vom mobilen Zielkorb bis zu den Scheiben: Im Shop gibt es alles, was das Disc Golf-Herz begehrt — wie die Scheibe des EU-Weltmeisters 2012, dem Bremer Simon Lizotte (rechts).

Leidenschaft wurde zum Beruf

Das Spiel mit der Frisbee-Scheibe begleitet Ladenbesitzer Michael schon seit Kindesbeinen an. Zum Disc Golf kam er 2006, auf einem der damals noch wenigen deutschen Parcours in Potsdam. Als er 2009 nach Bremen zog, konnte er sein Glück kaum fassen: In der Hansestadt gab es nicht nur den Disc Golf-Park Areal 56 , sondern auch den Disc Golf-Verein Drehmoment.

Die Frisbee-Begeisterten schlossen schnell Freundschaft und trieben gemeinsam die Eröffnung des Weseruferparks im Jahr 2012 in Rablinghausen voran. 2013 machte Michael seine Leidenschaft zum Beruf und eröffnete seinen eigenen Shop: den ersten unabhängigen Disc Golf-Shop Deutschlands, wie er sagt.

Michael Rollnik im Sky Fly Shop

Jedermann kann Disc Golf spielen, sagt Ladenbesitzer, Trainer und Scheibenberater Michael Rollnik.

Die speziellen Discs (zwischen 100 und 200 Gramm) sind aerodynamischer als herkömmliche Frisbees und fliegen dadurch weiter und stabiler. Wenn es darum geht, Spielern — die dafür sogar hunderte Kilometer nach Bremen fahren — die perfekte Scheibe zu verpassen, darf ausgiebig diskutiert werden, beispielsweise über Kippverhältnis, Neigungswinkel und Flugverhalten der Plastikscheiben.

Ab auf den „Wup“ — der Weseruferpark

Mit einem „Driver“ zum Weitwerfen, einer „Midrange“ für kürzere Distanzen oder einem „Putter“ zum Einlochen geht es danach raus auf den sogenannten Kurs mit unterschiedlichen Bahnen und Körben. Von den Vereinsmitgliedern kurz „Wup“ getauft, tummeln sich im Weseruferpark gleichermaßen Einsteiger und Fortgeschrittene. Neben dem Spiel lässt sich auch der Blick auf weite Wiesen und das Weserufer genießen, denn stressig muss es beim Disc Golf nicht werden.

Abwurf und Putt im Weseruferpark

Vom Abwurfpunkt (Tee) bis zum Korb der längsten Bahn des Weseruferparks (links) sind es knapp 200 Meter. Rechts wird eingelocht (Putt).

„Disc Golfen ist vor allem ein sozialer Sport, bei dem Kumpels nebenbei auch quatschen oder ein Bierchen trinken können“, sagt Michael. Er selbst hat schon mit 84-Jährigen und kleinen Kindern gespielt — noch ein Vorteil des Scheibensports. Jedermann kann mitspielen, wie Michael sagt: „Es braucht keine Kraftprotze. Auch mit einem eleganten, gefühlvollen Stil klappt es gut.“

Ein Hinderniss im Weseruferpark

Einmal drum herum: Auf den 18 Bahnen des „Wup“ gibt es auch Hindernisse. Gelbe Pfeile — wie hier am linken Fuß des Turms — zeigen an, wo’s lang geht.

Die Bremer Fangemeinde wächst

Immer mehr Leute greifen in Bremen zur Scheibe. Rund 200, die regelmäßig spielen, seien es schon, schätzt Michael. „Wir Vereinsleute kommen ständig mit den Neuen in Kontakt, hier im Laden, auf dem Platz oder bei Turnieren, die regelmäßig auch für Nicht-Profis stattfinden“, sagt er. „Die Bremer sind offene Menschen und probieren gerne etwas Anderes aus.“

Auch mich hat Michael scheibenmäßig schon beraten. Optisch passt sie bereits gut: Das Stück — brandneu aus Neuseeland — ist rosa und glitzert. Wie die Midrange fliegt, will bald getestet werden.

Nachtrag vom 28.07.2015: Ein Bild oben zeigt noch den Laden Laden SkyFly im Bremer Viertel. Nun heißt er SuperFly Disc Sports und befindet sich in Woltmershausen. 

Nachtrag vom 29.03.2017: Nun ist Michael Rollnik samt Laden nach Potsdam gezogen. 

 

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