St. Petri Dom: Himmel, Erde und die Sache mit der Zeit

Wer hat an der Uhr gedreht? Ich nicht, aber aus der Uhr heraus. Im St. Petri Dom. Den Schlüssel hatte in diesem Fall aber nicht Petrus, sondern Pastor Henner Flügger. Vom bodenständigen Bibelgarten-Fest ging es hinauf, in eine himmlische Ruhe. 

Eigentlich wollte ich über Bier und Bienen schreiben, und beim Besuch der Bienen aufs Dach des Doms klettern. Himmel und Erde. Aber wie so oft kam es anders, denn: Die Bienen waren schon weg, und das Bier noch nicht da. Hier kommt die Zeit ins Spiel.

Von (ehemaligen) Bienen und (zukünftigem) Bier

Der Bibelgarten ist eine wunderbare Oase der Ruhe mitten in der Stadt. Ich habe darüber schon einmal berichtet, als es um die Mumien ging.  Hier wachsen ganz viele Pflanzen, die auch in der Bibel Erwähnung finden. Mit einer Ausnahme: Dem Hopfen. Also, der wächst dort, steht aber nach meiner Kenntnis nicht in der Bibel.

Es blüht was im Bibelgarten

Es blüht was im Bibelgarten

Im letzten Jahr gab es eine Premiere: Im Rahmen des Reformationsjahres wurde ein Dombier gebraut, denn Martin Luther war ein besonders guter Freund dieses Getränks. Seine Frau Katharina hatte der Überlieferung nach ein besonderes Brautalent. Ich habe zwar das Bremer Reformationsbier nicht mit gebraut, durfte beim Heimbrauer-Stammtisch aber einmal von der wohl letzten Flasche kosten. Leicht und spritzig war es.

Das Bierbrauen hatte einen ganz einfachen Grund: Wasser war früher von sehr schlechter Qualität, Bier war deutlich gesünder. Daher wurde von der gesamten Bevölkerung – inklusive Kindern – ein Leichtbier an Stelle von Wasser getrunken. Häufig waren es Klöster, die das Recht zum Brauen erhielten. Wie auch das Schwarze Kloster in Wittenberg, das Luther später als Wohnhaus diente. Das Braurecht erlosch dadurch nicht, weshalb Katharina fleißig Gerstensaft produzieren konnte.

Henner Flügger, der für das Foto leider mitten in der Sonne stehen musste um den Hopfen dahinter aufs Bild zu bekommen, hat auch in diesem Jahr mit einer Gruppe Interessierter Bier gebraut. Dazu hat er den Bibelgarten-Hopfen aus dem letzten Jahr verwendet. Für den Hopfen, den ihr auf den Bildern ranken seht, war es noch zu früh, die Ernte ist derzeit überall in vollem Gange. Aber nicht nur Hopfen kann eine Bier-Zutat sein. Im Bibelgarten habe ich Hirse entdeckt, mit der in Afrika gebraut wird (natürlich gemälzt und nicht als Hopfenersatz); in einem meiner privat selbst gebrauten Biere habe ich diese auch schon verarbeitet. Zudem machen sich diverse Kräuter gut im Bier, an sich können diese den Hopfen ganz ersetzen. Das entspricht zwar nicht dem Deutschen Reinheitsgebot (welches zu Luthers Lebzeiten eingeführt wurde), aber dann nennt man es halt nicht Bier, sondern Bräu. So einfach kann das gehen.

Mit Pastor Henner Flügger im Bibelgarten

Mit Pastor Henner Flügger im Bibelgarten

Die Bienen vom Dach hatten sich bereits verabschiedet, ich kam zu spät; zu kaufen gab es aber deren Honig. Und das auch nur beim Bibelgarten-Fest Mitte August. Ich wollte mir nach dem Turmaufstieg ein Glas gönnen. Vielleicht auch das Kräuteröl. Dann waren aber nicht nur die Bienen selbst, sondern auch die fleißigen Bienen – äh, Helfer*innen der Domgemeinde – weg. Nun gut, im nächsten Jahr … Da war sie wieder, die Sache mit der Zeit.

Bibelgarten-Kräuteröl und Dom-Honig

Bibelgarten-Kräuteröl und Dom-Honig

Ganz nach oben wollte ich nun, so weit in Richtung Himmel wie möglich. Wisst ihr eigentlich, dass der Dom immer noch das höchste Gebäude in der Stadt ist? Bis auf wenige Ausnahmen, wie dem Fallturm. Wenn ich nun nicht zu den Bienen aufs Dach steigen konnte, dann sollte es der Nordturm sein. Warum gerade der, das erfahrt ihr später.

Vom Garten in den Himmel - da geht es gleich hoch

Vom Garten in den Himmel – da geht es gleich hoch

Der Dom – ein geheimnisvoller Ort

Auch wenn ich selbst nicht gläubig bin, so schaue ich mir doch gerne Kirchen an. Unser Bremer Dom lohnt auf jeden Fall einen Besuch, gleich welcher Konfession man ist. Es ist ein offenes Haus, in dem es viel zu Entdecken gibt. Auch absolute Ruhe im Raum der Stille, ein toller Ort für eine Auszeit, ein wenig Entschleunigung.

Das Mittelschiff vom St. Petri Dom

Das Mittelschiff vom St. Petri Dom

Einige Kunstwerke, Darstellungen und Inschriften sind mir ein Rätsel. Eigentlich die meisten, da ich auch mit der Kirchengeschichte nicht so vertraut bin. Was macht zum Beispiel das Gesicht neben dem Ornament im Raum der Stille? Oder der Hampelmann im Gitter? Der Dom bietet diverse Führungen an, bei denen ihr sicher Antworten bekommt.

Kunst und Geheimnisvolles im Dom

Kunst und Geheimnisvolles im Dom

Verwunderlich ist auch, dass der Dom früher immer nur mit einem Turmdach dargestellt wurde. Inzwischen sind beide Türme gut behütet. Aber das ist auch so eine Sache der Zeit: In seiner 1.200-jährigen Geschichte hat sich eben einiges verändert. Antworten gibt es bestimmt im Dom-Museum.

Der Dom früher - heute hat auch der Südturm ein Dach

Der Dom früher – heute hat auch der Südturm ein Dach

Ein Detail, das mir vorher nie aufgefallen ist: Die alte Turmuhr. Sie erinnert mich daran, wohin es eigentlich gehen soll: Hinter die heutige Uhr. Und zwar fix, die Zeit drängt.

Domuhr von 1647

Domuhr von 1647

Der Nordturm – (fast) wie ein vergessener Ort

Den Südturm könnt ihr alle besteigen. Und der ist super. Er hat nur einen kleinen Haken: Das Netz ist auf allen Fotos und Filmen zu sehen. Es gibt Sicherheit und hält die Tauben ab, aber ist beim Fotografieren hinderlich. Also durfte ich auf den Nordturm, wo in der Uhrenklappe kein Netz ist. Logisch, die ist ja in der Regel geschlossen, und ich passe auch nicht hindurch. Das ging nur ausnahmsweise, einmalig, in Begleitung von Herrn Flügger, und ich habe eine große Bitte: Meldet euch nicht dort und fragt, ob ihr das auch sehen dürft. Es geht wirklich nicht. Euch müssen meine Fotos reichen.

Der Weg in die erste Ebene - über dem Gewölbe des Doms

Der Weg in die erste Ebene – über dem Gewölbe des Doms

Auf halber Höhe ging es über dem Domgewölbe heraus auf eine Art Balkon. Zu Public Viewing-Zeiten auf dem Domshof ein besonders schöner Platz. Normalerweise würde man auf den Wochenmarkt schauen, auf viel Leben – wenn es nicht Sonntag wäre. Rechts befindet sich übrigens die Markthalle Acht. Bis auf sonntags und montags gibt es dort wunderbare Dinge zu essen an verschiedenen Ständen. Das stille Örtchen ist aber täglich erreichbar.

Blick vom Balkon auf den Domshof

Blick vom Balkon auf den Domshof

Der Blick auf den Marktplatz ist vom Balkonende aus mal ganz anders. Genau diesen Marktplatz möchte ich fotografieren. Aber von weiter oben. Es geht also weiter.

Am Ende des Balkons kann man den Marktplatz sehen

Am Ende des Balkons kann man den Marktplatz sehen

Übrigens haben sich am Dach die damaligen Dachdecker verewigt. Von 1954 ist das Dach, lerne ich, schon damals von der Firma Osmers. Die macht so etwas noch heute. Ob es solch ein Schild auch am neuen Rathausdach gibt?

Dicht dran an Dach und Steinmetzkunst

Dicht dran an Dach und Steinmetzkunst

Vorbei ging es auch an den drei Glocken. Die vierte hängt im Südturm, in den auch ihr kommt. Da es gerade vorher geläutet hatte konnte ich ohne Schaden am Gehörgang zu nehmen darunter fotografieren. Richtig beeindruckend.

Der Glockenturm - gefahrlos für die Ohren, es hatte schon geläutet ...

Der Glockenturm – gefahrlos für die Ohren, es hatte schon geläutet …

Vom Glockenturm aus kann man durch einen Spalt – und mit eben jenem störenden Netz – den Marktplatz schon besser überblicken. Aber noch nicht gut genug.

Marktplatz-Blick aus dem Glockenturm

Marktplatz-Blick aus dem Glockenturm

Und noch einmal die Glocken in ihrer vollen massiven Pracht. Ob das rechts Erzengel Gabriel ist? Ich vergaß zu fragen.

Massive Glocken

Massive Glocken

Aber was ist das? Eine kleine Uhr? Die gehört schon zur Domuhr, so kann der Uhrmeister hier bereits sehen was die Stunde oben schlägt. Und ob alles richtig geht. Ich denke er freut sich, wenn der Wechsel von Sommer- und Winterzeit aufgehoben wird.

Sonntag, 13.39 Uhr

Sonntag, 13.39 Uhr

Und da ist sie endlich, die Domuhr von hinten. Mit der geöffneten Klappe, durch die nun die Sommersonne scheint. Da geht es mit der Kamera am Stativ hin.

Die Domuhr von hinten

Die Domuhr von hinten

Hach, die alte Mechanik, ich finde so etwas ja immer schön. Aber am beeindruckendsten von allem, und auch am überraschendsten, war die Treppe im Turm. Nein, die habe ich nicht betreten, auf keinen Fall. Blümerant wird einem dort, hat Henner Flügger gesagt, und ich kann mir das auch ohne Test vorstellen. Es ist mir nicht gelungen, die gesamte Treppe und die spezielle Atmosphäre im Bild festzuhalten. Ein wenig erinnert mich das an Harry Potter, oder „Der Name der Rose“. Jedenfalls bin ich dankbar, dass ich diesen Blick hinter die Turmkulissen erhaschen konnte.

Turmaufstieg? Nicht für mich. Ich beobachte lieber die Uhren-Mechanik.

Turmaufstieg? Nicht für mich. Ich beobachte lieber die Uhren-Mechanik.

Aber jetzt, endlich, der Blick nach draußen. Immerhin ist der Marktplatz sommerlich belebt, sonst sähe es aus als wäre in Bremen nichts los. Stimmt aber gar nicht. Nur sind die Geschäfte in der City sonntags geschlossen, und auch die Straßenbahn wollte einfach nicht vorbeifahren. An dieser Stelle sprang mir die mangelnde Zeit – mein Begleiter hatte ja noch zu tun – geradezu ins Auge: In Form des Uhrzeigers, der sich vor meiner Linse bewegte. Im Film seht ihr das. Dabei wäre ich gerne noch geblieben, dem Himmel ganz nah.

Blick auf die Bremer City, Standort: Domuhr im Nordturm

Blick auf die Bremer City, Standort: Domuhr im Nordturm

Im Film erkennt ihr gut, wie dicht alles beieinander liegt, in der Stadt der kurzen Wege. Bis in die Überseestadt kann man gut laufen. Ideal für Kurzurlaube, denn die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind nicht weit, so dass man mehr Zeit hat, sich diese in Ruhe anzuschauen oder die schöne Stimmung auf dem Marktplatz bei einem leckeren Kaffee zu genießen. Um danach in den Dom zu schauen, oder eine Rathausführung zu machen? Um den Abend an der Weserpromenade Schlachte oder im Viertel ausklingen zu lassen? Danach noch ein Bummel durch Schnoor und Böttcherstraße … Kurze Wege heißt ja nicht, das es wenig zu Entdecken gibt.

Zum Abschluss musste ich mir die „Balkonseite“ des Doms noch einmal von der Erde aus anschauen.

Domblick auf dem Domshof

Domblick auf dem Domshof

Und dann genoss ich noch einen Kaffee, mit Blick auf Rathaus, Dom und Bürgerschaft, im Schatten des Schütting. Hach, wie ich diesen Platz liebe.

Der Dom am wunderschönen Marktplatz

Der Dom am wunderschönen Marktplatz

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