Erleuchtung garantiert – Die Feuerspuren in Gröpelingen

Seit zehn Jahren findet immer im November in Gröpelingen das Festival Feuerspuren statt. An einem Wochenende verwandelt sich die Lindenhofstraße dann in die „Straße voller Geschichten“. Nicht nur verbal, sondern auch kulinarisch und per Illumination werden hier dann unzählige Geschichten aus aller Welt lebendig. Ich war da und hab mich erleuchten lassen.

Es ist Sonntagabend, kurz vor fünf, als ich an der Lindenhofstraße ankomme. Ich bin dem Sonnenuntergang entgegen gefahren und inzwischen liegt nur noch ein zarter Blauschimmer im Himmel über Gröpelingen. Das Menschenmeer, das sich nach links und rechts in der Einkaufsstraße erstreckt, verwandelt sich langsam in ein Lichtermeer. Überall funkelt, blinkt und blitz, flackert und flammt es. Gerade findet auf einer der zahlreichen Außenbühnen eine der letzten Feuershows statt.

Ich laufe los. In einigen Läden, die an diesem Sonntag alle geöffnet haben, zeigt sich ein ungewöhnliches Bild. Dort wo sonst Haare gewaschen und geschnitten werden, wo Kleidung gereinigt und beim Kauf von Radzubehör beraten, wo im Alltag dem ganz normalen Tagesgeschäft nachgegangen wird, haben sich jetzt unzählige Zuschauer in engen Stuhlreihen eingefunden. Sie warten geduldig auf die nächsten Geschichten, die hier laut Programm gleich erzählt werden sollen. Das Festival „Feuerspuren“ ist nämlich ein Erzählfestival und zum Zeitpunkt meines Besuchs sind bereits über fünfzig Geschichten aus aller Welt zum Besten gegeben worden, viele davon mehrsprachig, von weit über fünfzig verschiedenen Erzählerinnen und Erzählern. Auch die ortsansässige Moschee und die evangelische Gemeinde ein paar Meter weiter sind Stationen.

Alles ist erleuchtet - die Lindenhofstraße verwandelt sich in eine leuchtende Flaniermeile.

Alles ist erleuchtet – die Lindenhofstraße verwandelt sich in eine leuchtende Flaniermeile.

Buntes Treiben überall

Seit zehn Jahren wird das Erzählfestival veranstaltet. Inzwischen ist es zu einer ausgewachsenen Instanz im Bremer Westen avanciert. Es lockt jährlich mehrere Tausend Besucherinnen und Besucher an. Auch an diesem Abend sind viele Zuschauer allen Alters auf den Beinen. Mit dem Menschenstrom lasse ich bis zum südlichen Ende der Lindenhofstraße treiben. Die letzten Erzählshows haben begonnen und immer wieder fällt mein Blick ins Innere der Geschäfte, wo gespannte Zuhörende den Worten der Erzählenden lauschen.

Ungewöhnlicher Anblick - die Geschäfte in der Lindenhofstraße verwandeln sich zu Veranstaltungsräumen, in denen Geschichten erzählt werden.

Ungewöhnlicher Anblick – die Geschäfte in der Lindenhofstraße verwandeln sich zu Veranstaltungsräumen, in denen Geschichten erzählt werden.

Am Platz vor der Stadtbibliothek verweile ich ein bisschen. Ein paar Mal quert das Laternentaxi für Kinder meinen Weg. Ein Bollerwagen, der prunkvoll mit etlichen bunten Laternen geschmückt und behängt ist. Auf den kleinen Bollerwagenholzbänken sind stets glückliche Kindergesichter auszumachen. Rundherum leuchtet inzwischen fast in jeder Hand eine Laterne. Auch elektrisch betriebene Glitzerleuchtstäbchen, bunte Blinkkugeln und kunstvoll gestaltet Lichterglitzerlampignons über den Köpfen illuminieren die Umgebung. Ein glimmender Stabdrache, wie man ihn beispielsweise aus China kennt und der von gleich vier Menschen an Stangen in die Luft gereckt wird, ist zum Leben erweckt worden.

Die mit dem Feuer spielen

Die Erzählungen scheinen allerorts zum Ende (hoffentlich mit Happy End) gekommen zu sein, denn nach und nach füllt sich der Bibliotheksplatz mit Menschen. Eine letzte Feuershow lockt noch einmal viele Neugierige an, die sich um die große Bühne versammeln. In ihren Augen reflektiert der Feuerschein der Fackeln, die von den beiden Artisten gekonnt durch die Luft gewirbelt und jongliert werden.

Die letzte Feuershow vor der Bibliothek, von der Gruppe "Spice".

Die letzte Feuershow vor der Bibliothek, von der Gruppe „Spice“.

Nachdem die treibenden Bässe der dramatischen Show verklungen sind, ertönen schräg gegenüber die ersten Trommelschläge zweier Sambatruppen. Die Masse setzt sich samt Laternen, Blitzlichtern und Glimmerstangen in Bewegung und ein langer Zug aus Menschen und Lichtern bewegt sich in Richtung Weser. Hier findet zum Abschluss des Wochenendes ein Feuerwerk statt.

Die Spitze des Lichterumzugs zur Weser sammelt sich um 18 Uhr.

Die Spitze des Lichterumzugs zur Weser sammelt sich um 18 Uhr.

Ein Ort voller Geschichten

Ich bleibe zurück und beobachte, wie langsam wieder Ruhe auf dem Platz an der Lindenhofstraße einkehrt. Hier und da beginnen die ersten Helfer, Stände und Bühnen abzubauen. Ein leichter Hauch des Fackelbrennstoffs liegt noch in der Luft. Aber auch Aromen von Waffeln und Schmalzkuchen sowie Köfte, die auf großen Grills zubereitet wurden, mischen sich darunter. Auf dem Rückweg gönne ich mir noch einen Döner und lausche dem Knallen des Feuerwerks. Hier tauche ich auf so vielen Ebenen in verschiedene Welten ein, dass ich mir fest vornehme, beim nächsten Mal noch mehr des Festivals zu erleben. Ich kann mir keinen besseren Ort für die Feuerspuren vorstellen. Schließlich hat Gröpelingen ohnehin schon unzählige Geschichten aus aller Welt zu bieten. Umso schöner, wenn sie wie an diesem Wochenende ihre Zuhörerinnen und Zuhörer finden.

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