Flughafen Bremen – Ein Blick hinter die Kulissen

Fluggäste kennen diesen Moment: Kurz nach Abgabe ihres Gepäcks können sie noch einen letzten Blick auf ihren Koffer erhaschen, bevor er auf Lauf- und Förderbändern im geheimnisvollen Raum hinter den kleinen Rolltoren verschwindet. Was genau ein Gepäckstück dort erlebt, habe ich mir am Bremer Flughafen anschauen dürfen.

An einem sommerlichen Tag, der passender für mein heutiges Thema nicht sein könnte, radel ich zum Bremer Flughafen und bin wieder einmal überrascht, wie ungewöhnlich nah in Bremen der Startpunkt in die Ferne liegt. Als ich mein Fahrrad abschließe, startet gerade ein Flugzeug und ich bekomme sofort Fernweh. Das wird mir im Laufe der nächsten Stunde noch mehrfach so gehen.

Am Infopunkt im Terminal treffe ich Andrea Hartmann. Sie ist seit sieben Jahren Pressesprecherin der Flughafen Bremen GmbH und nimmt mich heute mit hinter die Kulissen, wo Reisende für gewöhnlich nicht hin gelangen. Zunächst stelle ich ihr meine Begleiter vor, die heute als Fotomodell dienen. Bei den vier Gefährten handelt es sich um niemand geringeres als die Bremer Stadtmusikanten. In der Plüschtiervariante schicke ich sie heute aufs Kofferband und in die geheimnisvollen Hallen hinter den Rolltoren an der Gepäckabgabe.

Jetzt heißt es "Auf Wiedersehen": Am Check In-Schalter verschwindet aufgegebenes Gepäck im geheimnisvollen Raum hinter den Rolltoren.

Jetzt heißt es „Auf Wiedersehen“: Am Check In-Schalter verschwindet aufgegebenes Gepäck im geheimnisvollen Raum hinter den Rolltoren.

Zum Check In-Schalter gehe ich also als erstes mit Frau Hartmann, um dort Esel, Hund, Katze und Hahn in Szene zu setzen. Hier beginnt die Reise des aufgegebenen Gepäcks.

Ab in den Sicherheitsbereich

Im Anschluss führt mich Frau Hartmann außen um die langgezogenen Terminalgebäude zu Tor 1, wo sich eine Sicherheitsschleuse für Personal und Flugzeugcrews befindet. Dort bekomme ich nach Abgabe meines Ausweises einen Besucherpass, eine Warnweste und muss natürlich einmal durch den Detektor gehen. Mein Rucksack sowie meine plüschigen Begleiter werden in der Röntgenanlage durchleuchtet.

Sicherheit geht vor. Auch meine vier Gefährten mussten durch die Rötgenmaschine.

Sicherheit geht vor. Auch meine vier Gefährten mussten durch die Röntgenmaschine.

Auf dem Vorfeld nimmt uns ein Mitarbeiter der Bodenabfertigung in Empfang. Er führt uns zu einer der beiden Gepäckschleusen des Bremer Flughafens. Hier landen alle Koffer und Taschen, die vorne im Terminal aufgegeben und mit einem baggage tag versehen werden. Frau Hartmann schätzt die Anzahl der Gepäckstücke, die hier im Jahr durchlaufen, auf etwa eine Million.

Sortieren, sortieren, sortieren

Egal, ob Langstreckenflug oder lokales Ziel – die aufgegebenen Gepäckstücke laufen nach der Abgabe alle über ein Band und zunächst durch den Sicherheitsscan. Hier werden alle Gepäckstücke, die in ein Flugzeug verladen werden durchleuchtet und sicher gemacht.

Eben noch durchleuchtet worden, dann geht es über die Rutsche aufs Sortierband.

Eben noch durchleuchtet worden, dann geht es über die Rutsche aufs Sortierband.

Von dort gelangen sie auf ein großes Rundband und werden von hier per Hand auf verschiedene Trolleys und kleine Container sortiert – je nach Ziel und Airline. Manche Fluggesellschaften arbeiten beim Verladen mit fertigen Containern, die vorher gepackt werden und dann nur noch in den Flugzeugrumpf hinein geschoben werden, andere beladen ihre Flieger erst vor Ort mit den einzelnen Gepäckstücken. Der Mitarbeiter von der Bodenabfertigung, der uns herum führt, nennt das salopp eine Art „Tetris zu spielen“.

Vom im Rund laufenden Band aus werden Koffer und Taschen per Hand auf einzelne Trolleys und Container sortiert. Anhand der baggage tags erkennen die Mitarbeiter, für welchen Flug ein Gepäckstück vorgesehen ist.

Vom im Rund laufenden Band aus werden Koffer und Taschen per Hand auf einzelne Trolleys und Container sortiert. Anhand der baggage tags erkennen die Mitarbeiter, für welchen Flug ein Gepäckstück vorgesehen ist.

Die Trolley stehen schon bereit zur Abholung. Mit einem kleine, wendigen Gefährt werden sie zum Flieger auf dem Vorfeld gefahren.

Die Trolley stehen schon bereit zur Abholung. Mit einem kleine, wendigen Gefährt werden sie zum Flieger auf dem Vorfeld gefahren.

MUC für München, aber wofür steht YYZ? Die Mitarbeiter in der Gepäckschleuse kennen die Flughafen-Codes wahrscheinlich alle.

MUC für München, aber wofür steht YYZ? Die Mitarbeiter in der Gepäckschleuse kennen die Flughafen-Codes wahrscheinlich alle.

Dann geht’s zum Flieger

In der zweiten Gepäckschleuse, wo gerade noch einige Koffer im Kreis fahren und sortiert werden, dürfen die Bremer Stadtmusikanten auch mal aufs Band. Dann verladen wir sie auf einen der vollgepackten Trolleys, die gerade von einem der typischen kleinen Zugwagen abgeholt und aufs Rollfeld gebracht werden.

Auf den Trolleys ist das Gepäck meist schon so gepackt, dass es im Flieger dann gut gestapelt werden kann.

Auf den Trolleys ist das Gepäck meist schon so gepackt, dass es im Flieger dann gut gestapelt werden kann.

Hier wartet schon eine Maschine auf ihren Abflug nach Palma. Ihre Turbinen brausen und ich bekomme schon wieder Fernweh. Während die Passagiere über die Gangway ins Flugzeuginnere gelangen, wird der Rumpf der Maschine mit ihrem Gepäck bepackt. Der Trolleyzug hält vor einem Förderband, über das jedes einzelne Stück zur Ladeluke in etwa drei bis vier Meter Höhe befördert wird. Dort wartet schon einer der Kollegen der Bodenverkehrsdienste, um die Koffer im Bauch des Flugzeuges sachgerecht zu stapeln.

Heute geht es nicht in die Ferne

Ich rette meine vier Gefährten vom Förderband, bevor sie im Flugzeuginnern verschwinden können. Sie durften präsentieren, wie der Weg eines Koffers nach Abgabe am Schalter verläuft. Aber nach Palma geht es für sie heute nicht. Ihre Reise liegt doch ohnehin bereits hinter ihnen. Sie sind ja schließlich in Bremen schon lange angekommen.

Fast wären sie mir entwischt und wären nach Palma geflogen. ;-)

Fast wären sie mir entwischt und wären nach Palma geflogen. ;-)

 

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